Es ist sein erklärtes Herzensprojekt: „Emotionale Texte und Melodien, die einfach aus mir raus mussten“, präsentiert der in Fischen lebende Musiker Charlie Glass auf seinem neuen Album „Zeit“. Damit hat er sich „einen langersehnten Traum erfüllt“.
Pähl – In den elf Nummern seiner soeben erschienenen CD will sich der Sänger, Pianist, Komponist und Arrangeur Charlie Glass seinem Publikum von einer neuen Seite zeigen: Mit vorwiegend eigenen Texten, alle auf Deutsch, die etwas über ihren Schöpfer erzählen wollen. „Ich will den neuen Charlie präsentieren, mit Texten über das Leben und die Probleme unserer Zeit. Das kommt tief aus meinem Innern“, erklärt der Musiker.
Er arbeitete für Udo Jürgens und Drafi Deutscher
Glass hat es mit seiner Musik bis dato auf über 33 Millionen Tonträger, Downloads und Streamings gebracht – mit diversen Auftragswerken, seiner Tätigkeit als Komponist und Arrangeur für Stars wie Siegfried & Roy, Udo Jürgens oder Drafi Deutscher, mit zwei verschiedenen Serien mit Musik für junge Hörer und Glass als „Märchenonkel, der den Kindern am Klavier was vorsingt“, und mit Eigenkompositionen für Stimme und Klavier. Als die Pandemie auch ihn durch den Wegfall der vorher um die 200 Live-Auftritte pro Jahr ausbremste, hat er sich in sein eigenes, gut ausgestattetes Tonstudio in seinem Haus in Fischen zurückgezogen, um neue, ganz individuelle Werke zu schreiben.
Ein Lied setzt einer Prostituierten ein musikalisches Denkmal
In diesen verarbeitet er persönliche Erfahrungen und Erlebnisse – von erfüllten Liebesbeziehungen („Bis zu den Sternen“) über Vatergefühle („Mein Kind“) und zufällige Begegnungen („Man muss es nehmen, wie es kommt“) bis zu philosophischen Betrachtungen („Jenseits der Zeit“) und politischen Appellen („Kind der Erde, rette die Welt“). Auch einer Prostituierten, die er als junger Barpianist in München kennenlernte, setzt er ein musikalisches Denkmal: „Hannelore, die Freudenlady an der Bar. Männerträume werden wahr. Männer kommen, Männer gehen. Sie lässt die Liebe kurz geschehen. Doch sie liebt nur mein Lied“. Die letzte Nummer heißt „Ich brauche die Musik“ und ist wohl das persönlichste Bekenntnis. Glass beschreibt die Musik als sein Überlebens-Mittel, als Helferin in allen Nöten: „Und wie immer erzähl’ ich alles meinem Klavier...“
Die kreativen Ideen kommen am See
Seine Kreativzeit verbringt Charlie Glass übrigens am liebsten draußen in der Natur, bevorzugt am und auf dem Wasser. „Ich liebe das Segeln und war als Kind schon gerne am Ammersee“, bekennt der Musiker. Deshalb baute er 2003 sein Haus in Fischen, um jede freie Minute draußen nutzen zu können, ohne viel Zeit durch lange Anfahrtswege zu verlieren. Denn in der Natur, am See kommen ihm die kreativen Ideen für Texte und Musik am leichtesten. Ein Musikstudium hat Glass übrigens nie absolviert, sondern lediglich intensiven Privatunterricht bei renommierten Musikern genossen.
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Die Musik seiner neuen CD ist eingängig, handwerklich gut gemacht, Klavier- oder Saxofon-Soli umschmeicheln die souverän geführte Stimme. Mal steht der packende Rhythmus im Vordergrund, mal die Gesangslinien. Alles klingt gut und bleibt stets dem Prinzip des „Easy Listening“ verpflichtet. Aufwühlen kann und wird hier nichts, aber das ist wohl auch gar nicht beabsichtigt. Ein wenig aus der Reihe fällt nicht zufällig „Der gekaufte Drachen“. Dessen Musik stammt von Udo Jürgens, der Text ist von Irma Holder. Hier kommt eine Nachdenklichkeit zum Tragen, die letztlich ein tieferes Gefühl auslösen kann, als es Glass’ eigene Nummern vermögen.
Sabine Näher
Die CD
„Zeit“ ist erschienen beim Label Golden Grammophon. Info: www.charlieglass.de.