Uhrmachermeister Beutelrock

Nach über 100 Jahren stehen die Uhren still: Tölzer Geschäft schließt

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Hören auf: Uhrmachermeister Matthäus Beutelrock und seine Frau Christine vor ihrem Geschäft an der Lenggrieser Straße.

„54 Arbeitsjahre sind genug“, sagt Matthäus Beutelrock. Deshalb schließt der Uhrmachermeister sein Geschäft in Bad Tölz.

Bad Tölz – „Eingebrochen wurde bei uns in all den Jahren nie, lediglich das Hochwasser 2005 wäre beinahe unerwünscht bei uns eingetreten“, erinnert sich Matthäus Beutelrock, wenn er auf seine über 30-jährige selbstständige Tätigkeit im Geschäft an der Ecke zum Jungmayrplatz zurückblickt. „Ich glaube, hier haben über 100 Jahre Uhren getickt“, schätzt der Uhrmachermeister. Jetzt hat er sich dazu entschlossen, sein Geschäft aufzugeben.

Matthäus Beutelrock erinnert sich noch recht gut, als er 1965 bei Elisabeth Steinacker eine Lehrzeit von dreieinhalb Jahren begann. Sie und ihr Mann Karl hatten dort 1943 ein Schmuckgeschäft übernommen. 1978 absolvierte der Gaißacher dann die Meisterprüfung und trat schließlich 1989 die Nachfolge von Elisabeth Steinacker an. Gemeinsam mit seiner Frau Christine kümmerte sich Beutelrock auf 15 Quadratmetern Verkaufsfläche um die Kunden. In der etwas größeren Werkstatt nahm er Reparaturen, Änderungen aber auch individuelle Gravuren vor. Bei Beutelrock gibt es schließlich nicht nur Armbanduhren, Wecker oder Großuhren, auch wegen Trachtenschmuck oder Trauringen kommen die Kunden bis aus der Landeshauptstadt München oder vom Tegernsee nach Tölz.

„Uhrmacher zu sein, ist eine interessante Aufgabe“

Im Uhrenbereich wird hauptsächlich mit namhaften Herstellern zusammengearbeitet. „Wir legen viel Wert auf Qualität, haben aber auch Preisgünstiges zu bieten“, informiert Beutelrock. Über 500 Modelle werden sich zum Beginn des Räumungsverkaufs noch in der Ausstellung befinden. Natürlich auch die neuesten Ausführungen. „Da hat sich einiges getan in den über 50 Jahren meines Berufslebens“, erzählt der Uhrmachermeister. Angefangen von den mechanischen Modellen über Automatikuhren, die sich mittels eines Rotors selber aufzogen, kamen mit Beginn der Ausbildungszeit die Quarzuhren. „Doch damit war die Entwicklung nicht am Ende. Es kam die Digitaluhr, und seit 1980 sind die ersten Funkuhren auf dem Markt“, gibt Beutelrock einen Überblick verschiedener Epochen.

Er selbst hielt sich durch Weiterbildungen und Kurse stets auf dem neuesten Stand. Das war wichtig, um alle Reparaturen erledigen und alle Anforderungen meistern zu können. „Uhrmacher zu sein, ist eine interessante Aufgabe“, sagt Beutelrock. Dennoch seien die Kollegen und Mitbewerber über die Jahre immer weniger geworden, bedauert er.

Jetzt ist mehr Zeit für die zehn Enkelkinder

Nun hat auch er sich entschlossen, sein Geschäft zu schließen: „54 Arbeitsjahre sind genug. Meine Frau und ich haben zehn Enkelkinder und wollen noch einiges unternehmen.“ Zunächst aber ist ab Anfang November Räumungsverkauf. Mit einigen Sonderangeboten soll zugleich den über viele Jahre treuen Kunden Dankeschön gesagt werden. 

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