Als „Wordaholic, Selbstdarsteller und Kabarettist“ bezeichnet sich Ludwig W. Müller selbst. Und das trifft es ziemlich gut. Am Freitag war er wieder auf Einladung des KKK im Brauneck-Hotel zu erleben.
Lenggries – Ludwig Müllers Publikum kommt meist erst über den Umweg des Denkens zum Lachen – und das ist eine wahre Wohltat angesichts der zunehmenden Comedy-Verflachung, die oft auf platten Witz setzt. So wird selbst ein Best-of-Programm von dem Wahl-Münchner originell angekündigt: Er greife gerne in die alte Truhe, sei er doch ein bekennender „Alt-Truhist“. Lustvoll bedient Müller die Österreich-Klischees vor dem oberbayerischen Publikum, etwa die schwierige Frage, ob eine Muslima unter der Burka rauchen dürfe. Die messerscharfe Logik des Wiener Juristen erkennt: Durchaus, wenn sie darunter einen Nichtraucher-Bereich abtrennt.
Frappierend auch die Erkenntnis über die Bevölkerungsdichte in der Alpenrepublik: ein Einwohner pro Kopf! Und der Mann, der die versehentlich geschlossene Autotür mit einem Draht zu öffnen versucht, wird zur echten Lachnummer, als Müller bemerkt, die drinnen sitzende Ehefrau dirigiere seine Bemühungen durchaus mit Anteilnahme. Für das Lenggrieser Publikum machen sich da die Ösis zum Deppen; die Salzburger lachen natürlich über die Oberbayern. Als „Mitglied einer Ehe mit Migrationshintergrund“ erlebt Müller diese spezielle Problematik jeden Tag zuhause. Seine Frau, Cellistin bei den Münchner Philharmonikern, stammt vom oberbayerischen Land.
Man lebt in München mit Zweitwohnsitz in Wien, was Gelegenheit bietet, den hiesigen mit dem dortigen Immobilienmarkt zu vergleichen. Wofür man in Wien eine wunderschöne Zwei-Zimmer-Altbauwohnung bekomme, das reiche in München gerade mal für „den Stellplatz in einer WG“. Außerdem lasse sich im Wiener Domizil im täglichen Miteinander quasi nebenbei Türkisch, Ungarisch, Tschechisch, ja sogar Japanisch erlernen. Dem Sohn eines türkischen Nachbarn erteile er seinerseits Deutsch-Nachhilfeunterricht und wurde dafür vom Vater zum türkischen Kaffee eingeladen („Haben Sie schon mal Kaffee gegessen?“). Und auch wenn er sich in München mittlerweile recht wohl fühle, so gehe ihm die spezielle Wiener Kaffeehaus-Kultur doch gehörig ab. Die Kellner „mit diesem Aufmerksamkeitsdefizit bis hin zum Wachkoma“, die fast schon versteinerten Stammgäste, die beim Malern „mit Schutzfolie überklebt“ werden: „Ich liebe es, dort zu sitzen und zu dichten.“ Etwa die unerhörte Geschichte vom „bettelarmen Bauernbursch Franz“, der im heldenhaften Kampf mit mehreren Rittern Herz und Hand der schönen Prinzessin Hannelore erringt: „Du bist fürwahr koa schiache Katz’; i führ’ di in die Kirche, Schatz…“
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Für den Pendler ist natürlich auch die Bahn ein unerschöpfliches Thema, insbesondere wenn man die bösen Sticheleien der Bahnmitarbeiter im Grenzverkehr ausreizt, die Müllervor den Augen und Ohren des Publikums erstehen lässt: „Unsere Weiterfahrt nach Salzburg verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Das österreichische Zugteam hat soeben geschlossen das Pensionsalter erreicht.“ (Sabine Näher)
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