Triumph für Thomas Burger – Regensburger SPD nominiert ihn als OB-Kandidat
VonStefan Aigner
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Die SPD hat ihren OB-Kandidaten für 2026 gewählt. Thomas Burger siegt deutlich. Doch zurück bleiben interne Verwerfungen.
Regensburg - „Geschlossen.“ „Gemeinsam.“ „Miteinander.“ Die Redner der SPD Regensburg betonen bei ihrer Aufstellungsversammlung unermüdlich, dass sie „zusammen“ in den Kommunalwahlkampf ziehen wollen. „Als Team.“ Sie preisen den „Luxus“, zwischen „zwei sehr guten Kandidaten“ wählen zu können, als Ausdruck von Demokratie. Die Presse, so heißt es, habe den angeblichen Streit nur herbeigeschrieben.
Partei gespalten: Vorstand empfiehlt Rudner, die OB Thomas Burger
Doch die Spannungen sind spürbar. Verletzungen liegen offen. Der Parteivorstand um Raphael Birnstiel empfiehlt den Delegierten Thomas Rudner als OB-Kandidaten und spricht von einer „Richtungsentscheidung“ für die Regensburger SPD – „kein Weiter so“. Die scheidende Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hingegen erwähnt Rudner mit keinem Wort.
In ihrem Grußwort stellt sie sich klar hinter Thomas Burger. Sie lobt seine Arbeit als Fraktionschef, seine Kontakte und hebt hervor, wie oft er sie als Stellvertreter vertreten hat.
Die Redner richten ihren Fokus vor allem auf die CSU. Diese habe keine Ideen und wolle nur den Status quo bewahren, sagt Vorsitzende Claudia Neumaier. Der SPD-Unterzirksvorsitzende Sebastian Koch ätzt, CSU-OB-Kandidatin Astrid Freudenstein wirke wie „eine Sängerin bei einem Schlagerabend, die nie den Ton trifft, aber ständig ins Mikro grölt“.
Als Bürgermeisterin habe sie „viel bussiert und wenig regiert“. Die CSU sei mit einem Wort zu beschreiben: „Dagegen.“ Seine Botschaft an die Genossen: „Der Gegner ist da draußen, nicht innerparteilich. “
„Wir haben geliefert.“ Scheidende OB zieht Bilanz
Maltz-Schwarzfischer hebt unter dem Motto „Wir haben geliefert“ die Erfolge der SPD in ihrer Amtszeit (und auch der ihres Vorgängers Joachim Wolbergs) hervor.
Die Tarifangleichung für städtische Busfahrer und das Bürgerheim Kumpfmühl, Gedenk- und Willkommenskultur, die Ausstattung der Stadtbau mit Grundstücken und Kapital, Jugendsozialarbeit an Schulen, das Kinderschutzhaus im Michlstift und ein Kälteschutzhaus für Obdachlose. „Ohne uns sähe Regensburg heute anders aus.“
Burger: Erfahren und gut vernetzt
In seiner Bewerbungsrede präsentiert sich Burger als erfahrener Kommunalpolitiker. Vier Stadtratsperioden in verschiedenen Konstellationen – Opposition, große Koalition, Bunte Koalition, aktuelle Regierung – hätten ihm „tiefe Einblicke“ in die Stadtverwaltung verschafft. Er verfüge über ein „großes Netzwerk“ und habe knapp 100 Mal die OB vertreten.
Er wolle die Verwaltung neu ordnen, die Digitalisierung vorantreiben und für mehr „proaktive Kommunikation“ sorgen, auch mit Blick auf das Scheitern der Stadtbahn. „Es liegt so viel auf dem Tisch, worauf ich wirklich Bock habe“, sagt Burger. Sein Ziel: der OB-Posten und eine zweistellige SPD-Fraktion.
Rudner: Das frische Gesicht
Thomas Rudner setzt auf das Image des „frischen Gesichts“. Es sei ein „Irrglaube“, dass nur langjährige Stadtratsmitglieder als OB-Kandidaten geeignet seien. Ein Blick von außen könne neue Perspektiven eröffnen. Er will Regensburg als Stadt der „guten Nachbarschaft“ weiterentwickeln: mehr Teilhabe, Bildung, Begegnung, sozialer Wohnungsbau, die Stadtbahn, Mobilitätsdrehscheiben und die Sallerner Regenbrücke.
Der Wahlkampf sei bereits geplant, ein schlagkräftiges Team stehe bereit, und eine Agentur arbeite an einem „Wahlkampf, der Mut macht“. Sollte er gewählt werden, bietet Rudner Burger Platz 3 auf der Stadtratsliste an.
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Bemerkenswert: Nach den Reden der Kandidaten gibt es keine Aussprache. Niemand stellt Fragen. Die 34 Delegierten wissen, wo sie stehen. Für Burgers Anhänger wird der Abend zum Triumph: Er erhält 22 Stimmen, Rudner nur zwölf. Josef Reithmair, der als dritter Kandidat angetreten war, geht leer aus.
Obwohl Sebastian Koch politische Konsequenzen im Vorstand zuvor als „absurd“ bezeichnet und Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner die Kandidatenkür als „originäre Aufgabe des Vorstands“ verteidigt, scheint nach diesem Ergebnis klar: Mit dieser Vorstandsbesetzung wird die Regensburger SPD nicht in den Wahlkampf ziehen. Ob dieser wirklich geschlossen und gemeinsam geführt wird, bleibt abzuwarten.