VonSascha Karowskischließen
Die Stadt will deutlicher Flagge zeigen gegen Antisemitismus. Unter anderem soll künftig sichtbar sein, wenn es einen jüdischen Feiertag gibt.
München - Anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar sind alle demokratischen Parteien des Münchner Stadtrats übereingekommen, die Initiative für eine entschiedenere Bekämpfung von Antisemitismus zu ergreifen. In gemeinsamen Anträgen schlagen sie eine Vielzahl von Maßnahmen vor, um jüdisches Leben in München präsenter zu machen, die Sensibilität für Antisemitismus zu erhöhen und entschieden gegen diesen vorzugehen. Dazu gehören die Thematisierung eines zentralen jüdischen Feiertags im öffentlichen Raum (z.B. Yom Kippur oder Chanukka) aber auch das Verankern aktueller und historischer Beiträge jüdischen Lebens zur Geschichte der Stadt durch Informationsangebote im Stadtbild.
Rathaus-Bündnis gegen Antisemitismus: Gedenkveranstaltung am Tag des Überfalls der Hamas geplant
Auch weitere und neue Bildungsangebote zum Thema Antisemitismus sollen durch Konzepte des Pädagogischen Instituts, der Münchner Volkshochschule, der Fachstelle für Demokratie und eine verstärkte Förderung der Janusz Korczak Akademie gestärkt werden. Außerdem beantragen die Fraktionen zum ersten Jahrestag des antisemitischen Massakers der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober eine Gedenkveranstaltung auszurichten und dabei auch jüdische Gemeinden, Verbände und Vereine einzubeziehen.
„Laut aktueller Studienlage stimmen 41 Prozent der Münchner ganz oder teilweise der Forderung zu, einen Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu ziehen“, sagt Grünen-Chefin Mona Fuchs. Diese Zahl sei alarmierend und ein politischer Handlungsauftrag!
Grünen-Chefin Mona Fuchs: „Wir wollen die Präsenz jüdischen Lebens in der Stadt stärken“
„Anlässlich des internationalen Holocaustgedenktages treten wir gemeinsam jedem Antisemitismus entschieden entgegen. Wir wollen die Präsenz jüdischen Lebens in der Stadt stärken und unser vielfältiges Bildungsangebot ausbauen.“ Denn erinnerungskulturelle Arbeit sei nur dann von Wert, wenn es gelinge, aktuelles, bestehendes jüdisches Leben zu schützen und präsent im Stadtalltag zu verankern.
„Die Stadt München leistet in enger Verbindung mit der jüdischen Gemeinde bereits seit Jahrzehnten aktive Erinnerungsarbeit“, sagt CSU-Chef Manuel Pretzl. „Umso sorgenvoller blicken wir auf die aktuellen Entwicklungen.“ Auf erschreckende Weise zeige sich eine neue Form des Antisemitismus in allen Teilen der Gesellschaft. „Nie wieder ist jetzt - diesen Satz mit Leben zu füllen, ist für uns historische und demokratische Pflicht.“
SPD-Chefin Anne Hübner: „Die jüdische Gemeinde ist integraler Bestandteil der Stadt“
Die jüdische Gemeinde sei integraler Bestandteil der Stadt, sagt SPD-Chefin Anne Hübner. Dessen sollten sich Juden sicher sein. „Und das wollen wir auch für alle Menschen in München sichtbar machen.“
Der Antisemitismus in München sei zu verurteilen, ergänzt ÖDP-Chef Tobias Ruff. „Wir setzen uns entschieden für eine offene und tolerante Gesellschaft ein, in der jeder unabhängig von seiner Herkunft oder Religion respektiert wird. In München stehen wir gemeinsam gegen jegliche Form von Hass und Diskriminierung.“
FDP-Chef Jörg Hoffmann: „Es ist es unsere Pflicht, das jüdische Leben in München sicher und sichtbar zu machen.“
FPD-Chef Jörg Hoffmann sagt, das Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023 in Israel habe zum Vorschein gebracht, wie weit verbreitet die antisemitischen Einstellungen in der Bevölkerung seien. „Und somit ist es unsere Pflicht, das jüdische Leben in München sicher und sichtbar zu machen.“
Die Förderung von Bildung als eins von vielen Mitteln gegen den besorgniserregenden Anstieg von offenem Antisemitismus sei sehr wichtig“, sagt Marie Burneleit, Fraktions-Vize Die Linke/Die Partei. „Wir wollen, dass München eine tolerante, vielfältige und sichere Stadt für alle Menschen bleibt.“
