Um Familien in Not zu helfen, möchte die Stadt Bad Tölz auf dem Areal neben dem Rot-Weiß-Platz „Mobile Homes“ aufstellen.
Bad Tölz – Wohin mit obdachlos gewordenen Familien? Diese Frage stellt sich die Stadt schon geraume Zeit. Die Notwendigkeit von Notunterkünften sei mehr denn je gegeben, sagte Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses und verwies auf die zunehmende Zahl von Presseberichten über Familien, die plötzlich auf der Straße stehen.
Da die Kommune hier in jedem Fall zur Unterbringung verpflichtet ist und es Familien nicht zuzumuten sei, zusammen mit obdachlosen und oft schwierigen Einzelpersonen unter einem Dach zu leben, hat die Stadt schon vor einem Jahr eine Fläche neben dem Waldfriedhof ins Auge gefasst, um dort einen Containerbau zu errichten. Das war im Stadtrat wegen der Abgelegenheit des Standorts an der Stadtwaldstraße umstritten (wir berichteten), wurde aber dennoch befürwortet. Das Landratsamt spielte allerdings nicht mit und versagte die Baugenehmigung im Außenbereich.
Daraufhin geriet mit dem Gelände des ehemaligen Rot-Weiß-Clubheims ein neuer Standort in den Fokus. Die Fläche an der Kohlstattstraße gehörte dem Freistaat, wurde aber auf dem Tauschwege von der Stadt erworben. Die Idee, die nun im Finanzausschuss erörtert wurde: Man könnte den älteren Teil des Gebäudes abreißen und hätte dann Platz für drei bis fünf sogenannte „Mobile Homes“, die das Rathaus gebraucht nach der Auflösung der Gemeinschaftsunterkunft am Kranzer erwerben könnte.
Diese Mobile Homes wären keine Luxuswohnungen, sondern echte Notunterkünfte, heißt es in der Beschlussvorlage. Es handle sich beim Standort in der Kohlstatt auch „nicht um eine Dauerlösung“, wie die stellvertretende Kämmerin Silke Furmanek erläuterte. Sie sei auf acht Jahre befristet. Dann nämlich übernimmt die Stadt vertragsgemäß die Gemeinschaftsunterkunft des Freistaats auf der Flinthöhe und kann dort dann eine dauerhafte Lösung schaffen.
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Um die „Mobile Homes“ zu erwerben und an Wasser und Strom anzuschließen, stehen im Haushalt seit vergangenem Jahr 160 000 Euro zur Verfügung. Die achtjährige Frist war Willi Streicher (SPD und Rot-Weiß-Mitglied) eigentlich deutlich zu lange, auch wenn er sich nicht grundsätzlich gegen den Standort sträubte. Er wollte wissen, „was wir eigentlich bisher mit Familien gemacht haben?“ Ihm antwortete Liegenschaftsleiterin Bettina Faßbender. Man habe in der General-Patton-Straße zwei Wohnungen, die für Großfamilien bis zu 12 Leuten geeignet wären, umfunktioniert. Für eine kürzere Frist setzte sich auch Anton Mayer (CSU) ein, der dies mit einem eigenen Antrag durchsetzen wollte. Ihm folgte aber nur Martin Harrer (FWG). Dass die Anwohner durch den Standort der Notunterkünfte beunruhigt werden könnten, sagte neben Mayer auch Ulrike Bomhard (FWG) und setzte sich dafür ein, dass die Fläche ordentlich gestaltet und begrünt wird. Die Frage von Peter Wiedemann (FWG), wie viele Plätze eine Kommune vorhalten müsse, beantwortete Furmanek eindeutig: „Die Stadt muss jeden, der kommt unterbringen. Zur Not sogar im Sitzungssaal.“
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Der Finanzausschuss stimmte schließlich geschlossen für die Schaffung einer Familiennotunterkunft mit „Mobile Homes“ auf dem ehemaligen Clubgelände an der Kohlstattstraße.