U-Bahn und Tram

„Unklar, ob Ziel erreichbar ist“: ÖPNV-Projekte immer teurer - Scheitert die Verkehrswende in München?

  • schließen

Die Verkehrswende in München droht zu scheitern. Grund sind auch gestiegene Kosten bei nahezu allen Projekten im Bereich U-Bahn und Tram.

München - Der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs in München wird deutlich teurer als zunächst kalkuliert. Das geht aus Unterlagen des Aufsichtsrates hervor. Zunächst hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet. Schlimmer noch: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) geht aktuell nicht davon aus, die von der Politik gesteckten Ziele erreichen zu können. Auf Anfrage teilt ein Sprecher mit, es sei unklar, „ob das vom Stadtrat beschlossene Modal-Split-Ziel für den ÖPNV in München in Höhe von 30 Prozent derzeit erreichbar ist“. Rumms!

ÖPNV-Projekte in München immer teurer: Verkehrsbetriebe stellen Stadtrats-Ziele für Modal-Split in Frage

Wie berichtet, hatte der Stadtrat festgelegt, dass der Anteil des Öffentlichen Verkehrs an allen zurückgelegten Wegen bis 2025 auf 30 Prozent steigen soll. Um das zu bewerkstelligen, müsste laut Verkehrsbetrieben nicht nur in die Erneuerung sowie den Ausbau der Infrastruktur investiert werden, sondern auch in die Erweiterung des Leistungsangebotes.

Der Ausbau des Trambahn-Netzes wird in München deutlich teurer.

Die sei entsprechend über Bundes- und Freistaatsmittel zu finanzieren, da es aus Fahrgeldeinnahmen allein nicht möglich sei. „Hier fehlen leider in hohem Maße die erforderlichen Mittel“, heißt es vom Münchner Unternehmen. Die Problematik sei auch unabhängig von den nun bekannt gewordenen Kostensteigerungen von knapp 20 Prozent zu sehen, die laut MVG-Sprecher auf Steigerungen der Materialpreise zurückzuführen seien.

Verkehrswende in München: Stadträte fordern Aufklärung darüber, wie die Projekte finanziert werden sollen

Gleichwohl fordern Stadträte nun Aufklärung, schließlich seien bisher oft lediglich finanzielle Anteile der Stadt an den Projekten bekannt geworden, nicht jedoch die Gesamtkosten. „Die Stadt plant riesige Verkehrsprojekte, von denen sie nicht weiß, wie sie finanziert werden sollen“, heißt es etwa in einem Antrag von der Stadtratsfraktion aus ÖDP und München-Liste. So sind beispielsweise für den Bau der Tram-Westtangente immer Kosten von 100 Millionen Euro genannt worden, zuletzt 144,6 Millionen Euro. Doch dabei ging es stets nur um den Anteil der Stadt an der Finanzierung, tatsächlich verschlingt 8,25 Kilometer lange Trasse zwischen Romanplatz und Aidenbachstraße 490 Millionen Euro.

Ähnliches Bild bei der Nordtangente, bei der die Kosten mittlerweile mit 160 Millionen Euro angegeben werden, nicht mehr mit 49 Millionen Euro. Und die Entlastungsspange U9 soll zwar derzeit noch vier Milliarden Euro verschlingen, die Kämmerei befürchtet aber eine Kostensteigerung auf bis zu zehn Milliarden.

Ausbau des Nahverkehrs in München: Trotz Kostensteigerungen will die SPD-Fraktion an den Zielen festhalten

„Wir nehmen die Kostensteigerungen in allen Bereichen des Bauens mit Sorge zur Kenntnis“, sagt SPD-Stadträtin Simone Burger auf Anfrage. „Trotzdem steht für uns der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs nicht in Frage. Wir brauchen daher schnellstmöglich Klarheit über die Preisentwicklungen und werden dann gemeinsam mit der MVG Wege finden, wie wir die geplanten Projekte umsetzen können.“

Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

Kommentare