Spuren der Vergangenheit

Freibäder, Bahnhöfe, Villen: Diese „Lost Places“ zerfallen in München

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Selbst in München gibt es verlassene Orte. Sie verbinden Nostalgie mit Grusel.
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Verlassene Freibäder, stillgelegte Bahnhöfe, verwunschene Villen – in München gibt es verlassene Orte, in denen die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft.

München – Es gibt Orte, die einst voll Leben waren, mit der Zeit aber in Vergessenheit geraten sind. Es sind Orte, an denen die Zeit stillzustehen scheint. Sogenannte „Urban Explorer“ machen es sich zur Aufgabe, diese „Lost Places“ wiederzuentdecken und ihre Geschichte zu dokumentieren. Dabei nehmen sie oft weite Strecken auf sich. Doch selbst in der Landeshauptstadt München finden sich schaurig schöne „verlorene Orte“ – wenngleich nicht alle ganz ungefährlich sind und das Betreten deshalb verboten ist.

Vom Nabel der Welt zum Geisterbahnhof: Der alte Bahnhof Olympiastadion

Als 1972 die Olympischen Sommerspiele in München ausgetragen wurden, wurde die bayerische Landeshauptstadt von einem Tag auf den nächsten zum Nabel der Welt. 7134 Athleten und Athletinnen aus 121 Nationen nahmen laut der offiziellen Website teil. Zahlreiche Besucher strömten in diesen Tagen in Richtung des neu errichteten Olympiastadion.

Der Geisterbahnhof am Olympiapark war einst ein lebhafter Ort. Von hier aus kamen 1972 zahlreiche Besucher zu den Olympischen Sommerspielen.

Um sicherzustellen, dass sie auch gut dort ankamen, entstand gleich gegenüber des Stadions ein neuer Bahnhof. Doch wo einst die ganze Welt zusammenkam, wuchern nun Pflanzen zwischen den Gleisen. Obwohl das Betreten des Bahnhofs offiziell verboten ist, ist er geschmückt von buntem Graffiti. Der Geisterbahnhof scheint seine glorreichen Tage hinter sich gelassen zu haben.

Hinweis der Redaktion:

Dieser Text wurde von der Redaktion bereits in der Vergangenheit veröffentlicht. Nachdem er auf ein hohes Leserinteresse gestoßen ist, spielen wir ihn nun ein weiteres Mal aus.

Das könnte sich aber bald ändern. Laut Angaben der Deutschen Bahn soll der Bahnhof nach über 50 Jahren wieder zum Leben erweckt werden. Schon 2011 kaufte die Stadt München den etwa 6,5 Hektar großen Korridor und erklärte ihn zur allgemeinen Grünfläche. Aus dem Streifen um die Gleise soll ein geschütztes Biotop entstehen, der Bahnhof saniert und zum Jugendtreffpunkt samt kulturellen Angeboten werden. Der „verwilderte Charakter“ soll dabei aber erhalten bleiben.

Die verlassenen Bahnanlagen am Münchner Ostbahnhof

Während der alte Bahnhof am Olympiapark schon lange keine Fahrgäste mehr angenommen hat, ist der Münchner Ostbahnhof weiterhin ein wichtiger Knotenpunkt für Pendler, Touristen und alle möglichen Münchnerinnen und Münchner, die hier täglich ein und aus fahren. Doch selbst an so einem lebhaften Ort finden sich Echos aus der Vergangenheit.

Die Spuren der Vergangenheit hinterlassen oft eine geisterhafte Atmosphäre.

Zwischen der S-Bahn Werkstatt Steinhausen und den Gleisen der S-Bahn Strecke zwischen Berg am Laim und Riem befindet sich das große Gelände eines ehemaligen Rangierbahnhofs. Der Bahnhof „München Ost Rbf“ entstand zwischen 1912 und 1924, wurde 1991 jedoch durch den Rangierbahnhof im Münchner Norden ersetzt. Jetzt befinden sich auf dem Gelände überwucherte Gleise und Ruinen.

