VonManuela Schauerschließen
Turbulent geht‘s in der Gemeinde Saulgrub zu. Das Kandidaten-Roulette dreht sich weiter. Jetzt gibt es zwei Bewerber um den Bürgermeister-Posten.
Die Bombe ließ er am Montag platzen: Martin Kriner trat von seiner Kandidatur für das Bürgermeister-Amt zurück. Am vergangenen Mittwoch hatte ihn die Wählervereinigung Saulgrub nominiert, allerdings mit einem bescheidenen Resultat von gerade einmal 54 Prozent. Und das aus den eigenen Reihen. Trotzdem zog er nicht zurück. Das holte er nun nach.
Das Ergebnis „musste ich erst einmal sacken lassen“, sagt der 64-Jährige im Tagblatt-Gespräch. Mit seiner Familie tauschte er sich in den Folgetagen aus. Und kam zu der Entscheidung, sich doch nicht zu bewerben. Ein Entschluss, mit „dem es mir sehr gut geht“. Am Montagnachmittag informierte er Bürgermeister Rupert Speer über die neueste Entwicklung, dann seine Wählervereinigung. Im Anschluss machte er sich auf den Weg, um die Altenauer, Wurmansauer und die Liste „DreiOrte – eine Stimme“ darüber in Kenntnis zu setzen. Der Fairness halber. Zu der Rolle rückwärts führte aber nicht nur die fehlende Akzeptanz bei den eigenen Leuten. Nach der Versammlung bekam er Anrufe mit unterdrückten Nummern – inklusive uncharmanter Kommentare.
In der zweiten Runde lässt sich Löffler aufstellen
Für Kriner ist die Angelegenheit jetzt abgehakt. „Wenn sie mich nicht wollen, dann wollen sie mich nicht.“ Was er aber sehr zu schätzen weiß, ist der Zuspruch, der ihm aus den Ortsteilen Wurmansau und Altenau entgegengebracht worden ist. So wie er es aus dem Gemeinderat kennt. „Man hat gut und unkompliziert zusammengearbeitet.“ Jetzt widmet er sich wieder der Lebensplanung, die er ursprünglich verfolgt hatte.
Während er das Kapitel Bürgermeister-Wahl schloss, öffnete es sich am Montagabend wieder bei Kerstin Löffler. Ihre Gruppierung „DreiOrte – eine Stimme“ hatte wegen eines Formfehlers erneut zur Aufstellungsversammlung ins TSV-Heim geladen. Beim ersten Mal verzichtete sie kurzerhand auf eine Kandidatur, wollte dem damaligen Aspiranten Alfred Wurm den Vortritt lassen und keinen Konkurrenzkampf entfachen. Der aber stieg aus dem Rennen aus, weil der Posten ehrenamtlich bleiben soll. Nach Rücksprache mit ihrem Ehemann wagte die vierfache Mutter den Schritt nun doch.
An seinem Geburtstag verkündet Benedikt seine Entscheidung
Von den 23 anwesenden Wahlberechtigten gab es dafür kräftigen Applaus und die einstimmige Bestätigung. Mit Tränen in den Augen bedankte sich die 40-Jährige bei den Anwesenden. Sie finde es „total toll“, dass sie als Zugezogene, die erst seit sieben Jahren im Ort lebt, das Vertrauen erhalten habe. Sollte sie zur Bürgermeisterin gewählt werden, möchte sich die gelernte Altenpflegerin vor allem für diejenigen einsetzen, die sich im Gegensatz zur Mittelschicht oft nicht selbst organisieren können – also für die junge und die alte Generation. Nicht zuletzt macht sie sich mit der neu gegründeten Liste dafür stark, dass sich mehr Frauen in der Ortspolitik engagieren.
Kriner rief Löffler am Dienstag an und gratulierte zur Nominierung. Da wusste er noch nicht, dass noch ein weiterer Bewerber auf der Matte steht. Von der eigenen Wählervereinigung. Bernhard Benedikt junior, der zuletzt schon gehandelt wurde, wäre ebenfalls bereit, Verantwortung für den Ort zu übernehmen.
Es ist von mir keine Gegen-, sondern eine Nebenkandidatur.
Wie der Rest der Liste erfuhr der Saulgruber, der am Dienstag seinen 34. Geburtstag feierte, von Kriners Kehrtwende. „Das war eine Überraschung“, sagt er. Nachdem er schon vor der Aufstellungsversammlung Interesse an dem Amt bekundet, Kriner aber wegen dessen Erfahrung und Kompetenzen den Vortritt gelassen hatte, fiel ihm die Entscheidung jetzt relativ einfach. Auch mit seinem Arbeitgeber, der Berufsfeuerwehr in München, hatte er im Vorfeld schon die Möglichkeiten ausgelotet. Eine Nacht wollte er aber noch darüber schlafen, am Dienstagfrüh verkündete er schließlich die Botschaft.
Mit Löffler steht Benedikt in Kontakt. „Ich finde gut, dass sie es macht“, betont der Vize-Vorsitzende der Saulgruber Trachtler und fügt in aller Deutlichkeit hinzu: „Es ist von mir keine Gegen-, sondern eine Nebenkandidatur.“ Zuerst muss er aber offiziell als Bewerber aufgestellt werden. Voraussichtlich am 3. Januar findet die Versammlung statt.
Nach all dem Hin und Her, mit dem sich die Gemeinde in der Außenwirkung nicht mit Ruhm bekleckert hat, deutet alles auf ein Duell zwischen den zwei Saulgrubern hin. Sie sind kommunalpolitische Anfänger, gehörten noch nie dem Gemeinderat an. Benedikt, der sich als Teamplayer bezeichnet, weiß um die bevorstehende Herausforderung, falls er sich am 8. März durchsetzt. „Ich brauche die Bewährten, die mir helfen müssen.“ Was ihm auch lieb wäre: dass wieder mehr Ruhe einkehrt. Was angesichts der künftigen Mammutaufgaben zu empfehlen ist.
(Wilfried Nass)
Wurmansau wählt neu
Es sei ihm „eiskalt über den Rücken gelaufen“, erzählt Markus Langmayer von der Wählergemeinschaft Wurmansau, als er erfahren habe, dass die Aufstellungsversammlung wegen eines Formfehlers wiederholt werden müsse. Man hatte aufgrund der nicht vollständigen Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl zu viele Stimmen abgegeben. Zur Erholung brauchte er erst einmal „ein Schnapsal oder zwei“, schließlich bedeute eine Wiederholung auch, dass man die Wahlberechtigten noch einmal motivieren müsse, sich zu der formellen Angelegenheit ein weiteres Mal zu treffen. Am Ende ging aber alles gut: Gut 15 Personen und damit genügend Wahlberechtigte waren ins Schützenhaus Altenau gekommen, um ihre Gemeinderatsliste erneut zu wählen. Überraschungen gab es dabei keine – einzig Julia Milke verzichtete aus persönlichen Gründen auf eine Kandidatur.
Die Bewerber: 1. Stefan Herterich; 2. Felix Auhorn; 3. Irmgard Paschen; 4. Juliander Kratz; 5. Andreas Staltmaier.
