VonSascha Karowskischließen
Der Stadtrat in München wird im Oktober einen neuen Wiesn-Chef wählen. Die SPD hat das Vorschlagsrecht – und bereits einige Kandidaten.
München - Nach der Wiesn ist vor der Wahl: München sucht einen neuen Referenten für Arbeit und Wirtschaft (in dessen Zuständigkeit auch das Oktoberfest fällt). Im Oktober soll der Stadtrat einen Nachfolger für Clemens Baumgärtner (CSU) bestimmen. Dessen Amtszeit endet im Februar. Die SPD hat das Vorschlagsrecht – und intern mehrere Kandidaten ausgemacht. Wer wird neuer Wiesn-Chef?
Neuer Wiesn-Chef in München wäre im erweiterten Kandidatenkreis für eine mögliche OB-Kandidatur
Klar ist: Wer A sagt, muss auch OB sagen (können). Denn das Amt hat Prestige. Ein Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef der SPD säße mit Sicherheit mindestens im erweiterten Kandidatenkreis für eine mögliche OB-Kandidatur – spätestens für die Kommunalwahl 2032, vielleicht sogar früher, sollte Amtsinhaber Dieter Reiter (wird 2028 schon 70) die Wahl 2026 gewinnen und nicht die kompletten sechs Jahre absolvieren wollen.
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Parteiintern kursiert seit Monaten der Name von Personalreferent Andreas Mickisch (SPD). Ein Wechsel des 52-Jähirgen vom Marienplatz an die Herzog-Wilhelm-Straße hätte aus Sicht der Genossen einen strategischen Vorteil. Die SPD könnte dann auch das Personalreferat neu besetzen und würde den Referenten – unabhängig vom Ausgang der Kommunalwahl 2026 – noch bis 2031 stellen, obwohl Mickischs reguläre Amtszeit 2028 ausgelaufen wäre. Mickisch wollte sich auf tz-Anfrage nicht zum Thema äußern.
Neuer Wiesn-Chef in München: Oberbürgermeister aus Ingolstadt soll möglicher Kandidat sein
Zudem fällt in SPD-Kreisen der Name von Florian Schardt, der SPD-Politiker aus dem Landkreis war 2023 Landtagskandidat, ist Unternehmer und hat unter anderem die AZUBIYO GmbH gegründet. Auf Anfrage wollte auch er sich nicht äußern.
Parteiintern heißt es aber auch: Die SPD arbeitet an einem waschechten Coup! Und ein Name, der in dem Zusammenhang genannt wird, ist der des Ingolstädter Oberbürgermeisters Christian Scharpf. Der 52-Jährige ist Jurist, trat 2004 in den Dienst der Landeshauptstadt München ein, wo er zunächst in der Rechtsabteilung des Direktoriums arbeitete. Von 2010 bis 2012 war er als persönlicher Mitarbeiter des Oberbürgermeisters Christian Ude im OB-Büro beschäftigt. Von 2012 bis 2020 war er im Rang eines Stadtdirektors leitender Beamter im Direktorium der Landeshauptstadt München.
„An Spekulationen nicht beteiligen“: Wird Ingolstadts OB Christian Scharpf Wiesn-Chef in München?
Jetzt liegt die Frage nahe: Warum sollte jemand den Chefsessel in Ingolstadt für einen Referenten-Posten in München aufgeben? Zum einen – wie erwähnt – hätte Scharpf gute bis sehr gute Chancen, spätestens 2032 OB-Kandidat der SPD in München zu werden, möglicherweise sogar früher. Und er hätte genug Zeit und auch die Position, sich bekannt zu machen. Jüngstes Beispiel dazu ist der amtierende Referent Baumgärtner. Der ist seit 2019 Wiesn-Chef – und nach Umfragen deutlich bekannter und beliebter bei der Bevölkerung als beispielsweise CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl, der dem Stadtrat seit 22 Jahren angehört.
Die tz hat bei Scharpf angefragt, ob er das Thema kommentieren möchte. Sein Büro ließ lediglich mitteilen: „Der Oberbürgermeister von Ingolstadt beteiligt sich nicht an Spekulationen über die Besetzung von Stellen in anderen Städten.“ Es ist Gerüchten schon deutlicher widersprochen worden.
Referenten in München: Diese weiteren Wahlen stehen im Oktober noch an
Neben dem Referenten für Arbeit und Wirtschaft wird der Stadtrat im Oktober auch noch Kultur- und Planungsreferenten wählen. Es gilt als sicher, dass Stadtbaurätin Elisabeth Merk eine weitere Amtszeit erhält. Die beiden anderen Stellen werden ausgeschrieben, Grüne und SPD werden aber nicht ohne eigenen Kandidaten ins Rennen gehen. Es ist kein Geheimnis, dass die Grünen gerne ihren Stadtrat Florian Roth zum Kulturreferenten und zum Nachfolger von Anton Biebl wählen wollen.

