Auflösung abgewendet

Kunstverein Tölzer Land: Rettung in letzter Minute

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Erleichterung beim Kunstverein: (v.li.) Die Vorstände Sylvia van der Drift und Birgit Haas-Heinrich mit ihrer neuen Mannschaft mit Schatzmeister Bernhard Kleinhenz, Schriftführerin Ruth Emrich, Stephan Koch (Öffentlichkeitsarbeit) und Jürn Ehlers (Kunstwanderweg am Blomberg).

Der Kunstverein Tölzer Land konnte wieder einmal seine Auflösung in letzter Minute verhindern. Neue Mitglieder sind in den Vorstand gerückt. Alle Probleme sind damit jedoch nicht gelöst.

Bad Tölz – Am 10. April stand der Kunstverein Tölzer Land kurz vor dem Aus. Nach einigen Rücktritten standen die Vorsitzende Sylvia van der Drift und ihre Stellvertreterin Birgit Haas-Heinrich ohne die nach dem Vereinsrecht zwingend erforderlichen weiteren Vorstandsmitglieder da (wir berichteten).

In den vergangenen Jahren belastete ein Kommen und Gehen die kontinuierliche Vereinsarbeit, weil sich die Bereitschaft der Mitglieder in engen Grenzen hielt, sich ehrenamtlich für den Verein zu engagieren. „Seit 19 Jahren haben wir jetzt dieses Gfrett“, beklagte sich ein Mitglied.

Als man vor wenigen Tagen erneut zusammenkam, gab es Rettung buchstäblich in letzter Minute. Zwei Neumitglieder erklärten sich spontan bereit, Verantwortung zu übernehmen. Bernhard Kleinhenz übernahm den wichtigen Posten des Schatzmeisters, und Stephan Koch will sich um Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Nach dieser überraschenden Wendung erklärte sich die eigentlich zurückgetretene Schriftführerin Ruth Emrich bereit, doch noch ein Jahr dranzuhängen. Und Jürn Ehlers will den Kunstwanderweg am Blomberg betreuen.

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Mit der komplettierten Vorstandschaft ist die Personalkrise zwar erst einmal gelöst, doch die Vereinsführung muss nun auch die strukturellen Probleme in den Griff bekommen: Stephan Koch und der ausgeschiedene Schatzmeister Kurt Wagner wiesen darauf hin, dass den 8000 Euro Jahreskosten für den angemieteten Kunstsalon im Obergeschoss der Marktstraße 6 viel zu geringe Einnahmen aus der Nutzung dieser Immobilie gegenüberstehen. Wenn sich das nicht ändere, so Wagner, seien alle Reserven des Vereins bereits in naher Zukunft aufgebraucht. Die ausgiebige Diskussion der 17 anwesenden Mitglieder glich zum Teil einer Nabelschau. Es gab es eine Menge trübsinnige und ermüdende Selbstbespiegelungen zu hören, aber doch auch ganz konkrete zukunftsgerichtete Vorschläge für neue Handlungsstrategien. In einem Satz zusammengefasst: „Nach außen gehen und Öffentlichkeit reinholen.“ Dass sich da vieles besser machen lässt, machten mehrere Mitglieder deutlich: „Kaum jemand findet die Treppe hinauf in unsere Ausstellungsräume“, so eine Klage, und es käme sogar vor, dass man „zu den offiziellen Öffnungszeiten einer Ausstellung vor verschlossenen Türen steht“, weil der Aussteller oder ein bestellter Aufseher nach Haus gegangen seien.

Stephan Koch regte an, für den Kunstsalon eine Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen, alle Möglichkeiten einer besseren Belegung und Vermarktung der Räume auszuschöpfen und im ungünstigsten Falle das Mietverhältnis zu beenden und andere Optionen zu ziehen. Bernhard Kleinhenz forderte, man müsse sich „weniger mit sich selbst beschäftigen, sondern sich auch gesellschaftspolitisch positionieren, um wahrgenommen zu werden“. Viele Möglichkeiten blieben hier ungenutzt. Gerade etwa auch in Fragen der Stadtgestaltung sollten Kunstschaffende ihre Kompetenz in den Diskurs einbringen.

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Die an diesem Abend gesundheitlich stark angeschlagene Vorsitzende Sylvia van der Drift war es, die eine sich verheddernde Diskussion immer wieder unterband und mahnte: „Wir brauchen jetzt Kandidaten.“ Am Ende konnte sie aufatmen: „Ich freue mich, dass es weitergeht, mir liegt sehr viel daran.“ (rbe) 

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