Ende 2020 stehen alte Ölheizungen vor dem Aus, ab 2026 sollen noch nicht einmal mehr neue eingebaut werden dürfen. So sieht es das Klimapaket der Bundesregierung vor. Das ist auch der Hintergrund für Baumaßnahmen, mit denen die Tölzer Stadtwerke derzeit ihre Nahwärme-Versorgung deutlich ausweiten. Eine Million Euro soll dabei heuer investiert werden.
Bad Tölz – Statt Individual-Heizungen werden dabei Häuser und Wohnblöcke an ein zentrales Blockheizkraftwerk angeschlossen. 850 Gebäude- und Wohneinheiten werden in Tölz bereits so klimafreundlich versorgt.
Zwei Großprojekte werden heuer angepackt. Die Bauarbeiten für Nummer eins in der Schlesier- und Sudetenstraße haben bereits begonnen. Ein Erdgas-Heizkraftwerk auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke beheizt bereits die Südschule und das Rehazentrum Isarwinkel mit Nahwärme. Früher hat man eher von „Fernwärme“ gesprochen. Nun wird an der Erweiterung in Richtung Süden gearbeitet, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Huber. Verlegt werden derzeit rund ein halber Kilometer Versorgungsleitungen, in denen im Winter rund 90 Grad, im Sommer nur 70 Grad heißes Wasser zu den Kunden geführt wird. Sechs neue Wohnblockanschlüsse („Pabst-Bauten“) kommen heuer zu den bestehenden sieben dazu, berichtet Huber. Man hoffe natürlich, dass weitere Privatanschlüsse folgen.
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Geplant sei in den kommenden Jahren, mit den Nahwärmeleitungen noch deutlich weiter in den Tölzer Süden vorzustoßen. Der Vorteil laut Huber: Der Kunde muss sich nicht mehr um seine Heizung, ihre Anschaffung und den Unterhalt kümmern. Er braucht auch keinen Kaminkehrer mehr. Das Warmwasser wird ins Haus geliefert. Und für Reparaturen am Blockheizkraftwerk sind die Stadtwerke zuständig. Dafür muss der Kunde freilich einen Grundpreis zum Arbeitspreis entrichten. Huber weist darauf hin, dass sich die Umstellung auf Nahwärme für viele Wohnblöcke trotzdem rechnet. „Sonst hätten sie es ja nicht getan.“ Wer neu baut, für den sei der Nahwärmeanschluss sowieso billiger, ergänzt Huber. „Der Bauherr spart sich nämlich die Heizungsinvestition und den Kamin.“
So soll das zum Beispiel bei einem großen Wohnbau-Projekt an der Wilhelm-Dusch-Straße im Badeteil sein, für das die Stadtwerke bis September einen Nahwärme-Anschluss vom Hackschnitzel-Kraftwerk am Hoheneck verlegen werden. Auch das werden mindestens ein halber Kilometer Leitungen sein.
Das ab 2013 als Gemeinschaftsprojekt mit Wackersberg entstandene Kraftwerk Hoheneck versorgt bereits rund 140 Wohneinheiten. Nun soll ein zweites BHKW auf einer zweiten Ebene errichtet werden und die Leistung (bisher 110 KW) deutlich gesteigert werden. Die Nachfrage nach Nahwärme, sagt Walter Huber, sei im Badeteil sehr groß. Vor allem Kliniken und Häuser mit medizinischem Hintergrund wollten das eher lästige Thema Heizen loswerden und interessierten sich für Nahwärmeversorgung. Huber: „Es geht fast jeden Tag ein Angebot hinaus.“
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Auch einen Blick in die Zukunft wagt der Stadtwerke-Chef. Er könne sich etwa vorstellen, dass auch das Zentrum des Badeteils ans Nahwärmenetz angeschlossen wird. Auch einen geeigneten Standort hat Huber ausgemacht. Er kann sich vorstellen, dass im bestehenden Heizhaus des Krankenhauses ein Kraftwerk mit Gasmotor entsteht. Das Heizhaus hätte dafür den nötigen Raum.
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Das ist ebenso noch Zukunftsmusik wie die Idee, das immer größer werdende Nahwärmenetz als Energiepuffer zu verwenden. Es gibt immer mehr Fotovoltaik-Anlagen. Die Überschussenergie der sonnenreichen Mittagszeiten könnte nach der Vorstellung Hubers ins Nahwärmenetz eingespeist und dort bis zum tatsächlichen Bedarf gespeichert werden. Das funktioniert laut Huber nach dem Tauchsieder-Prinzip (Stichwort: Power-to-heat). „Für Privatleute lohnt sich so eine Anlage nicht.
Von Christoph Schnitzer