Familienunternehmer im Badeteil

Kritik an der Tölzer Tourismus-Politik: Bürgermeister nimmt Stellung

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Das Ende einer Ära: Nach der Schließung des „Alpamare“ im Sommer 2015 kratzt ein Betriebshof-Mitarbeiter das Logo des Spaßbads von den örtlichen Wegweisern.
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Harsche Kritik an der Tölzer Tourismus-Politik üben einige Tölzer Gastgeber. Bürgermeister Josef Janker nimmt dazu Stellung.

Bad Tölz – Der Kreis der „Familienunternehmer im Badeteil“ (FUB) hat sich nach der Gründung weitere Male getroffen – und wächst. Wie Initiatorin Roswitha Sedlmayr berichtet, nahmen zuletzt elf Inhaber von Hotels und Pensionen teil. Ergebnis ist ein Papier, in dem der Kreis seine Kritik an der städtischen Tourismus-Politik wiederholt und eine Neuausrichtung fordert. Zu einem persönlichen Gespräch zwischen den Unternehmern und Vertretern von Stadt sowie Tourist-Info kam es hingegen nicht. Auf Anfrage des Tölzer Kurier nimmt Bürgermeister Josef Janker nun aber Stellung.

Nachdem der Tölzer Kurier über das erste Treffen der Familienunternehmer berichtet hatte, lud Janker die einzelnen Teilnehmer zum vertraulichen Gespräch ein. Da Initiatorin Roswitha Sedlmayr von dieser Einladung ausgeschlossen blieb, weigerten sich aber auch die anderen. Im neuen Papier der Gruppe heißt es nun: „Die FUB wollen als nächsten Schritt als Gesamtgruppe vor dem gesamten Stadtrat sprechen.“

Auf Anfrage erklärt Janker, er habe Roswitha Sedlmayr deshalb nicht eingeladen, weil es ihr nach seiner Einschätzung nicht um den Tourismus gehe, sondern um die Ablehnung ihres Vorbescheidsantrags auf Nutzungsänderung. Wie berichtet hatte Familie Sedlmayr klären wollen, ob sie ihr bestehendes Sanatorium in ein Wohnhaus umbauen könnte. Der Stadtrat lehnte dies ab und beschloss stattdessen eine Veränderungssperre und die Aufstellung eines Bebauungsplans, der an dieser Stelle touristische Nutzung vorschreibt.

Dazu gebe es nichts mehr zu sagen, so Janker. Familie Sedlmayr habe einen Anwalt eingeschaltet und angekündigt, dass es auf einen Rechtsstreit hinauslaufen werde. In diesem Stadium aber seien „bilaterale Gespräche“ nicht mehr möglich. Um vor dem Stadtrat zu sprechen, müsse die Gruppe die Stadträte selbst einladen.

Die FUB schreiben in ihrem Papier: „Die Idee, den Gastgebern des Badeteils Veränderungssperren auszusprechen, ist Ausdruck der Ohnmacht dieser Stadtverwaltung. Alles, was in den letzten Jahren verabsäumt wurde, soll jetzt auf dem Rücken der noch aktiven Familienunternehmer ausgetragen werden.“

Den Vorwurf, bei der Veränderungssperre handele es sich um eine „Enteignung“, und die Unternehmer würden der Freiheit in der Nutzung ihres Eigentums beraubt, weist Janker zurück. „Die Veränderungssperre ist eine Fixierung des jetzigen Baurechts, das Familie Sedlmayr hat“, sagt er. Es habe sich also am Status quo nichts verändert. Laut Grundgesetz werde die Nutzung des Eigentums durch Gesetze eingeschränkt – darunter das Baugesetz. Niemand werde gezwungen, einen touristischen Betrieb weiterzuführen. „Man kann ihn auch verkaufen.“

„Was ist Bad Tölz ohne ein Bad, das alle anspricht?“

Das Sanatorium Sedlmayr liege in einem Gebiet mit „funktionierenden touristischen Betrieben, die gute Übernachtungszahlen haben“. Diese sollten durch die Veränderungssperre und den geplanten Bebauungsplan geschützt werden. Daher hätte er auch gerne mit den einzelnen Unternehmern aus der Nachbarschaft geklärt, warum sie die Veränderungssperre ablehnen. In jedem Fall sei diese Maßnahme auch als „dringende Auszeit“ nötig, um nicht Fakten zu schaffen, bevor die vorbereitenden Untersuchungen für das „Sanierungsgebiet Badeteil“ vorliegen. Diese sollen voraussichtlich im Sommer vorgestellt werden.

Die FUB fordern generell „Respekt und Wertschätzung für uns und unsere Arbeit“ ein. Respekt bringe die Stadt jedem Bürger entgegen, antwortet Janker. Daraus lasse sich aber kein Rechtsanspruch auf die Erfüllung von Einzelinteressen ableiten. Respekt erwarte er aber auch gegenüber der Tourist-Info und der Stadtverwaltung. „Ihnen Fachkompetenz abzusprechen, ist eine Unverschämtheit gegenüber Frau Hohenreiter und ihrem Team.“

Unter dem Punkt „Gemeinsam ein tragfähiges Zukunftskonzept entwickeln“ fordern die FUB ein „Leuchtturmprojekt“. „Was ist Bad Tölz ohne ein Bad, welches alle Zielgruppen anspricht?“, fragen sie. „Ein Bad im Sinne des Alpamare mit großzügigen Wasserflächen – innen und außen – sowie Sauna- und Wellnessbereich.“

Eine Therme wie in Kochel ist „nicht finanzierbar“

Dafür sieht Janker keine Chancen: „Der Zug ist abgefahren.“ Nachdem der Kauf des Alpamare durch die Stadt gescheitert sei, habe die Stadt mit dem „Natura Tölz“ eine Alternative anbieten wollen. „Das wäre mit 12 Millionen Euro Kosten ein Leuchtturmprojekt gewesen.“ Von Seiten der Gastgeber habe es allerdings keinen Rückenwind bekommen und sei auch in der Bevölkerung „ein höchst ungeliebtes Projekt“ gewesen. „In Anbetracht dessen war uns das Defizit, das wir hätten tragen müssen, zu hoch.“ Eine Einrichtung wie das Kochler Kristall-Trimini aber sei auch in Zukunft schlicht „nicht finanzierbar“. Nun sieht der Bürgermeister die Gastgeber selbst gefordert, Wellness-Angebote in den eigenen Häusern zu schaffen, falls sie das wollen.

Gänzlich auseinander gehen die Sichtweisen der FUB und der Stadt, wie es um den Tourismus in Tölz bestellt ist. „Entgegen dem kontinuierlich wachsenden Tourismus in allen bayerischen Gemeinden bleibt Bad Tölz als Urlaubsdestination als Verlierer zurück“, schreiben die FUB. „Die Belegung der Hotels und Gästehäuser ist stark rückläufig.“ Dem hält Janker entgegen: „Die Tatsache, dass die Gewerbesteuereinnahmen von 2009 bis heute von 2,9 Millionen auf 7 Millionen Euro gestiegen sind, ist ein Zeichen, das Tölz prosperiert und funktioniert.“

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