Direkt anliegend findet man hier auch ein Verwaltungsgebäude der Deutschen Bahn. Während dieses mittlerweile verlassen zu sein scheint, wird das gegenüberliegende Schalthäuschen noch weiterhin genutzt. Hier trifft ein reger Bahnverkehr auf eine stille Zeitkapsel.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Diese „Lost Places“ gibt es in München

Der Geisterbahnhof am Olympiapark war einst ein lebhafter Ort. Von hier aus kamen 1972 zahlreiche Besucher zu den Olympischen Sommerspielen.
Der Geisterbahnhof am Olympiapark war einst ein lebhafter Ort. Von hier aus kamen 1972 zahlreiche Besucher zu den Olympischen Sommerspielen. © IMAGO / Ralph Peters
Die Olympischen Sommerspiele 1972 in München: Zahlreiche Besucher aus aller Welt strömten in das damals neu gebaute Olympiastadion.
Die Olympischen Sommerspiele 1972 in München: Zahlreiche Besucher aus aller Welt strömten in das damals neu gebaute Olympiastadion. © IMAGO / Sven Simon
Der verlassene Bahnhof „Olympiastadtion“ war einst ein lebhafter Ort. 1972 stiegen hier die Besucher der Olympischen Sommerspiele aus.
Der verlassene Bahnhof „Olympiastadtion“ war einst ein lebhafter Ort. 1972 stiegen hier die Besucher der Olympischen Sommerspiele aus. © IMAGO / Heinz Gebhardt
Über 50 Jahre später ist die wichtige Station nur noch als Geisterbahnhof bekannt.
Über 50 Jahre später ist die wichtige Station nur noch als Geisterbahnhof bekannt. © IMAGO / Ralph Peters
Die Gleise sind mittlerweile unbrauchbar. Hier ist schon lange keine Bahn mehr abgefahren.
Die Gleise sind mittlerweile unbrauchbar. Hier ist schon lange keine Bahn mehr abgefahren. © IMAGO / Ralph Peters
Schilder und Zäune warnen eindeutig: Das Betreten des Geländes ist verboten.
Schilder und Zäune warnen eindeutig: Das Betreten des Geländes ist verboten. © IMAGO / Ralph Peters
Das bunte Graffitti am ehemaligen Bahnhof „Olympiastadion“ zeigt: Ein paar „Besucher“ zieht der Geisterbahnhof dennoch an.
Das bunte Graffitti am ehemaligen Bahnhof „Olympiastadion“ zeigt: Ein paar „Besucher“ zieht der Geisterbahnhof dennoch an. © IMAGO / Ralph Peters
Eine stillgelegte Bahnstrecke zeugen vom „München Ost Rbf“ - einem ehemaligen Rangierbahnhof.
Eine stillgelegte Bahnstrecke zeugt vom „München Ost Rbf“ – einem ehemaligen Rangierbahnhof. © IMAGO / imagebroker
Die verlassenen Gleise nahe der Station „Berg am Laim“ wurden wiederum in einen Landschaftspark verwandelt. Ein entspannter Ort für Spaziergänge.
Etwas weiter im Westen wurden die verlassenen Gleise nahe der Station „Berg am Laim“ wiederum in einen Landschaftspark verwandelt. Ein entspannter Ort für Spaziergänge. © IMAGO/STL
Der Park bietet jedoch nicht nur Raum für Spaziergänger. Wo einst Güterzüge fuhren, finden nun zahlreiche Tierarten hier ihr Zuhause.
Der Park bietet jedoch nicht nur Raum für Spaziergänger. Wo einst Güterzüge fuhren, finden nun zahlreiche Tierarten hier ihr Zuhause. © IMAGO/STL
Die Spuren der Vergangenheit hinterlassen aber auch hier eine geisterhafte Atmosphäre.
Die Spuren der Vergangenheit hinterlassen aber auch hier eine geisterhafte Atmosphäre. © IMAGO/STL
Eine kleine Sehenswürdigkeit für Eisenbahn-Enthusiasten: Die alte Drehscheibe für Lokomotiven befindet sich ebenfalls im Landschaftspark.
Eine kleine Sehenswürdigkeit für Eisenbahn-Enthusiasten: Die alte Drehscheibe für Lokomotiven befindet sich ebenfalls im Landschaftspark. © IMAGO/STL
Zwischen dem Bahnhof und der Bushaltestelle kann man in Karlsfeld in Vergessenheit geratene Gleise erkennen.
