„Ein unmoralisches Angebot“ heißt der Hollywood-Streifen, der mit Robert Redford und Demi Moore in den Hauptrollen 1993 verfilmt wurde. Die bayerische Variante davon heißt „Wechselspui“ und sie ist seit Samstag in der Neuwirtbühne in Großweil zu sehen.
Großweil – Die Geschichte kennt man doch irgendwoher: Ein reicher Schnösel hat’s auf ein nettes, hübsches, aber bettelarmes Mädel abgesehen, das eigentlich glücklich verheiratet ist. Und bietet einen Haufen Kohle, um sie für eine oder mehrere Nächte ins Bett zu bekommen. Sie erliegt schließlich den Lockungen des Geldes. „Ein unmoralisches Angebot“ heißt der Hollywood-Streifen, der mit Robert Redford und Demi Moore in den Hauptrollen 1993 verfilmt wurde. Die bayerische Variante davon heißt „Wechselspui“ und sie ist seit Samstag in der Neuwirtbühne in Großweil zu sehen. Redford ist Sepp Daser, Moore ist Katharina Lieb, und statt der Million Dollar geht es um den preisgekrönten Hengst namens Cool Casanova.
Geschrieben hat das Stück – es ist das mittlerweile fünfte aus seiner Feder – Neuwirtbühnen-Chef Josef Daser, der die Idee dafür schon einige Jahre mit sich herumtrug, wie er erzählt. Wer den 53-Jährigen kennt, weiß, dass da keine Hollywood-Schnulze herauskommen kann. Das geht schon deshalb nicht, weil der Großweiler Autor die Handlung in das Lokalkolorit eines oberbayerischen Dorfs der 1960er-Jahre verlegt. Da laufen keine Robert Redfords herum, sondern allenfalls ein lüsterner Großbauer und Pferdebesitzer namens Hans-Jörg Heiterwanger (Daser). Und da schwebt auch keine Demi Moore durchs Bild, sondern stapfen saft- und kraftvolle Dorfschönheiten wie die Annamirl Rimmerdinger (Katharina Lieb, alternativ: Cordula Wild) über die Bühne. Sie lässt sich am Ende natürlich auch nicht für „Cool Casanova“ verführen, sondern stellt – typisch für die bairische Komödi – eine ziemlich starke Frauenrolle dar, die sich in einer Mischung aus Naivität und Gerissenheit letztlich doch gegenüber den Mannsbildern behauptet.
Lesen Sie auch: Max Rill: Zwischen Held und Nazi
und: Rill-Schule: Neues Theaterstück
Daser hat die Charaktere ansonsten auf seine Schauspieltruppe maßgeschneidert zugeschrieben. Dieter Bauch darf als pfiffiger, bauernschlauer und hinterkünftiger Pferdehändler und Rosstäuscher all die Eigenschaften spielen, die er schon in vielen Rollen mit Bravour verkörpert hat.
Oder die altgedienten Theater-Schlachtrösser Beate Zangl und Rudi Schmid. Der Dialog ist wirklich saukomisch, wenn die hölzern-spröde Heiterwangerin auf einem Holzpferd sitzend Dressurübungen im Geiste durchgeht und dabei vom feisten Hochwürden und heimlichen Verehrer Magnus Predigtstuhl salbungsvoll angeleitet wird: „Reite aus der Körpermitte, Stell Dir vor, Du hältst in jeda Hand an Vogel, der ned davofliagn derf.“ Sie ganz verzweifelt: „Des stoi i mir ja immer in meiner Meditationsphase vor, aber auf amoi reißt’s mi und i hob olle zwoa Vögel dabaazt.“
Eine Entdeckung als Schauspieler ist Daniel Stowasser, der sich als Wiggerl Rimmerdinger bei viel Bier und Schnaps von Heiterwanger und dem Pferdehändler Resch zu dem verhängnisvollen Deal Pferd gegen Frau überreden lässt. Daser lässt ihn einmal – eine genialer dramaturgischer Kniff – im Zeitraffer und pantomimisch die ganze Wechselspui-Geschichte erzählen. Locker und lässig zieht Stowasser das durch, als hätte er nie was anderes getan. Das Publikum dankte mit lautem Szenenapplaus.
Sonderlob schließlich für die stets witzigen Dialoge. Das Stück verliert trotz mancher mitunter überraschenden Wendung nie an Spannung und bleibt immer kurzweilig.
Daser lebt den Dialekt und schafft immer wieder herrliche Wortkreationen. Das Götz-Zitat von Goethe kann jeder. Aber ein bedeutungsvolles „Ja leck-ami-gago“ klingt einfach viel schöner nach im Ohr. Und über ein Schimpfwort wie „Du Dreiquartel-Nymphomanin“ kann man auch am Tag darauf noch schmunzeln. Ein gelungenes Bühnenbild und sparsam, aber gekonnt gesetzte Musikakzente runden den guten Gesamteindruck ab. „Wechselspui“ wird seinen Platz im Stücke-Repertoire der Neuwirtbühne einnehmen.
Die Spieltermine
„Wechselspui“ wird am 14., 18. und 25. Oktober sowie am 2., 4., 8., 9., 18., 29. und 30. November, jeweils um 20 Uhr in der Neuwirtbühne Großweil aufgeführt. Kartenreservierung montags, dienstags, freitags von 17 bis 19.30 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 088 51/92 39 66.
Christoph Schnitzer