Serie: Vom Rand ins Rampenlicht

Rathaus Geretsried: So sieht es heute im ehemaligen Museum aus

+
Früher und heute: Statt für die Sammlung des Heimatmuseums nutzt das Rathaus das Dachgeschoss für Ausweichbüros und als Lagerfläche.

Vom Rand ins Rampenlicht: Das Rathaus soll Mittelpunkt der „Neuen Mitte“ werden. Zeit, das denkmalgeschützte Gebäude inmitten der Großbaustelle am Karl-Lederer-Platz in einer Serie näher zu betrachten – seine Geschichte, seine Gegenwart und seine Zukunft. Heute: der lange Weg zum Museum.

Geretsried – Aus dem „Heimatmuseum“ ist vor fünf Jahren das „Museum der Stadt Geretsried“ geworden. Der Bestand zog 2013 aus dem Dachgeschoss des Rathauses an die Graslitzer Straße 1. Die Entfernung beträgt nur ein paar Schritte, doch der Weg der Umsetzung war ein weiter.

Heute erfreut sich das Museum der Stadt Geretsried großer Beliebtheit. In der modernen Ausstellung erfahren Besucher, wie die Stadt aus der Doppelschwaige Geretsried entstanden ist, was es mit den beiden Rüstungsbetrieben während der Nazi-Zeit auf sich hatte und wie die Heimatvertriebenen nach dem Krieg ihr Können und ihre Traditionen eingebracht haben.

Im damaligen Heimatmuseum im Rathaus „war der Besucherandrang nicht so groß“, sagt Anita Zwicknagl

Früher und heute: Statt für die Sammlung des Heimatmuseums nutzt das Rathaus das Dachgeschoss für Ausweichbüros und als Lagerfläche.

vom Kulturamt. Immer sonntags blieb von 10 bis 12 Uhr Zeit, die Sammlung der Landsmannschaften in den Abteilungen „Egerland“, „Heimatkreis Tachau“, „Schlesien“, „Donauschwaben“ und „Siebenbürgen“ zu betrachten. Die Mitglieder kümmerten sich selbst um die Exponate.

Eingezogen ins Rathaus war das Heimatmuseum im Jahr 1979. Neun Jahre zuvor hatte die Eghalanda Gmoi z’Geretsried das „Archiv und Museum Bayerischer Nordgau Egerland und Westböhmen“ in Nebenräumen des Feuerwehrhauses eröffnet. Erste Sammlungen führten Hans Hahn und Julius Schmidt durch.

Während der 34 Jahre unter dem Rathaus-Dach standen die Vitrinen mit Glas und Porzellan auf einem senfgelben Teppich. Die Tracht wurde auf Puppen präsentiert. „Wer mich besucht hat, hat sich erst einmal erschrocken“, erzählt Zwicknagl, die seit 1999 im Rathaus arbeitet. Damals befand sich ihr Büro am Ende des Museums, dort, wo heute ein heller Besprechungsraum eingerichtet ist. Um die Mittagszeit zog durchs Fenster Essensgeruch. „Damals hab ich immer gerochen, was es in den Ratsstuben zum Essen gibt“, sagt Zwicknagel lachend. Heute arbeitet sie im ersten Obergeschoss, dort teilt sie sich ein Büro mit Stadtjugendpflegerin Christina Metz.

Kurz nach ihrem Einstieg im Geretsrieder Rathaus machte sich Zwicknagl an die wissenschaftliche Neukonzeption des Museums. Bis es tatsächlich umzog, sollten weitere 13 Jahre ins Land gehen – die Pläne, die 2001 aus einem Architektenwettbewerb entstanden waren, wurden nie umgesetzt. Damals dachte man daran, ein neues Museum zu bauen – neben der Stadtbücherei, wo heute ein Kindergarten steht. Später wurde diskutiert, die Ausstellung in einen privaten Bunker zu verlagern, doch auch diese Möglichkeit kam nicht zur Ausführung. 2008 legte sich der Stadtrat schließlich fest: Im Gebäude an der Graslitzer Straße sollte das neue Museum entstehen. Das „Ingenieurshaus“ von 1938 diente einst als Verwaltungsgebäude von Polizei und Stadtwerken. Im Vorbau gab es einen Schneiderei-Verkaufsladen, später waren die Bücherei und schließlich das städtische Umweltamt darin untergebracht.

Museum der Stadt Geretsried wird erweitert: Das ist geplant

Am 4. Oktober 2013 eröffnet Bürgermeisterin Cornelia Irmer schließlich das neue Museum der Stadt Geretsried. Das Büro „Die Werft“ in München hatte die Gestaltung übernommen. Betreiber ist nicht die Stadt, sondern der Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum, der sich 1998 gegründet hatte. Anita Zwicknagl bezeichnet das Museum als Lernort, der wichtig sei, um für gesellschaftliche Strömungen zu sensibilisieren. „Es ist schlimm, wie uns die Geschichte immer wieder einholt“, sagt die Museumsfachkraft der Stadt.

Für das Dachgeschoss im Rathaus begann mit der Eröffnung des Museums eine Zeit als Lagerfläche. Inzwischen gehört der gelbe Teppich der Vergangenheit an. „Als wir zusätzliche Besprechungsräume gebraucht haben, kam hier relativ schnell und günstig ein neuer Bodenbelag rein“, erklärt Geschäftsleiterin Ute Raach. Nun bietet das Dachgeschoss auch Ausweichbüros, für den Fall, dass Mitarbeiter dem Baustellenlärm vom Karl-Lederer-Platz entkommen wollen. „Ein weiterer Ausbau wäre praktisch, muss aber baurechtlich geklärt werden“, sagt Raach mit Blick in die Zukunft.

sw

Zuletzt durften wir für die Serie „Vom Rand ins Rampenlicht“ an einen gut gesicherten Ort: „Hinter Panzerglas und elektronischem Schloss: Ein Besuch in der Stadtkasse

Kommentare