VonSascha Karowskischließen
Nach der Mehrwertsteuersenkung reduzieren erste Wirte den Bierpreis in München. Bürgermeister Dominik Krause hofft auf ein Signal für die Wiesn.
Es ist noch lange hin bis zur Wiesn, dennoch hat Bürgermeister Dominik Krause bereits das erste Fass aufgemacht – sprichwörtlich. Der OB-Kandidat der Grünen fordert einen Preis-Stopp auf dem Oktoberfest. Hintergrund ist die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie – und die Berichterstattung unserer Redaktion darüber, dass bereits erste Betriebe in der Innenstadt (Haxnbauer und Tegernseer Tal Bräuhaus) angekündigt haben, diese Senkung an die Gäste weiterzugeben. Ab heute geht der Bierpreis dort um 1,20 Euro runter – die Halbe kostet dann 4,50 Euro statt 5,70 Euro.
Oktoberfest in München: Bürgermeister Dominik Krause fordert Nullrunde beim Bierpreis
„Bei manchen Nachrichten muss man sich selbst zwicken, weil man es kaum glauben kann“, sagte Krause im Gespräch mit Radio Charivari. Aber er empfinde es als großartig, dass einige Münchner Wirte jetzt einen Teil der Mehrwertsteuersenkung an die Gäste weitergeben. „Und ich finde, da können sich auch die Wiesnwirte durchaus eine Scheibe abschneiden und dieses Jahr zumindest mal eine Nullrunde beim Bierpreis einlegen. Ich bin sicher, auch so wird kein Wiesnwirt verarmen.“
Wie berichtet, hat die Bundesregierung zum 1. Januar die Mehrwertsteuer in der Gastronomie gesenkt. Auf alle Speisen werden seitdem nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Für Getränke – also auch Bier – bleibt es indes beim regulären Satz von 19 Prozent.
Oktoberfest in München: Wirte-Sprecher sagt, jeder müsse selbst entscheiden, ob er den Bierpreis halten kann
Bei Wiesnwirte-Sprecher Christian Schottenhamel klingt daher auch Skepsis mit, als unsere Redaktion ihn auf Krauses Vorschlag anspricht. Schließlich würden die Brauereien bereits bis zu fünf Prozent mehr im Einkauf verlangen, die Preise für Fleisch schnellten um 15 Prozent in die Höhe. Und hinzu kommt, dass der Mindestlohn steigt. „Ich habe sogar schon einen Lieferanten, der mir gesagt hat, dass er jetzt endlich die Preise erhöhen kann, weil wir Wirte ja Geld vom Staat bekommen.“ Ob also Essen und Trinken auf der Wiesn günstiger werden, ist mehr als fraglich. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er den Bierpreis halten kann.“
Das Oktoberfest findet heuer vom 19. September bis 4. Oktober statt. Bereits im Frühjahr entscheidet der Stadtrat über die Zulassung von Wirten und Schaustellern. Die werden im Anschluss die Preise kalkulieren. Und der Wiesnbier-Preis setze sich ja aus mehreren Faktoren zusammen, wie Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) erklärt: Pacht, Energiepreis, Lebensmittel und Bierpreis der Brauereien. „Wir appellieren an Augenmaß und Nachvollziehbarkeit bei der Preisgestaltung – nicht nur beim Bier, sondern auch bei Speisen und anderen Getränken –, damit die Wiesn ihren Volksfestcharakter behält.“
Rubriklistenbild: © Michaela Stache

