Zwei dreigeschossige Wohnblocks mit je zehn Wohnungen, die in der Wilhelm-Dusch-Straße im Badeteil entstehen sollen, haben in der Bauausschuss-Sitzung für klare Worte gesorgt.
Bad Tölz – Die Wohnblocks auf dem rund 2400 Quadratmeter großen Areal wurden 2015 und 2016 vom alten Stadtrat genehmigt. Nun lag eine Tektur vor, wonach die Tiefgaragen-Zufahrt und Besucherstellplätze verschoben werden sollen.
Der neue Bürgermeister Ingo Mehner nutzte diesen ersten Bauantrag in seiner Amtszeit zur einem Grundsatz-Statement. Es sei in den vergangenen Jahren am örtlichen Wohnraumbedarf vorbeientwickelt worden. Mehner sprach von „Fehlentwicklung“. „Wenn Grundstücke hochverdichtet werden, dann knirscht es an allen Ecken“. Er werde in den kommenden Jahren versuchen, die Handlungsspielräume der Stadt auszunützen, damit nicht mehr maximal verdichtet werde. „Darauf sollen sich künftige Bauwerber einstellen.“ Er hoffte, dass der Ausschuss ihm dabei folgen werde.
Der Kinderspielplatz ist zu klein
Stadtbaumeister Florian Ernst erläuterte dann in seinem Vortrag, warum der Tekturantrag nicht zu genehmigen sei. Es seien sechs Besucherparkplätze oberirdisch vorgeschrieben, drei sollten nun in die Tiefgarage verlegt werden. Das sei nicht hinzunehmen. Auch fehle einer der insgesamt 33 geforderten Stellplätze. Der Kinderspielplatz sei zu klein.
Doris Bigos (Grüne) hatte eingewandt, dass ein qualifizierter Freiflächenplan fehlt. Der sei doch vorgeschrieben. Das stimme, so Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Der Plan des Bauherrn, die Firma Keval, sei eher vage. Bei all den genannten Punkten muss der Bauträger nachbessern.
Nachbar hat gegen das Vorhaben geklagt
Martin Harrer (FWG) wollte wissen, ob die alte Genehmigung von 2016 überhaupt noch gilt. Das bejahte Fürstberger, doch viel Zeit habe „Keval“ nicht mehr. Die Genehmigung gelte vier Jahre. Man könne zwar verlängern. „Das geht aber nicht so einfach.“ Die von Filiz Cetin (SPD) angesprochenen fehlenden Nachbarunterschriften haben laut Mehner keinen Einfluss. Unterschriften bedeuteten im Grunde nur, dass auf den Klageweg gegen das Vorhaben verzichtet wird, erklärte der Jurist.
„Warum hat denn der Antrag so lange gedauert?“, hakte Karsten Bauer (CSU) nach. Es habe wohl ein Klageverfahren gegeben, über das man aber nichts Näheres wisse, sagte Fürstberger. Tatsächlich hatte ein Nachbar gegen das Vorhaben geklagt, weil er fürchtete, dass durch die Tiefgarage am Fuß eines kleinen Hangs die Grundwasserströme zum Nachteil der Anlieger (feuchte Keller) abgeleitet werden. Das Verwaltungsgericht hatte sich die Situation vor Ort angeschaut und gegen den Nachbarn entschieden. Der Mann will nicht genannt werden, erläuterte aber auf Nachfrage, dass er keinen – teuren – Gutachtenkrieg führen wolle. „Das Thema ist durch“ für ihn.
Wer hat den Tank auf dem Gelände entsorgt?
Ein anderer Nachbar hatte gegenüber dem Tölzer Kurier auf einen weiteren Missstand auf dem brach liegenden Gelände hingewiesen. Dort verrotte bestimmt schon mehr als ein Jahr ein oberirdisch gelagerter Öltank, ohne dass dies irgendeiner Behörde auffiel. Keval-Geschäftsführer Andreas Huber hat diesen Vorwurf auf Nachfrage überprüfen lassen und bestätigt. Das Unternehmen selbst sitzt in Grünwald und wusste laut Huber nichts von dem Tank. Tatsächlich habe dieser nichts mit dem Gelände und einer dort früher existierenden Karosserie-Werkstatt zu tun. Er sei von fremden Personen illegal dort entsorgt worden. Man habe Strafanzeige gestellt. Der Tank selbst sei inzwischen in Absprache mit dem Landratsamt fachgerecht entsorgt worden.
Huber wirbt trotz aller Kritik für das Wohnbauvorhaben. Es entstünden moderne Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen 51 und 103 Quadratmeter Fläche. Die Preis lägen zwischen 307 000 und 599 000 Euro. Der erste Bauabschnitt werde bereits über die Sparkasse verkauft.
Zum Gerichtsverfahren wollte sich Andreas Huber nicht groß äußern. Die Grundwasserproblematik sieht er aber als gelöst an, da das Wasser durch eine aufwendige Düker-Anlage unter der Tiefgarage durchgeleitet werde und so kein Anstau entstehe. Christoph Schnitzer
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