VonSebastian Grauvoglschließen
„Das begehrenswerteste Hotel Deutschlands“ will die Familie de Alwis in Schliersee errichten. Doch dagegen formiert sich nun ein Bürgerbegehren. Auch das Architekturforum meldet sich zur Wort.
Schliersee – Etwas Besonderes schaffen, um Interesse zu wecken: Ein Ziel, das der neue Schlierseer Hof im Ort offenbar bereits in der frühen Planungsphase erreicht hat. Wenn auch nicht so, wie es Bauherr Walter de Alwis und sein Sohn Marcel sich ursprünglich gedacht hätten. Denn ihr vom Gemeinderat mehrheitlich befürwortetes Projekt stößt in der Marktgemeinde nicht auf uneingeschränkte Zustimmung – im Gegenteil: Immer mehr deutet darauf hin, dass es tatsächlich ein Bürgerbegehren gegen den Hotelneubau (in der vorgestellten Form) geben wird.
Erstes Treffen für Bürgerbegehren hat schon stattgefunden
Ein erstes Treffen mit möglichen Unterstützern habe es bereits gegeben, teilt Grünen-Gemeinderatsmitglied Gerhard Waas auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Das Thema bewegt die Schlierseer.“ Allen voran die Dimensionen des geplanten Hotels mit fünf Stockwerken plus Dachgeschoss für mindestens 100 Zimmer stoße in der Bevölkerung auf Missfallen. „Es gibt kein vergleichbares Gebäude in der Umgebung“, sagt Waas. Folglich werde sich ein Bürgerbegehren auch gegen „Maß und Art der baulichen Nutzung“ auf dem Grundstück wenden – zumal hiervon auch öffentliche Flächen berührt würden. So ist der aktuelle Parkplatz Eigentum der Gemeinde, wird aber mit überplant.
Die genaue Fragestellung steht laut Waas noch nicht fest. Auch die Sprecher gelte es noch festzulegen. Er selbst wolle dieses Amt nicht bekleiden. Obwohl er sich – wie auch die anderen Mitglieder der Grünen-Fraktion – wiederholt kritisch gegenüber den Bauplänen geäußert hat, sei es ihm wichtig, dass das Bürgerbegehren von Anfang an als überparteilich wahrgenommen wird.
Architekturforum übt ebenfalls Kritik an Plänen
Davon unabhängig hat sich auch ein landkreisweites Expertengremium in Sachen Schlierseer Hof zu Wort gemeldet: das Architekturforum Miesbacher Kreis um den früheren Kreisbaumeister Werner Pawlovsky. In einem Brief an Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) üben Pawlovsky und seine Vorstandskollegen Barbara Söldner, Ludwig Hohenreiter und Toni Scherer – immerhin Schnitzenbaumers Vorgänger als Rathauschef – harsche Kritik an den Plänen.
Obwohl man sich eigentlich nicht in aktuelle Bauangelegenheiten in den Gemeinden einmische, mache man in diesem Fall „aus gutem Grund“ eine Ausnahme, schreiben die Experten. „Soweit ersichtlich fehlt der vorliegenden Planung leider jegliches Gespür für Maßstäblichkeit einerseits, und Verantwortung für die Struktur des Ortes andererseits“, heißt es in der Stellungnahme. Mehr noch: In seiner „Unmaßstäblichkeit“ erinnere das Vorhaben sehr an die „allseits bekannten Hotelbauten in den Wintersportorten Frankreichs aus den 60er und 70er Jahren“. Zwar sei unbestritten, dass attraktive Hotelanlagen für den Tourismus in Schliersee hilfreich seien. „Aber muss deshalb der ganze Bestand abgerissen und damit auch eine Unmenge grauer Energie vernichtet werden?“, fragen die Vertreter des Architekturforums.
Im Sinne einer zeitgemäßen, nachhaltigen Planung im Einklang mit Natur und Umwelt sowie Engagement und Mitwirkung der Bürger sollte man bedenken, dass Attraktivität auch durch eine Generalsanierung oder moderate Anbauten zu erreichen sei. Alternativen zur vorliegenden Planung seien sicher möglich und sollten „bei dieser herausragenden Aufgabe unbedingt geprüft werden“, schließen die Autoren des Briefs. Verbunden mit dem Angebot, den Markt Schliersee bei der Suche nach der besten Lösung für diesen sensiblen Bereich fachmännisch zu begleiten und im Rahmen der Möglichkeiten des Architekturforums zu unterstützen.
Bürgermeister: Bürgerbegehren „legitim“
Bürgermeister Schnitzenbaumer erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass das Anstoßen eines Bürgerbegehrens durchaus legitim sei. Es handle sich schließlich auch um ein bedeutendes Projekt. Den Brief des Architekturforums werde er an die Gemeinderäte weiterleiten. Zum möglichen Bürgerbegehren habe er noch nichts Offizielles vorliegen.
sg
