Masterclass mit Bernie Krause

Musik-Legende lauscht in Nantesbuch dem Sound der Natur

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Mit Mikrofon und Kopfhörer unterwegs: Bernie Krause (re.) nimmt Geräusche in der Natur auf.

Eine Brücke zwischen Natur und Kunst: Exemplarisch für dieses Anliegen der Stiftung Nantesbuch war eine Masterclass, die überraschenden Verbindungen nachging.

Bad Heilbrunn/Nantesbuch Wer hier im Voralpenland lebt, kennt die wunderbare Erfahrung, den allumgebenden Zivilisationslärm der besiedelten Gebiete hinter sich zu lassen und allmählich einzutauchen in die ganz eigene Geräuschkulisse der Natur. In die Klänge der im Wind raschelnden Blätter; hören, wie das Wasser tropft, gluckst und gurgelt; die Vielzahl der Vogelstimmen wahrnehmen: All das schafft ein für Körper wie Seele wohltuendes Erlebnis. Doch mit dem Vordringen der Zivilisation gehen diese Naturklänge mehr und mehr verloren.

Der amerikanische Musiker Bernie Krause, geboren 1938 in Detroit, gilt als Pionier der Elektronischen Musik. Als er um 1975 Tonaufnahmen in der Natur macht, um sie in seine Kompositionen einfließen zu lassen, entdeckt er „das große Orchester der Tiere“ – und findet sein Lebensthema. Er studiert erneut und promoviert in Bioakustik mit einer vergleichenden Arbeit über die Stimmen von Schwertwalen in Gefangenschaft und freier Wildbahn. Auf weltweiten Reisen sammelte er seither in Habitaten, also unberührten Naturlebensräumen, über 15.000 Aufzeichnungen von Tierlauten. Daraus ergeben sich sogenannte Soundscapes, eine Art Landschafts-Klangbilder. Für deren Erstellung und Dokumentation gilt Krause weltweit als der führende Experte.

Bernie Krause arbeitet auf Gut Nantesbuch mit Bioakustik-Forschern und Videokünstlern zusammen

Auf Gut Nantesbuch gab er eine Internationale Masterclass, deren Abschlusspräsentation jetzt stattfand. „Da Bernie Krause mittlerweile die 80 erreicht hat, ist dies möglicherweise eine seiner letzten Tätigkeiten in Europa“, sagt Anke Michaelis, Pressesprecherin von Gut Nantesbuch. „Deshalb möchte er seinen großen Erfahrungsschatz gerne weitergeben. Dabei sucht er die Zusammenarbeit mit Künstlern, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Entwicklung der Biodiversität einem breiten Publikum zugänglich zu machen.“

Die Abschlussrunde der Masterclass auf Gut Nantesbuch diskutiert nach der Präsentation mit Bernie Krause (li.) über die Arbeit der vergangenen Tage.

Die Teilnehmer der Masterclass, fünf renommierte Forscher und Bioakustik-Experten, eine Komponistin, eine Film- und Videokünstlerin und ein Designer, kamen aus Belgien, Deutschland, Irland und Großbritannien. In kurzen Präsentationen gaben sie Einblicke in die auf Nantesbuch entstandene Arbeit. Clare Langan, irische Filmkünstlerin, und Dora Tomic, Komponistin aus Deutschland, haben beispielsweise die umgebende Landschaft in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern eingefangen und untermalen sie mit vielstimmigem Vogelgezwitscher und bewegter Klaviermusik, wobei Natur- und Kunstlaute einen spannenden Kontrast bilden.

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Der Designer Rico Reitz visualisiert Naturklänge auf eindrucksvolle Weise: So wird ein Vogelgezwitscher in fortlaufende, orange-gold-braune Wellenstrukturen übertragen. Und alle Teilnehmer waren eines frühen Morgens gleichzeitig rund um das Gut unterwegs, um auf verschiedenen Positionen Naturlaute einzufangen. Wie bunt und vielgestaltig, teilweise geradezu exotisch, diese Ausbeute ausgefallen ist, erstaunt und berührt in gleichem Maße. Und macht deutlich, welch einen Schatz wir – noch – haben.

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Die Masterclass wurde in Kooperation mit dem Biotopia veranstaltet, dem in München geplanten Naturkundemuseum, das die Besucher ab 2023 in Schloss Nymphenburg animieren will, „unsere Umwelt und unser Leben neu zu entdecken“. Bernie Krauses Arbeit wird dort einen eigenen Raum einnehmen. „Und sofern sich die Ergebnisse dazu eignen, sollen auch die Sounds aus Bayern dort ihren Platz finden“, sagt Anke Michaelis.

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Am Ende versammeln sich alle Teilnehmer mit Krause auf dem Podium und ziehen ein positives Resümee. Nicht nur Dr. Henrik Brumm vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, der erforscht, wie Vögel mit ihrem Gesang Informationen austauschen – und wie sich Stadt- und Landvögel dabei unterscheiden, hat hier neue Methoden der Aufzeichnung und Auswertung kennengelernt. Alle betonen, wie fruchtbar der Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft gewesen sei, und dass sie von Nantesbuch neue Einblicke und Anregungen für ihre Arbeit mit nach Hause nehmen. 

Sabine Näher

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