Wahl im Stadtrat

Jacqueline Charlier wird neue Kommunalreferentin: Sie ist Münchens neue Haus-Herrin

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Jacqueline Charlier soll neue Kommunalreferentin werden.
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Jacqueline Charlier wird im August Kristina Frank als Kommunalreferentin ablösen. Das hat der Stadtrat entschieden. Wenn auch denkbar knapp.

München - Trauer und Freude lagen im Rathaus zuletzt allenfalls bei der Verkündung des Haushalt so nahe beieinander wie am Mittwoch (15. Mai): Während die neue Kommunalreferentin Jacqueline Charlier (parteilos) lächelnd Glückwünsche entgegennahm, gab es nur wenige Schritte daneben warme Dankesworte und Umarmungen für die scheidende Referentin Kristina Frank (CSU). Blümchen erhielten beide.

Kommunalreferat München: Jacqueline Charlier erhält 40 von 78 Stimmen, Kristina Frank 34

Frank, 43, indes erhält, wie berichtet, keine zweite Amtszeit. Der Stadtrat hat ihre Nachfolgerin bestimmt. Charlier ist künftig auch für die Immobilien der Stadt verantwortlich; sie ist Münchens neue Haus-Herrin!

Wenn der Einzug auch denkbar knapp klappte: 40 von 78 Stimmen bekam die 50-Jährige. 34 entfielen auf Frank. Grüne und SPD hatten am Mittwoch zusammen 43, das lässt tief blicken: Mindestens drei Mitglieder der Koalition verweigerten Charlier ihre Zustimmung, es könnten sogar mehr sein.

Aus für Kristina Frank: „Hätte gerne München als Kommunalreferentin weiter vorangebracht“

Frank sagte am Mittwoch: „Wie gerne hätte ich München als Kommunalreferentin weiter vorangebracht, kenne aber politische Willensbildungen. Mein herzlicher Dank gilt allen, die mich von so unterschiedlichen Seiten unterstützt haben! Meiner Nachfolgerin wünsche ich ein glückliches Händchen.“ Frank ist Richterin, kann also in diesen Beruf zurück. Ob sie weiter auf der politischen Bühne aktiv sein wird, ist offen.

Zuspruch hatte die 43-Jährige allenthalben erhalten, Linken-Chef Stefan Jagel beispielsweise lobte, dass die Zusammenarbeit mit Frank von allen Referaten am besten funktioniert habe. Gerade die parteiübergreifende Zustimmung ließ CSU-Chef Manuel Pretzl wütend zurück: „Wir sind am Ende des unwürdigsten Verfahren bei der Referentenwahl, dass ich in all den Jahren Stadtrat erlebt habe. Wäre dieses Verfahren nicht im Hinterzimmer mit aller Gewalt entschieden worden, wäre Kristian Frank mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt worden.“

Neuwahl der Kommunalreferentin: Einigung zwischen SPD und Grünen war wochenlanger Streit vorausgegangen

Beide Kandidatinnen hatten wochenlang mit Unklarheit leben müssen. Denn anders als bei anderen Referaten hatten weder Grüne noch SPD das Vorschlagsrecht für den Posten im Kommunalreferat. Der sollte gemeinschaftlich besetzt werden, es erfolgte eine Ausschreibung, bei der sich neben Charlier und Frank noch zwei Kandidaten beworben hatten. Da die SPD aber aktiv auf Charlier zugegangen und diese von einer Kandidatur überzeugt haben sollen, warfen die Grünen den Genossen Wortbruch vor. Die Ökopartei kokettierte gar sehr lange damit, Frank zu wählen. Das wiederum hätte faktisch einen Bruch des Koalitionsvertrages bedeutet.

Erst am Montag (13. Mai) einigte sich die Rathausmehrheit darauf, dass Charlier am 1. August die Leitung des Kommunalreferats übernehmen soll. Auch diese sprach von zuletzt schwierigen Wochen. „Es war sicherlich nicht ganz einfach.“

Neuwahlen im Rathaus: Jacqueline Charlier ist für Immobilien, Forsten und Abfallwirtschaft zuständig

Die 50-Jährige ist seit 22 Jahren im Referat für Stadtplanung und Bauordnung als Juristin tätig. Seit zehn Jahren ist sie Stellvertreterin von Stadtbaurätin Elisabeth Merk. „Ich freue mich sehr über die Wahl und das Vertrauen“, sagte sie. „Meine Fachexpertise und meine Leidenschaft für die Bodenpolitik kann ich hervorragend mit den neuen, breit gefächerten Aufgabengebieten im Kommunalreferat verbinden.“

Charlier wird für 2700 Mitarbeiter verantwortlich sein. Der Abfallwirtschaftsbetrieb, die Markthallen, die Stadtgüter und der Forstbetrieb sind ihr künftig auch unterstellt. „Ich freue mich auf die Vielfalt“, sagte sie. Die Stadt stehe vor großen Herausforderungen, ihrem Referat komme dabei eine wichtige Funktion zu. „Ich freue mich daher auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Stadtspitze, dem Stadtrat und allen Referaten.“

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