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Der Photovoltaik-Ausbau kommt immer öfter ins Stocken. Für den Kreisobmann und die Kreisbäuerin ist ein Umdenken angebracht.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Grüne Wiesen, weite Flur sowie fruchtbares Ackerland unter weiß-blauem Himmel – und dazwischen Solarparks? Verteidiger der bayerischen Kulturlandschaft betonen immer wieder dessen Unvereinbarkeit. Jüngst musste die Gemeinde Icking daher auf eine PV-Anlage im Ortsteil Attenhausen verzichten. Bürgerproteste veranlassten den Grundeigentümer, sein Angebot zurückzuziehen. Peter Fichtner, Obmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen versteht die Bedenken. Doch für ihn ist „die Zeit der Ablehnung vorbei“.
Photovoltaik auf „bestem Ackerland“ – Zwei Meinungen aus dem Bauernverband
„Klar, wer lässt sich gerne seinen eigentlich unverbaubaren Bergblick ruinieren“, sagt Fichtner. Der Wunsch nach grüner Energie sei jedoch beschlossener Konsens. Landwirte stellen dafür ihre Flächen zur Verfügung, ernten allerdings öfter den Missmut der Anwohner. Wenn mal etwas vorwärts gehe, „nicht vor meiner Haustür“ zu rufen, ist seiner Meinung nach verkehrt. „Kommende Generationen werden nicht mehr merken, dass jemand solche Wunden in die Landschaft geschlagen hat“, glaubt Fichtner. „Doch den Erfolg der erneuerbaren Energien spüren sie hoffentlich.“
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In seiner Arbeit als Obmann des Bauernverbands fährt der Nebenerwerbs-Landwirt viele Stunden durch das Oberland. Besonders im Allgäu bemerkt er häufig PV-Anlagen, die sich in die Landschaft einfügen. „Über die Ästhetik kann man abendfüllend diskutieren. Optisch bleibt es einfach Gewöhnungssache.“ Problemstellen in der umkämpften bayerischen Kulturlandschaft sehe er jedoch anderswo, etwa an der Ostumfahrung München. Immer mehr riesige Fabrikhallen versiegeln dort „bestes Ackerland“. Darüber klagen zwar weniger Menschen. Diese Art des Flächenverbrauchs verlange der Umwelt aber wesentlich mehr ab als demontierbare Photovoltaik auf Freiflächen.
Kreisbäuerin Fiechtner zu Solarparks: „Bleibt keiner Generation erspart, Eingeständnisse zu machen“
Ursula Fiechtner, Kreisbäuerin des BBV im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, kennt die Diskussion um Solarstrom aus der offenen Flur gut. „Wenn man die Energie von Kindern nur in Watt umwandeln könnte“, scherzt sie lachend, während ihr Enkelkind im Hintergrund Radau macht. Die Solarparks beschreibt sie als zweischneidiges Schwert. Einerseits ist nachhaltige Energie gerade „so wichtig wie nie“. Andererseits geht dabei oft „wertvoller Grund verloren“. Dazu fänden willige Landwirte einige Steine auf dem Weg zur eigenen PV-Anlage. Bürgerproteste oder steuerliche Überraschungen bei der Übergabe des Hofes – aus gutem Grund ist die zuständige Beratungsstelle beim Bauernverband aktuell gut ausgelastet.
„Es bleibt leider keiner Generation erspart, Eingeständnisse zu machen“, weiß die Landwirtin aus der Vergangenheit. Denn letztlich sei der Streit um die PV-Anlagen ein alter Hut. „Vor 100 Jahren gab es das bei Strommasten, vor ein paar Jahrzehnten mit dem Mobilfunk-Ausbau oder heute beim Thema Windräder.“ Zuvor habe keiner erwartet, dass jeder auf guten Empfang angewiesen ist. Mittlerweile ist ein leistungsfähiges Mobilfunk-Netz nicht mehr wegzudenken. Vielleicht denke man in Zukunft auch so über Solarstrom.
Wolfratshausen/Bad Tölz: Hohe Nachfrage nach Flächen für Solarparks
„Man muss sich damit anfreunden, es akzeptieren“, stellt auch Fichtner klar. Und während das Thema für einigen Unmut in den Gemeinden sorgt, wächst die Nachfrage nach Flächen für PV-Projekte. „Im Landwirtschaftlichen Wochenblatt finden sich bis zu acht Gesuche für Flächen“ – inklusive lukrativer Preise. Gegen neidvolle oder verärgerte Blicke der Nachbarn hat Fichtner nur einen Ratschlag: Der Verweis auf das Recht, frei über seinen Grund zu verfügen. „Daran ist nicht zu rütteln.“
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