3000 Fans sollen gekommen sein, um eine einzelne Frau auf einer riesigen Bühne zu sehen. Und das Publikum wurde von Martina Schwarzmann nicht enttäuscht. Lachen bis die Tränen kamen oder bis fast gekreischt wurde – das erreichte die ausgezeichnete Kabarettistin mit ihrer unvergleichlichen Art.
Benediktbeuern – Dabei erzählt sie „nur“ Geschichten aus dem Alltag. Vielleicht schätzen die Gäste gerade dies: ein unpolitisches Kabarettprogramm, das in diesem heißen Polit-Sommer entspannt. Dabei bringt Schwarzmann grundlegende gesellschaftspolitische Themen durchaus zur Sprache. Aber sie ist eben keine „Emanze“, sondern ein g’standenes Weibsbild.
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Das schätzte auch das männliche Publikum, das durchaus einstecken musste. „Muaß i Fenster putz’n, bloß weil i a Frau bin?“ Über diese Frage mussten auch Männer lachen, weil die Hinführung schon so lustig war. Die Frauen im Publikum brachte sie schier ins Rasen, als einmal mehr ihr Mann als Objekt des Spott herhalten musste. Der wollte, rücksichtsvoll, wie er ist, im Dunkeln durchs Schlafzimmer, um sie nicht durch Licht aufzuwecken und haute sich den Zeh schmerzhaft an. „Da zerbeiß i fast mei Kopfkissen“, sagte Schwarzmann – vor unterdrücktem Lachen natürlich. Bosheiten wie diese bügelt sie aber wieder glatt, indem sie sich selbst gnadenlos als chaotische Hausfrau und derbe Mutter darstellt. Da helfen auch Ratgeber übers Ordnunghalten vom ordnungsliebenden Gatten. Ihr Schreibtischchaos nennt sie „DIN A4-Düne“. Und dann muss er auch noch aushalten, dass alle sie als Fernsehstar für „soooo toll“ halten. Nein, leicht hat es die Familie nicht mit Martina Schwarzmann.
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Von Erziehungsratschlägen hält sie nichts. „Es hilft eh nur, was peinlich ist“, ist sie überzeugt. Und so feuert sie ihr hingebungsvoll in der Nase bohrendes Kind laut an: „Jaaa! Tiefer!“ Zu verantwortungsvollem Konsum erzieht sie, indem sie die „minderjährigen Mitbewohner“ die Wäsche selber aufhängen lässt. Klagen kontert sie mit beißendem Spott und tiefer Wahrheit: „Der, der des g’naht hod, war so oid wia Du.“
Diese Geschichten brauchen an sich keine überdimensionierte Bühne – es gab die Tage zuvor große Festivals im Maierhof (wir berichteten). Schwarzmann hätte mit ihrer Gitarre auf dem Barstuhl auch unter dem Baum in der Mitte des Hofes Platz nehmen können.
Auffallend war das Sicherheitsaufgebot rund um den Hof, mit Taschenkontrollen an den Eingangsschleusen. Die Kabarettistin hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie zwei Polizisten Sitzplätze ganz vorne anbot. „Sucht‘s ihr no‘ die Frau vom Flughafen?“, nahm sie die Sperrung des Münchner Airports vom selben Tag auf.
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Schwarzmann verbreitet die Atmosphäre eines Tratsches mit einer Freundin oder guten Bekannten, der alle gerne zuhören. Sie besitzt auch eine wunderbar kräftige Gesangstimme. Man darf sich also jetzt schon freuen, wenn sich Schwarzmann eines Tages den Wunsch einer eigenen Punkband erfüllt. Den Bandnamen hat sie schon. Als Namensgeber dienen die „Red hot chili peppers“, auf Bairisch: „Die heißen weißen Radi-Soiza“. Unvergesslich, wenn Schwarzmann im schwarzen Blümchenkleid, mit roter Strickjacke, schwarzer Strumpfhose und Schuhen ihren Punkerfantasien nachhängt.
Ihrem „Praktikanten“ lieh sie ihr großes Publikum für zehn Minuten: Kabarettist Stefan Kröll, laut Schwarzmann wie „der Keks zum Cappuccino“, unterhielt das Publikum ebenso kurzweilig und mit einem ähnlichen Programm wie der große Star. Am 21. Oktober tritt er erstmals im Tölzer Kurhaus auf.
Von Birgit Botzenhart