Gebäude soll sich als „Bau für die Zukunft“ beweisen

Neues Landratsamt: Symbolischer Spatenstich für 38-Millionen-Euro-Projekt

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Startschuss für ein neues Landratsamt: Landrat Olaf von Löwis (M.), Architekt Ludwig Karl (vorne l.), Bürgermeister Gerhard Braunmiller (r.) und Maria Rode (hinten, 5.v.r.) äußerten sich in Ansprachen zum Projekt.
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Auf dem Gelände des Landratsamts in Miesbach wurde der symbolische erste Spatenstich für den Neubau gesetzt. Der Gebäudekomplex bildet die neue Arbeitswelt ab.

Miesbach – Noch prägen Schutthaufen das Gelände. Es sind die Überreste des früheren Landwirtschaftsamts und der Landwirtschaftsschule. Läuft alles nach Plan, steht an dieser Stelle im Frühjahr 2026 das neue Landratsamt. Ein „Landratsamt der Zukunft“, wie die Redner beim symbolischen ersten Spatenstich am Freitag immer wieder betonten. Und ein „Ort der Begegnung“ zwischen Bürgern und Behörde.

Ausdruck für modernes, serviceorientiertes Arbeiten

„Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber wir können den Grundstein für etwas Zukünftiges legen“, sagte Landrat Olaf von Löwis auf dem Gelände gleich hinter seinem Amtssitz, das Abrissbagger seit einigen Wochen kräftig umpflügen. Es entstehe nicht einfach nur ein neues Gebäude. Das neue Landratsamt sei auch Ausdruck für modernes, serviceorientiertes Arbeiten. Dass man die Auswirkungen der Corona-Krise und den Schwung in der Digitalisierung zum Anlass genommen habe, das Projekt in seinen Dimensionen noch mal zu überdenken, habe sich gelohnt. „Das Gebäude wird sich als Bau für die Zukunft beweisen“, prophezeite er.

„Die neue Dimension tut der Umgebung gut“

Architekt Ludwig Karl bestätigte das. Weniger Papierakten, mehr Homeoffice – die Digitalisierung und neue Arbeitsmodelle hätten dazu geführt, dass sich das Raumprogramm um 30 Prozent reduzieren ließ. Dies habe Auswirkungen auf die Höhe und das Volumen der Gebäude. „Die neue Dimension tut der Umgebung gut“, bekannte er. Karl hob insbesondere auch den Energieaspekt hervor. So statte man die Gebäude nicht nur mit viel Photovoltaik aus, sondern verzichte auch auf eine aufwendige Klimaanlage. „Lüftungsklappen, die sich in der Nacht automatisch öffnen, werden auch im Sommer für ein angenehmes Raumklima sorgen“, berichtete er.

Bürgermeister spricht nun von „gelungener Planung“

Die Rolle der Stadt bei der „Verbesserung des äußeren Erscheinungsbilds“ betonte Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller. Man habe viel miteinander um die optische Gestaltung gerungen, sei sich letztlich aber einig geworden. Das Ergebnis sei „eine gelungene Planung“ – wichtig vor allem deshalb, weil sich das Landratsamt an zentraler Stelle befinde. Der Neubau sei ein Meilenstein in der Geschichte der Behörde. Die Zusammenführung an einem Standort bedeute auch einen Effizienzgewinn.

Wartebereich für mehr als hundert Personen überflüssig

Abteilungsleiterin Maria Rode, die das Projekt mit einem „Zukunftsteam“ von Anfang an begleitet, erläuterte die Überarbeitung der Planung und das Umdenken während der Corona-Phase an einem praktischen Beispiel. Ursprünglich war ein Wartebereich für mehr als hundert Personen vorgesehen. Inzwischen habe das Team den Anspruch, sich beim Service so aufzustellen, dass kein Wartebereich mehr erforderlich ist. „Wir haben nahezu jeden Ablauf hinterfragt und uns intensiv mit den künftigen Anforderungen auseinandergesetzt“, berichtete sie. Der Abbruch der beiden alten Gebäude auf dem Gelände sei bezeichnend für den Umbruch, der auch die öffentliche Verwaltung gerade prägt.

„Wir haben versucht, alle Leute mitzunehmen“

Rode und Löwis blendeten auch die Herausforderungen für die Mitarbeiter und deren Ängste vor einem neuen Arbeitsumfeld und neuen Arbeitsabläufen nicht aus. „Wir haben versucht, alle Leute mitzunehmen und die Anregungen des Personalrats zu berücksichtigen“, sagte Löwis. „Denn nur wenn sich die Mitarbeiter wohlfühlen, geht’s auch den Bürgern gut, die zu uns kommen.“ Alle in der Belegschaft habe man von den Neuerungen noch nicht überzeugen können, bekannte Rode, „wir werden es aber weiter versuchen“.

Spatenstich fürs neue Landratsamt: (v.l.) Miesbachs Vizebürgermeisterin Astrid Güldner, Abteilungsleiterin Maria Rode, CSU-Kreisrat Georg von Preysing, Architekt Ludwig Karl, Landrat Olaf von Löwis, Planerin und Bauherrn-Vertreterin Jessica Lauterbach vom Landratsamt, Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller, Michael Brünner (Ingenieurbüro EST, Miesbach), Martin Ernst (Hochbauabteilung Landratsamt) und Florian Trinkl (Abrissunternehmen Sauer Bau und Projektentwicklung GmbH).

Nach gut 45 Minuten Ansprachen und rechtzeitig, ehe der Nieselregen einsetzte, nahmen Planer, Politiker sowie Vertreter von Landratsamt und Baufirmen die Spaten in die Hand, um den offiziellen Baubeginn für das 38-Millionen-Euro-Projekt zu markieren. Zumindest CSU-Kreisrat Georg vom Preysing von der politischen Lenkungsgruppe hätte gerne noch länger zugehört: „Von Verdi noch jemand?“

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