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Der bundesweite ÖPNV-Warnstreik brachte auch den Nahverkehr in München fast zum Erliegen. Fahrgäste mussten improvisieren. Weitere Streiks nichts ausgeschlossen.
München – Fahrgäste mussten gestern starke Nerven beweisen: Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte im Nahverkehr zu einem Warnstreik aufgerufen. MVG-Stillstand in München! Die Auswirkungen waren massiv. So fuhren am Montag in München keine U-Bahnen. Bei den Straßenbahnen zunächst nur „die am stärksten nachgefragte Linie 20“, informierte die MVG.
Busse fuhren zwar, da die privaten Busunternehmen nicht bestreikt werden, aber unregelmäßig und auf einem Teil der Linien. Außerdem kamen auch sie dem Stau nicht aus. Nicht gestreikt wurde bei der S-Bahn, den Regionalzügen.
ÖPNV-Warnstreik: Viele Münchner stiegen auf E-Scooter um
Erwartungsgemäß haben am Montagmorgen zahlreiche Münchner das Auto als Fortbewegungsmittel gewählt. Auf vielen Straßen in der Landeshauptstadt staute es sich, auch in Seitenstraßen. Auf den Radwegen ging es ebenso zu. Viele Pendler mussten improvisieren, etwa spontan auf den Anbieter Lime umsteigen, der E-Scooter und E-Bikes vermietet. Besonders dort ist die Nachfrage am Streik-Vormittag gestiegen, teilt ein Sprecher der Firma auf Nachfrage mit. So haben die Fahrten am Montagvormittag im Vergleich zur vergangenen Woche in München „deutlich“ zugenommen, heißt es. Mit einem Plus von unglaublichen 313 Prozent fiel der Zuwachs während des Berufsverkehrs zwischen 8 und 9 Uhr dabei „besonders deutlich aus“, so der Sprecher.
Kurios ging es außerdem im DB-Navigator zu. Wer gestern Vormittag in die App schaute, der erfuhr vom Streik nichts. Offenbar war der Streiktag in die App nicht eingespeist worden – daher konnte man zumindest virtuell ganz normal von Fürstenfeldbruck mit Umstieg Marienplatz in die U-Bahn Richtung Münchner Freiheit steigen. Oder auch jede x-beliebige U-Bahn woanders hin nehmen. Die Bahn konnte gestern nicht sagen, warum ihre App den Streik schlicht ignorierte. Nur so viel: „Wir bedanken uns für den Hinweis, dass die Information zu streikbedingten Einschränkungen für Reisende im Raum München dieses Mal nicht optimal im DB Navigator angezeigt wurde.“ Grundsätzlich sei man bei Fahrtausfällen „auf die Zulieferungen der jeweiligen Verkehrsunternehmen angewiesen“. Mit anderen Worten: Die MVG ist (angeblich) schuld.
Weitere Streiks laut Verdi nicht ausgeschlossen
Zwar soll heute nun wirklich wieder alles normal fahren. Entwarnung gibt es allerdings nach dem ersten Warnstreik nicht: Bis zur nächsten Verhandlungsrunde mit den Verkehrsunternehmen am 13. Februar sei „mit weiteren Warnstreiks zu rechnen“, sagte der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter, Sinan Öztürk.
Vom Verdi-Bezirk München heißt es auf Nachfage: „Ja, der Streik war ein Erfolg.“ Inwieweit sich der Warnstreik auf die Verhandlungsführung der Arbeitgeber auswirken werde, bleibe allerdings abzuwarten. „Vor der nächsten Verhandlungsrunde ist keine weitere Eskalationsstufe, in Form von mehreren Tagen Warnstreik, angedacht.“
Verdi fordert für Beschäftigte im kommunalen Nahverkehr monatlich 668,75 Euro mehr Lohn. Zudem soll die wöchentliche Arbeitszeit von 38,5-Stunden auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich reduziert werden. Hinzu kommen ein höherer Sonntagszuschlag und eine tarifliche Regelung für eine Mindestruhezeit von elf Stunden. Der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern nennt die Forderungen „realitätsfern“.
Fahrgäste müssen sich bis zu einer Einigung also auf weiteren Stillstand einstellen. Öztürk: „Wann und wie lange geben wir mit angemessener Vorlaufzeit bekannt.“
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