Auch im Nordwesten, zwischen Bahnhof und Bushaltestelle, kann man in Karlsfeld in Vergessenheit geratene Gleise erkennen. Hier erobert sich die Natur ebenfalls wieder zurück, was einst ihr gehörte. © IMAGO / Action Pictures
Hier kam man einst in eines der beliebtesten Freibäder Münchens. Das Floriansmühlbad hat seit 1988 geschlossen.
Ein weiteres „Lost-Place“ befindet sich im Herzen des Stadtteils Schwabing-Freimann. Hier befand sich einst in eines der beliebtesten Freibäder Münchens. Doch das Floriansmühlbad hat bereits seit 1988 geschlossen. © IMAGO / HRSchulz
Im Mühlbach suchten die Münchnerinnen und Münchner an heißen Sommertagen Erfrischung.
Im Mühlbach suchten die Münchnerinnen und Münchner an heißen Sommertagen Erfrischung. © IMAGO / HRSchulz
„Vorsicht beim Einspringen. Wassertiefe 140“ steht auf einem verrosteten Schild.
„Vorsicht beim Einspringen. Wassertiefe 140“ steht auf einem verrosteten Schild. © IMAGO / HRSchulz
Heutzutage wird wohl kaum einer sich ins Wasser trauen.
Heutzutage wird wohl kaum einer sich ins Wasser trauen. © IMAGO / HRSchulz
Mehrere Brücken führen über den Mühlbach. Auch hier wird wieder vor dem Einspringen gewarnt.
Mehrere Brücken führen über den Mühlbach. Auch hier wird wieder vor dem Einspringen gewarnt. © IMAGO / HRSchulz
Verbogen und verrostet: Dieses Schild zeigte den Badegästen einst den Weg zur Umkleide.
Verbogen und verrostet: Dieses Schild zeigte den Badegästen einst den Weg zur Umkleide. © IMAGO / HRSchulz
In einem Freibad dürfen selbstverständlich die Umkleiden nicht fehlen. Doch auch hier nagt der Zahn der Zeit am maroden Holz.
In einem Freibad dürfen selbstverständlich die Umkleiden nicht fehlen. Doch auch hier nagt der Zahn der Zeit am maroden Holz. © IMAGO / HRSchulz
Am Eingang der Umkleiden wird vor Taschendieben gewarnt. Darüber muss sich heutzutage im verlassenen Freibad immerhin niemand mehr Sorgen machen.
Am Eingang der Umkleiden wird vor Taschendieben gewarnt. Darüber muss sich heutzutage im verlassenen Freibad immerhin niemand mehr Sorgen machen. © IMAGO / HRSchulz
Auch ein Schwimmbecken gehörte zum beliebten Freibad in Freimann. Jetzt wuchern hier die Pflanzen.
Auch ein Schwimmbecken gehörte zum beliebten Freibad in Freimann. Jetzt wuchern hier die Pflanzen. © IMAGO / HRSchulz
Eine marode Duschanlage. Wer die wohl mal genutzt hat?
Eine marode Duschanlage. Wer die wohl mal genutzt hat? © IMAGO / HRSchulz
Wunderschön, aber dringend sanierungsbedürftig: In Laim fragen sich die Anwohner, was mit der Villa an der Neuburger Straße 8 passieren soll. Das Haus verfällt zusehends.
In Laim verfällt währenddessen eine Villa dem „Dornröschenschlaf“. Das von den Anwohnern getaufte „Dornröschenschloss“ in der Neuburger Straße 8 sollte eigentlich mal saniert werden. © Schlaf
So soll die Villa mal aussehen, wenn es nach dem Plan des Eigentümers geht.
So sollte die Villa eigentlich mal nach Plänen des Eigentümers aussehen. Bis heute ist daraus aber leider nichts geworden. Das „Dornröschenschloss“ bleibt weiterhin ein „Lost-Place“ in München. © WUDA

Wer sich von hier aus Richtung Ostbahnhof bewegt, stößt auf weitere verlassene Gleise. Hier ist jedoch ein Landschaftspark entstanden, der Lebensraum für allerlei Tierarten bietet. Eine kleine Sehenswürdigkeit für Eisenbahn-Enthusiasten gibt es auch: Eine alte Drehscheibe für Lokomotiven lässt sich zwischen Bäumen und Gräsern begutachten.

