VonSascha Karowskischließen
Nadja Hoffmannschließen
Auch sie haben Millionen-Summen in René Benkos Signa investiert: Nun kommen zwei Münchner Banken bei der Rettung der Alten Akademie ins Spiel. Hinter den Kulissen passiert derzeit viel.
Sie ist das Bild für das Benko-Desaster in München: Die Bauruine der Alten Akademie mitten in der Fußgängerzone. Trostloser Stillstand auf unbestimmte Zeit. Nach außen scheint es, dass bei diesem einstigen Vorzeigeprojekt der Signa Prime gar nichts mehr passiert. Hinter den Kulissen herrscht jedoch reger Betrieb. Wie die tz erfahren hat, soll der Verkaufsprozess für die Immobilie in Toplage bereits begonnen haben. Die erste Bieterrunde, bei der es eine ganze Liste von Angeboten gegeben haben soll, blieb aber wohl ohne Abschluss. Nun werden aus gut informierten Kreisen Überlegungen laut, die man als Münchner Lösung bezeichnen könnte. Demnach wird darüber nachgedacht, dass die Stadtsparkasse und die BayernLB die Alte Akademie gemeinsam kaufen und deren Umbau fertigstellen könnten.
Freistaat will Deal nicht rückabwickeln
Zur Erinnerung: Bis ins Jahr 2013 war die Akademie in Besitz des Freistaats Bayern. Er übergab das Prestige-Objekt dann für 230 Millionen Euro an den österreichischen Tycoon René Benko in Erbpacht. Damaliger Finanzminister war Markus Söder (CSU). Heute steht der Ministerpräsident vor dem Scherbenhaufen dieses Deals: Denn statt schicker Läden und Wohnungen entsteht im Herzen Münchens nach dem Zusammenbruch des Signa-Imperiums derzeit nichts. Nach der Benko-Pleite hätte der Freistaat die Möglichkeit gehabt, den Erbpachtvertrag, der bis 2079 läuft, rückabzuwickeln. Dies ist laut der Immobilien Freistaat Bayern weiter nicht vorgesehen: „Es wird im Interesse des Projekts eine Lösung im Rahmen des Insolvenzverfahrens über einen geeigneten Investor favorisiert“, erklärt Geschäftsführer Gerhard Reichel. Thema dürfte dabei auch sein, dass die öffentliche Hand für eine Rücknahme geschätzte 200 Millionen in die Hand nehmen müsste.
Um viel Geld geht es auch für die Banken nach dem Signa-Sturz. Die Münchner Sparkasse soll mindestens 70 Millionen für die Geschäfte des Österreichers zur Verfügung gestellt haben. Bei der BayernLB soll sich es um einen dreistelligen Millionenbetrag handeln. Beide Banken sind Einrichtungen des öffentlichen Rechts. Sie haben einem Unternehmer und dessen undurchsichtigen Firmengeflecht vertraut, gegen den nun mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln. Würden sie die Alte Akademie retten, wären nicht alle gewährten Kredite verbrannt. Wie es aus Signa-Kreisen heißt, wäre ein gemeinsames Vorgehen bei der Alten Akademie eine mögliche „logische“ Entwicklung. Auf tz-Anfrage wollen sich beide Banken aber nicht dazu äußern, ob sie einen Kauf anvisieren.
Wie man aus Unternehmenskreisen hört, soll es bislang keine konkreten Pläne geben. Intern sei das Thema aber bereits besprochen worden. Der Kauf sei eine Überlegung wert, da die Immobilie für den objektiven künftigen Wert in der Zukunft aktuell relativ preiswert zu haben wäre. Ein Konzept soll ausgearbeitet und dann intern besprochen werden.
Ein Vorgehen, das für Professor Torsten Martini interessant sein dürfte. Er wurde zum ständigen Insolvenzverwalter der Projektgesellschaft, der Alte Akademie Immobilien GmbH & Co KG, ernannt. Wie das Portal TextilWirtschaft berichtet, hat das Hauptinsolvenzverfahren am 1. April begonnen. Martini hat bereits die Insolvenzverwaltung für den geretteten Signa-Konzern Galeria Karstadt Kaufhof übernommen. Beim Projekt Alte Akademie verweist er auf seine Schweigepflicht.

