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Lenggrieser Pferdebesitzerin klagt: Reiter werden immer öfter angefeindet

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Plädiert für ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier: Stefanie Pöhlmann.
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Ein Ausritt in Lenggries gleicht inzwischen einem Spießrutenlauf. So zumindest empfindet es Pferdestallbetreiberin Stefanie Pöhlmann von Gut Hohenburg.

Lenggries – Auf Höhe der Hütte der Bayerischen Staatsforsten schießt von hinten plötzlich ein Skifahrer heran. Erst kurz vor dem Pferd und seiner Reiterin bremst er scharf ab. Die Stute erschrickt und galoppiert los. Als die Frau das Tier wieder unter Kontrolle hat, vollführt der Mann erneut eine Vollbremsung – er war zwischenzeitlich mit den Tourenskiern wieder aufgestiegen. Die Reiterin aus Lenggries fragt, ob er sie in Gefahr bringen wolle. „Ja“, antwortet der Mann.

Der Vorfall im März dieses Jahres im Hirschbachtal zeigt: Von einem friedlichen Miteinander sind Pferde- und andere Freizeitsportler in Lenggries weit entfernt. Die betroffene Reiterin will anonym bleiben – aus Angst vor weiteren Anfeindungen.

Verbalen Entgleisungen ist Stefanie Pöhlmann bereits gewohnt. Die 38-Jährige betreibt zusammen mit ihrem Mann das Gut Hohenburg. Pöhlmann sagt: „Das Ausreiten ist zu einem Spießrutenlauf geworden.“

„Aber die Natur ist doch für alle da“, findet Pöhlmann

Regelmäßig erreichen sie Beschwerde-E-Mails oder Anrufe. Das Problem seien nicht nur die Hinterlassenschaften der Tiere. „Es ist einfach eng“, sagt Pöhlmann mit Blick auf die Breite der Wege im Isartal. Dort tummeln sich vor allem an den Wochenenden Wanderer, Mountainbiker, Skitourengeher – und eben auch die Pferdeliebhaber. Dass sich der Ton in den vergangenen Jahren derart verschärft hat, betrübt Pöhlmann. Allzu oft bekommt sie zu hören, dass ihre 40 Einsteller gefälligst auf dem Gutsgelände bleiben sollen, weil deren Pferde „alles vollscheißen“ würden. „Aber die Natur ist doch für alle da“, findet Pöhlmann.

Viel Verständnis bringt sie dagegen für die Problematik mit den Pferdeäpfeln auf. „Ich würde auch nicht wollen, dass mir jemand eine Tretmine vor die Türe legt.“ Immer wieder fordert Pöhlmann ihre Reiter auf, den Pferdemist mitzunehmen – oder zumindest zur Seite zu schieben. „Aber ich kann nicht alle kontrollieren.“ Wie bei Mountainbikern gebe es eben auch unter den Reitern rücksichtslose Zeitgenossen.

Ordnungsamt: „Es gibt immer wieder Beschwerden.“

Wie berichtet testete Pöhlmann zeitweise sogar eine Art Pferdewindel, um Geh- und Waldwege von Pferdemist freizuhalten. Doch das System ist aus ihrer Sicht noch nicht ganz ausgereift: Den Plastiksack am Hinterteil eines Pferdes zu befestigen, gestalte sich kompliziert. Außerdem könne man die Auffangsäckchen aktuell nur für viel Geld in Amerika bestellen. Pöhlmann zufolge bleiben sie dann meist auch noch im Zollamt in Reischenhart hängen. „Das ist den meisten zu aufwendig.“

Im Ordnungsamt der Gemeinde Lenggries weiß Helmut Potstada um die Probleme zwischen Pferde- und Freizeitsportlern. „Es gibt immer wieder Beschwerden.“ Vor allem über Reiter und Pferdehinterlassenschaften auf den Isarwanderwegen. Dort haben Pferde eigentlich nichts zu suchen, genauso wenig wie im Sommer an den Baggerweihern oder am Steinbach. Generell darf laut Potstada nur auf Forstwegen geritten werden, die nicht von einem blau-weißen Schild als Geh-, Radweg oder eine Kombination aus beidem ausgewiesen werden. Ob sich die Reiter daran halten, das könne das Ordnungsamt nicht kontrollieren.

Wie Pöhlmann auch würde sich Potstada mehr Vernunft von den Pferde- und Freizeitsportlern erhoffen: „Jeder müsste einfach ein bisschen Rücksicht auf den anderen nehmen.“

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