Mahler machte Millionen-Verluste

Aus von Möbel Mahler trifft 600 Mitarbeiter

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Bald ist Abverkauf: Der Möbelhändler Mahler krempelt sein Geschäft um und schließt auch den Standort Wolfratshausen. Branchen-Kenner halten es für möglich, dass die XXXL-Gruppe das Gebäude übernehmen könnte.
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Wolfratshausen - Möbel Mahler macht seine Einrichtungshäuser in Wolfratshausen und Bopfingen dicht. 600 Beschäftigte sind betroffen. Mahler zieht damit Konsequenz aus gescheiterten Verhandlungen mit XXXLutz.

Lange war über eine Fortführung des Möbelhauses spekuliert worden. Jetzt herrscht Gewissheit: Das Einrichtungszentrum Mahler in Wolfratshausen wird nicht weitergeführt. Stattdessen macht die Eigentümerfamilie
">Mahler ihre Niederlassung dicht
, die Immobilie soll verkauft werden. 260 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen, betriebsbedingte Kündigungen schließt Mahler nicht aus. Von der Radikalkur sind auch die 340 Mitarbeiter am Stammsitz im baden-württembergischen Bopfingen betroffen. Sie seien bereits am Dienstag über die Schließung informiert worden, teilte das Unternehmen gestern mit. Die Schließungen würden „zeitnah“ erfolgen.

Damit bleibt als einziges Möbelhaus der Mahler-Gruppe das erst 2013 eröffnete Einrichtungshaus im schwäbischen Neu-Ulm bestehen. Eine Niederlassung in Sachsen hatte das Unternehmen bereits vor einigen Jahren an die Höffner-Gruppe verkauft.

Möbel Mahler machte Millionen-Verluste

Mit seinem Umbau reagiert der Inhaber der Möbelhäuser, Gerhard Mahler, auf den Wettbewerbsdruck in der Branche und einen Kannibalisierungseffekt durch sein jüngstes Möbelhaus in Neu-Ulm: Die Einzugsgebiete der Möbel-Häuser hätten sich teilweise überschnitten, hieß es. Zudem habe es an den Standorten Wolfratshausen und Bopfingen einen Investitionsstau gegeben. Die wirtschaftlichen Risiken einer Fortführung seien für die Familie nicht mehr tragbar gewesen. Mahler hatte nach jüngsten im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen in Wolfratshausen bereits in den Jahren 2012 und 2013 Millionen-Verluste ausgewiesen, trotz wachsender Umsätze waren die Verluste sogar gestiegen.

Mahler wollte verkaufen – der Deal scheiterte aber. „Die mit mehreren Unternehmen geführten Verhandlungen führten leider nicht zum ersehnten Erfolg“, hieß es gestern. Nach dem Scheitern der geplanten Übernahme habe Mahler nun diese „harte Entscheidung“ treffen müssen.

Branchenkenner sind überrascht

Der Einschnitt hat selbst Branchenkenner überrascht: Bislang galt es fast schon als ausgemacht, dass sich der österreichische ">Möbelgigant XXXLutz die beiden Mahler-Standorte einverleibt. Zudem wurde vor zwei Wochen bekannt, dass sich die XXXL-Gruppe einen zehnprozentigen Anteil am Mahler-Möbelhaus in Neu-Ulm gesichert hatte. Damit stand Mahler plötzlich ein Zugang zum mächtigen Einkaufsverband Giga International offen.

Einkaufsverbände spielen in der umkämpften Branche eine Schlüsselrolle. Über den Zusammenschluss in Verbänden stärken die Händler ihre Verhandlungsmacht gegenüber den Möbelfabrikanten. Küchenschränke und Wohnzimmergarnituren sind dadurch im Einkauf günstiger – ein entscheidender Vorteil in der aggressiven Preisschlacht mit konkurrierenden Möbelhäusern. Lediglich Ikea und der internationale Steinhoff-Konzern mit seinen Poco-Märkten fahren eine andere Strategie und setzen auf eigene Produktionsstätten. Ansonsten dominieren Verbände den Großeinkauf.

Nur geriet Anfang des Jahres das Gefüge der Zweckfreundschaften kräftig ins Wanken: Zu Jahresbeginn verließ die XXXL-Gruppe schlagartig den Begros-Verband, zu dem auch Möbelhäuser wie Biller oder Inhofer gehören. Die XXXL-Händler nahmen die Hälfte ihres Umsatzes von rund sechs Milliarden Euro mit und gründeten den neuen Verband Giga International. Giga liefert sich seitdem ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Begros.

Durch den zehnprozentigen XXXL-Einstieg am Mahler-Haus in Neu-Ulm sicherte sich Mahler einen lukrativen Zugang zum günstigen Einkauf – die XXXL-Gruppe profitierte durch eine Stärkung des Giga-Verbandes. Warum jetzt der Deal mit Mahler in Wolfratshausen und Bopfingen scheiterte, können auch Branchen-Kenner nicht sicher beantworten. Insider sagen, dass die Lutz-Gruppe nach einer Pause das Möbelhaus in Wolfratshausen wieder eröffnen werde – XXXLutz hätte damit einen kostspieligen Betriebsübergang vermieden. Für die Stadt ist der Weggang des Möbelhauses ein Verlust, besonders Sportvereine hatten profitiert.

Sebastian Hölzle

Die Reaktionen auf die Schließung

Die Reaktionen auf die Schließung von Möbel Mahler

Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?"
Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?" © sh
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter."
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter." © sh
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart."
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart." © sh
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? "
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? " © sh
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen."
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen." © sh
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?"
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?" © sh
klaus heilinglechner - bürgermeister wolfratshausen - No Model-Release! No Property-Release! Foto Sabine Hermsdorf
Klaus Heilinglechner, Bürgermeister in Wolfratshausen: "Wenn ich könnte, würde ich Gerhard Mahler umstimmen. Aber seine Entscheidung steht - leider. Ich habe heute früh eine halbe Stunde mit ihm telefoniert und man hat deutlich gemerkt, wie nahe ihm das geht. Für Wolfratshausen war Möbel Mahler unheimlich wertvoll. Jede Rundfunkwerbung, jede Taxiwerbung war gut für das Image der Stadt. Überrascht hat mich die Entscheidung nur insofern, als Mahler 2013 noch einen Antrag auf Erweiterung um 20000 Quadratmeter gestellt hatte und auf Wunsch des Stadtrats auch ein Parkdeck gebaut hätte. Nach den jüngsten Entwicklungen und den Gesprächen mit XXXLutz konnte man sich aber nicht mehr so sicher sein, in welche Richtung es geht." © archiv
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit."
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit." © archiv
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden."
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden." © archiv
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe.
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe. © archiv
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden."
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden." © archiv
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen."
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen." © archiv

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