Die vergessenen Gleise am Bahnhof Karlsfeld

Die Deutsche Bahn beschert uns mit einem weiteren „Lost Place“ in München. Im Münchner Nord-Westen, zwischen dem aktiven Bahnhof Karlsfeld und der dazugehörigen Bushaltestelle, erkennt man bei näherer Betrachtung die Überreste von alten Gleisen durch Dickicht hervorscheinen.

Zwischen dem Bahnhof und der Bushaltestelle kann man in Karlsfeld in Vergessenheit geratene Gleise erkennen.

Der Ursprung der Gleise ist unbekannt, womöglich können sie zu einem verlassenen Güterbahnhof gehört haben. Mittlerweile hat sich die Natur diesen Ort wieder zurückerobert. Gemeinsam mit den Gleisen entsteht hier langsam ein einzigartiger Landschaftsstreifen.

Von vergessenen Sommertagen im Freibad: Das Floriansmühlbad in Freimann

Wer genug von verrosteten Gleisen hat, findet einen etwas abwechslungsreicheren „Lost Place“ im Herzen vom Münchner Stadtteil Schwabing-Freimann. Hier befindet sich das alte Freibad Floriansmühle, auch als Floriansmühlbad bekannt. Wo früher Münchnerinnen und Münchner an heißen Tagen Erfrischung suchten, wird jetzt vom Baden im Garchinger Mühlbach abgeraten.

Hier kam man einst in eines der beliebtesten Freibäder Münchens. Das Floriansmühlbad hat seit 1988 geschlossen.

1932 öffnete das Freibad erstmals seine Türen. Hier trafen sich einst die Schwabinger Bürgerinnen und Bürger, drehten ihre Bahnen im Mühlbach, legten sich in die Sonne und holten sich ihr Eis beim Kiosk. 56 Jahre war das beliebte Schwimmbad in Betrieb, bevor es 1988 wieder schloss. Heute verdeckt ein Holzzaun den Blick auf das überwucherte Gelände.

Der Eingang zum Freibad hingegen ist noch gut erkennbar. Und ganz verschlossen ist er nicht: 2024 lud das Kulturzentrum „Mohr-Villa“ gemeinsam mit dem Stadtteilarchiv und einer Bürgerinitiative zuletzt zu einem Rundgang über die verlassene Anlage ein. Währenddessen plant der Stadtrat aus dem ehemaligen Freibad ein neues Wohnquartier zu errichten. Künftig soll man sich hier also wieder mit den Füßen im Wasser abkühlen können.

Im Schlaf verfallen: Das Dornröschenschloss in Laim

Eine imposante Villa im Stadtteil Laim scheint in einen 100-jährigen Schlaf zu fallen. Das Gebäude an der Neuburger Straße 8 hat eine lange Geschichte. Gebaut wurde es vom Klavierbauer Valentin Berdux, der 1898 ebenso die Klavierfabrik an der Landsberger Straße (heute als Steinway-Haus bekannt) errichtete. Jetzt nagt der Zahn der Zeit an der alten Stadtvilla: Das Dach droht einzustürzen, die Fenster haben eingeschlagene Scheiben und das Holz modert nur so vor sich hin.

Wunderschön, aber dringend sanierungsbedürftig: das Dornröschenschloss in Laim

Obwohl der Eigentümer der Villa schon 2017 ankündigte, die verfallene Villa zu sanieren, ist seither nicht viel passiert. Den Anwohnerinnen und Anwohner, die das Gebäude mit dem Spitznamen „Dornröschenschloss“ tauften, bereitet der Verfall schon seit langem Sorgen. Die Zukunft bleibt jedoch weiterhin ungewiss.

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