Nonnenwald in Penzberg

Weg frei für Erweiterung des Roche-Werks - erste Planungen für ersten Ausbauschritt laufen

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Roche-Erweiterung: Die Ansicht zeigt den ersten Entwicklungsschritt. Neu sind hier die zwei Gebäudekomplexe, die links im Winkel stehen und dahinter die vier kleineren Gebäude. Roche teilte dazu mit, dass es sich um eine schematische Darstellung der Architektur handle, dies also nichts mit der künftigen Realität zu tun haben muss.
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Der Penzberger Stadtrat hat den Weg für eine Erweiterung des Roche-Werks um 14 Hektar geebnet. Er stimmte mit deutlicher Mehrheit gegen die Stimmen von Grünen und Teilen der PM-Fraktion dem Bebauungsplan zu. Wann und wie es nun konkret im Nonnenwald weitergeht, lässt Roche momentan noch offen.

Penzberg – Mit einer deutlichen Mehrheit zugunsten einer Erweiterung des Roche-Werkgeländes wurde am Dienstagabend das Bauleitverfahren abgeschlossen. Die Änderung des Flächennutzungsplans hatte der Stadtrat bereits im November abgesegnet. Nun folgte der Bebauungsplan. Der Beschluss fiel mit 19:6. Dagegen votierten die vier Grünen-Stadträte. Gespalten war die vierköpfige PM-Fraktion: Nur Anette Völker-Rasor und Martin Janner sagten „Nein“.

Bauleitverfahren beendet - Roche kann nun Bauanträge stellen

Roche kann nun Bauanträge einreichen. Insgesamt geht es um 14 Hektar im Norden des Werkgeländes, was etwa 19 Fußballfeldern entspricht. Derzeit umfasst das Werk circa 46 Hektar. Zuletzt hatte es im Stadtrat geheißen, dass Roche in einem ersten Schritt angeblich ein Drittel der Fläche im östlichen Bereich bebauen will. Rodungen könnten dort bereits Anfang 2023 erfolgen.

Roche äußert sich: Erste Planungen laufen

Befragt nach den konkreten Erweiterungsplänen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit, dass auf dem etwa 14 Hektar großen Areal Projekte realisiert würden, „die in den nächsten 10 bis 15 Jahren zur weiterhin positiven Standortentwicklung beitragen“. Als Beispiele nennt es Anlagen für Produktion, Logistik, Infrastruktur und Verwaltung. Erste Planungen für einen ersten Ausbauschritt auf der östlichen Hälfte der Erweiterungsfläche würden laufen. Zum Umfang und zum konkreten Zeitplan könnten aber noch keine Aussagen getroffen werden. Dies sei von internen Freigabe- und Genehmigungsprozessen abhängig.

Bestätigt wird von Roche eine frühere Aussage, wonach der zweite Erweiterungsschritt nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre erfolgt. Nach Einschätzung des Unternehmens spiegelt dies die Dynamik der absehbaren Entwicklung des Standorts wider. Einen konkreten Zeitplan für die vollständige Entwicklung und Nutzung der Norderweiterung gebe es derzeit nicht. Dies hängt laut Unternehmen immer vom Bedarf des Konzerns an Neu- und Ersatzbauten ab.

Werkleiter: Zustimmung ist „starkes Zeichen“

Die Zustimmung am Dienstag wertete Werkleiter Paul Wiggermann als „starkes Zeichen des Stadtrats für eine Fortsetzung der in 50 Jahren gewachsenen Partnerschaft zwischen Roche und der Stadt Penzberg“. Man könne nun das Werk in den nächsten 10 bis 15 Jahren nachhaltig modernisieren und weiterentwickeln. Er versicherte, dass dies „mit viel Respekt und großer Verantwortung der Umwelt und den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber“ geschehe.

PM-Stadtrat: Geben Einfluss aus der Hand

Im Stadtrat gab es aber auch Gegenstimmen. Martin Janner (PM) sprach von einer „nicht alltäglichen Abwägung“. Die einen befürchteten einen schmerzhaften Eingriff in die Natur und eine Belastung für die Infrastruktur, andere fürchteten um das Interesse von Roche, wenn die Stadt zu zaghaft sei. Er erwähnte nochmals den Drei-Stufen-Vorschlag, wonach ein erster Bauabschnitt zugelassen wird, vor weiteren Schritten aber erst die Frage zu beantworten ist, ob auch eine Innenverdichtung möglich ist. Diesen Einfluss gebe man nun aus der Hand.

Grüne stimmen geschlossen gegen Bebauungsplan

Sebastian Fügener (Grüne) sagte, seine Fraktion habe den Vorschlag schon zu Beginn des Verfahrens gemacht. „Wir schätzen Roche als Arbeitgeber und wollen den Standort Penzberg unterstützen.“ Bei einer maßvollen Erweiterung hätte man jedoch die Möglichkeit gehabt, die Folgen zu beobachten und zu reagieren. Geltendes Landesrecht, sagte er, schreibe es Roche nun vor, die erworbenen Flächen binnen acht Jahren zu bebauen.

Wohnbau: Staatsregierung jetzt in die Pflicht nehmen

Als Kompromiss nach langer Diskussion bezeichnete dagegen SPD-Fraktionschef Adrian Leinweber den Bebauungsplan. Froh zeigte sich CSU-Fraktionschefin Maria Probst, dass „wir heute über die Ziellinie gehen“. Wichtig sei ihr aber zu betonen, dass man die Aufgabe stets auch kritisch betrachtet habe. Armin Jabs (BfP) entgegnete Fügener, dass hier zukunftsfähige Arbeitsplätze gesichert würden, während andere Branchen wie die Automobilzulieferer kämpfen müssen. Aber auch er wies auf die Folgen für die Infrastruktur hin. Da die Staatsregierung zu erkennen gegeben habe, dass sie die Erweiterung will, so Jabs, müsse sie nun beim Wohnungsbau über die staatliche Wohnungsbaugesellschaft „BayernHeim“ in die Pflicht genommen werden.

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