In Zeiten des Smartphones kommt die gute alte Telefonzelle vielen Menschen überflüssig vor. Für den Greilinger Wolfgang Hülmeyer (89) aber ist es ein echtes Ärgernis, dass er kaum noch öffentliche Fernsprecher findet.
Bad Tölz – Für viele Menschen mag die Telefonzelle ein Relikt vergangener Tage sein. Der Greilinger Wolfgang Hülmeyer sieht das jedoch völlig anders. Der 89-Jährige bezeichnet es als „Skandal“, dass die Telekom im Tölzer Stadtgebiet immer mehr öffentliche Telefonstellen abbaut. „Es gibt auch hier noch viele Menschen, die kein Handy haben“, argumentiert er. Auch ihnen müsse es weiter möglich sein, außer Haus zu telefonieren.
Der Trend zum Abbau der Telefonzellen beschränkt sich freilich nicht auf Bad Tölz. Gab es laut dem Deutschen Städte- und Gemeindebund im Jahr 1997 bundesweit noch rund 160.000 öffentliche Fernsprechanlagen, zählte man 2011 nurmehr 85.000.
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Wie Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach auf Anfrage mitteilt, verfügt die Kurstadt aktuell noch über fünf Telefonhäuschen. Die Standorte: Ludwigstraße 22, Ludwigstraße 11-13, Max-Höfler-Platz 3, Fritzplatz 1 und Salzstraße 33. Außerdem gibt es an der Lenggrieser Straße 33 ein sogenanntes Basistelefon. Dabei handelt es sich um ein Gerät, dessen Funktionsumfang dem der üblichen Telefonzelle entspricht, sich aber wesentlich kostengünstiger betreiben lässt, weil beispielsweise auf Wetterschutz, Beleuchtung und einige technische Komponenten verzichtet wird.
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Geht es nach Hülmeyer, reichen die verbliebenen öffentlichen Telefone nicht aus. So wünscht er sich mehr Fernsprecher an den zentralen Standorten der Stadt. „Das ist einer Kreisstadt wie Bad Tölz nicht würdig“, schimpft er. „Neben älteren Menschen, die kein Mobiltelefon besitzen, denke ich da auch an Touristen, die nach ihrer Ankunft mit Bus und Bahn telefonieren möchten. Die werden sprichwörtlich im Regen stehen gelassen.“
Dass die Telekom allmählich ihre letzten Geräte abzieht, hat laut Unternehmenssprecher Markus Jodl wirtschaftliche Gründe. Die Bedeutung der Telefonzelle habe mit dem Siegeszug des Mobiltelefons dramatisch abgenommen. „Die stetig sinkenden Umsätze sind ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung mit einem öffentlichen Fernsprecher offensichtlich nicht mehr besteht. Der Kunde ist der Architekt des Telefonzellen-Netzes“, sagt der Leiter der Telekom-Unternehmenskommunikation.
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Zudem erklärt Jodl, dass die Telekom all jene Gemeinden wegen des Abbaus einer Telefonsäule kontaktieren darf, auf deren Gebiet Telefone stehen, mit denen sein Unternehmen weniger als 50 Euro Umsatz pro Monat macht. „Der Unterhalt der Anlagen kostet eben Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung. In manchen Fällen wäre der Weiterbetrieb der Telefonzelle schlichtweg extrem unwirtschaftlich.“
Sollte eine Kommune trotz der geplanten Abrüstung eines Apparats an einem Standort festhalten wollen, kann über den Kauf und die Übernahme der Anlage verhandelt werden – so geschehen in Bad Heilbrunn, als die Gemeinde die Telefonsäule am St.-Kiliansplatz für 900 Euro erwarb, um deren Betrieb selbstständig fortzuführen.
Nicolas Linner