VonMagnus Reitingerschließen
Ein dreistöckiger Stahlmodulbau soll für rund fünf Jahre die Nachmittagsbetreuung an Weilheims Ammerschule sicherstellen. 2024 will man das Interimsgebäude beziehen; die Stadt muss rund 2,5 Millionen Euro in diese Übergangslösung investieren.
Weilheim – Grundsätzlich hat der Stadtrat bereits im Juli beschlossen, ein Interimsgebäude für die – wie es hieß – „aus allen Nähten platzende“ Mittags- und Nachmittagsbetreuung der Grundschule an der Ammer zu errichten (wir berichteten). 800.000 Euro sollen dafür in den Stadt-Haushalt 2023 eingestellt werden. Doch insgesamt wird dieses Geld bei weitem nicht reichen, wie vergangenen Dienstag im Bauausschuss des Stadtrates deutlich wurde. Dieser hat diskutiert, welcher Art das Provisorium sein soll – und sich einstimmig für einen dreistöckigen „3 D-Stahlmodulbau“ direkt im Anschluss an die bestehende Mittagsbetreuung entschieden. Mit Aufstellung, Einrichtung und Miete für fünf Jahre kostet das die Stadt schätzungsweise 2,5 Millionen Euro. Staatliche Zuschüsse gibt es für Interimslösungen nicht.
2029 über 400 Schüler
Zwar käme ein Kauf der Module „nur“ rund 650.000 Euro teurer. Doch dann hätte die Stadt am Ende massive Beseitigungskosten. Und länger als fünf Jahre werde man das Provisorium nicht nutzen können, wie Stadtbauamts-Mitarbeiter Jens Kromer den Ausschussmitgliedern vorrechnete – weil laut aktuellen Schätzungen ab 2029 die Kapazität der gesamten Schule samt Interimsgebäude und Sporthalle nicht mehr ausreiche.
Derzeit zählt die Ammerschule 320 Schüler, 2029 werden es nach neuester Bevölkerungsprognose über 400 sein. Wächst Weilheims Einwohnerzahl jährlich um ca. 0,4 Prozent – was Gutachter für realistisch halten –, dann pendelt sich die Schülerzahl ab dem Jahr 2030 bei gut 420 ein. Spätestens dann wäre eine Komplett-Erweiterung der kürzlich erst generalsanierten Ammerschule nötig – oder eine dritte Grundschule in Weilheim.
Betreuungsquote bald bei 90 Prozent
Um den Mehrbedarf bis 2028 zu erfüllen, sind im nun beschlossenen Interimsgebäude auch zwei zusätzliche Klassenräume vorgesehen. Ansonsten geht es hier nur um die Mittags- und Nachmittagsbetreuung, die laut Kromer aktuell zu fast 40 Prozent überbelegt ist. Ab 2024 stünden mit dem Zusatzbau rund 300 Plätze für Ganztagsbetreuung zur Verfügung. Damit sei der Rechtsanspruch, den der Bund in den nächsten Jahren einführt, bis voraussichtlich Ende 2028 abzudecken.
Derzeit besuchen insgesamt rund 760 Kinder die Weilheimer Grundschulen. Etwa 470 von diesen werden auch nachmittags betreut, nämlich über 100 in der Ammerschule, an die 200 in der Hardtschule und gut 170 in Horten. Diese Betreuungsquote von 60 Prozent werde sich mit dem Rechtsanspruch auf rund 90 Prozent erhöhen, erklärte Kromer im Bauausschuss – und zwar vor allem direkt an den Schulen.
Schallschutz ist unverzichtbar
Für die Bauweise des Interimsgebäudes an der Ammerschule prüfte das Stadtbauamt vier Varianten: vom einfachen Container über Modulbauten in Stahl oder Holz bis hin zum soliden Holzrahmenbau. Die beiden Holzvarianten schieden im Bauausschuss wegen Mehrkosten von mindestens einer halben Million Euro aus. Ein Containerbau wäre zwar die klar billigste Option (mit ca. 1,9 Millionen Euro Kosten bei fünf Jahren Miete rund 600.000 Euro günstiger als ein „3 D-Stahlmodulbau“). Doch weil die Container nur elektrisch zu beheizen wären, kaum Schallschutz und Dämmung bieten, sortierte der Ausschuss auch diese Variante aus. Insbesondere auf Schallschutz könne man in einem Schulbau nicht verzichten, betonte Klaus Gast (CSU) als Schulreferent des Stadtrates.
An der dringenden Notwendigkeit des Provisoriums zweifelt kein Ausschussmitglied – aber auch nicht an den finanziellen Zwängen der Stadt. So bleibe nur die Variante „Stahlmodulbau“, meinte etwa Horst Martin (SPD). Das dreistöckige Gebäude, knapp 25 auf 14 Meter groß, wird wischen der jetzigen Mittagsbetreuung und der Lohgasse errichtet. Ein Baum muss dafür fallen und der Erdhügel abgetragen werden. Ab 2032 wird dieser Standort voraussichtlich für ein Schöpfwerk gebraucht, das im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen Angerbach zu bauen ist.
