VonVolker Ufertingerschließen
Die Eigentümer der Villa Max haben wieder einmal einen Antrag auf Abbruch des Hauses gestellt. Diesmal haben sie sich direkt an Ministerpräsident Söder gewandt. Die Denkmalschützer sind alarmiert.
Münsing – Seit Jahrzehnten verfällt die Villa Max in Ammerland. Die Eigentümer tun nichts, aber auch gar nichts für den Erhalt des Denkmals. Einige Abbruchanträge haben sie schon gestellt – bisher vergeblich. Jetzt starten sie offenbar einen neuen Versuch, die ungeliebte Immobilie vom Erdboden verschwinden zu lassen. Nach Informationen von Ursula Scriba vom Ostuferschutzverband (OSV) haben sie sich direkt an Ministerpräsident Dr. Markus Söder gewandt. Jetzt soll es also der höchste Mann im Freistaat möglich machen, dass die Villa, einst Eigentum des berühmten Malers, Affenliebhabers und Spiritisten Gabriel von Max (1840-1915) abgerissen wird.
„Dieser Brief ist sehr gefährlich“, findet Scriba, Gemeinderätin und Architektin. Während das Landratsamt in der Vergangenheit verschiedene Anträge dieser Art abgeschmettert hat, lässt sich in diesem Fall nicht so klar abschätzen, was passiert. „Ich kann nur hoffen, dass sich der Ministerpräsident gut informiert, bevor er irgendetwas veranlasst“, sagt Scriba. Hoffnung macht ihr, dass Söder schon einmal ein Anliegen des Ostuferschutzverbands unterstützt hat, damals in seiner Eigenschaft als Finanzminister. Er nahm von einem Verkauf der Seeburg und Schloss Unterallmannshausen Abstand, die Jugendorganisation „Wort des Lebens“ konnte bleiben.
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Scriba ist entschlossen, diesem neuen Vorstoß energisch entgegenzutreten. Sie will gleichfalls einen Brief nach München richten. Außerdem wird sie sich Mitstreiter suchen, etwa das Denkmalnetz Bayern oder Landtagsabgeordnete. Es gebe wahnsinnig viele Eigentümer, die jeden Cent umdrehen, um ihre denkmalgeschützten Häuser in ihrer Schönheit zu bewahren. „Und hier beschäftigt jemand sündteure Anwaltskanzleien, um ein Denkmal zu zerstören“, sagt Scriba. „Das darf nicht gelingen.“
Überhaupt kann die Ammerlanderin das Verhalten der Eigentümer nicht nachvollziehen. Wenn sie mit der Villa Max nichts anfangen könnten, stelle das eigentlich kein gravierendes Problem dar. Man könne das Haus ohne Weiteres verkaufen und sich etwas anderes suchen. „Es werden laufend Villen frei“, sagt Scriba.
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Die Villa Max hat dem OSV in den vergangenen Tagen bereits aus einem anderen Grund Sorge gemacht. Der Grund: Der Balkon der Villa ist inzwischen so morsch, dass sich das Kreisbauamt der Sache angenommen hat. „Es gilt zu verhindern, dass der Balkon wegen der maroden Bausubstanz herabstürzt und dabei das Mauerwerk beschädigt oder im schlimmsten Fall jemand zu Schaden kommt“, teilt Sprecherin Marlis Peischer mit. Derzeit werde geprüft, welche Maßnahmen geeignet sind, die Gefahr abzuwenden. Eine Entscheidung steht noch aus.
Im Ostuferschutzverband war man zunächst beunruhigt, ob die ganze, für die Villa so charakteristische Veranda in Gefahr ist. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall, es geht nur um den oberen Balkon. Und der wurde erst lange Zeit nach Gabriel von Max angebracht, was auch erklärt, warum das Landesamt für Denkmalpflege gegen eine mögliche Beseitigung keine Einwände hat. „Was den Balkon angeht, sind wir ein bisschen beruhigt“, sagt Scriba. Doch der ist nur ein Detail. Seit dem Brief an Söder geht es möglicherweise ums Ganze.

