Die Gemeinde Reichersbeuern tritt bei der Standortsuche für einen Mobilfunkmast auf der Stelle. Die Kommune schlägt der Telekom nun erneut den Standort Walmbichl vor, nachdem sich beim Kirchberg massiver Protest abzeichnet.
Reichersbeuern – Viele Reichersbeurer Bürger sind wegen der Strahlungsbelastung besorgt, die von einem Funkmast am Kirchberg ausgehen könnte. Außerdem verschandle der geplante Mast das von dem Hügel geprägte Dorfbild, so die Gegner. Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung hatten 500 Reichersbeurer ihre Unterschrift für ein Bürgerbegehren abgegeben.
Am Donnerstagabend wurde in der gutbesuchten Gemeinderatssitzung im „Altwirt“-Saal das von der Gemeinde beauftragte Immissionsgutachten vorgestellt. Zu Beginn gab Bürgermeister Ernst Dieckmann aber einen kurzen Rückblick.
Mit Nachdruck wies er darauf hin, dass nicht die Gemeinde einen Funkmast am Kirchberg errichten will, sondern die Telekom. Diese sei aufgrund gesetzlicher Vorgaben verpflichtet, die Gemeinde zu beteiligen. Erst danach könne die Telekom selbst auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück gehen. Die Gemeinde habe ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und einen Bereich im Osten des Dorfs am Walmbichl angeboten. Der sei aber von der Telekom abgelehnt worden. Sie bevorzugt einen Standort am Kirchberg. Die Gemeinde habe daraufhin einen Standort ebenfalls am Kirchberg, aber weiter östlich in die Nähe der alten Wasserreserve, in Erwägung gezogen und mit einer Hebebühne die Wirkung des 15 Meter hohen Turms auf das Ortsbild simuliert. Gegen diesen Standort, den die Telekom akzeptiert, liefen rund 200 Bürger bei einer Unterschriftenaktion Sturm.
Der Gemeinderat ließ von der Firma Müller BBM den Standort untersuchen und hat ein Gutachten beim Münchner Ingenieurbüro für Funktechnikanalyse in Auftrag gegeben. „Der Gemeinderat wollte zu keiner Zeit etwas durchdrücken“, sagte Dieckmann. Er habe sich vielmehr um eine Lösung bemüht, die die Bürger so gering wie möglich belaste.
Sieben mögliche Standorte hat Diplomingenieur Hans Ulrich vom Unternehmen „funktechanalyse.de“ untersucht. Alle bleiben laut Ulrich von der Strahlenbelastung her deutlich unter dem deutschen Grenzwert von 40 Volt pro Meter (V/m).
„Reichersbeuern hat eine komplizierte Topografie“, sagte Ulrich. Ein Standort an der B 472 benötige einen 60 Meter hohen Sendeturm, um die Verschattungen auszugleichen. Der Standort Walmbichl könnte in Verbindung mit dem geplanten Funkmast an der Greilinger Wasserreserve vor allem im Frequenzbereich der Flächenversorgung und auch hinsichtlich der Breitbandversorgung ein Grundangebot sein, mit dem größere Bereiche Reichersbeuerns versorgt werden können.
Bei den Standorten am Kranzer nördlich der Bahnlinie und und einem Funkmast im Bereich des Mesnerstadels seien allerdings deutliche Einschränkungen in bestimmten Ortsbereichen zu erwarten. Vom Standort am Kirchberg könne der Ortskern gut abgedeckt werden. Die detaillierten Ergebnisse können laut Dieckmann auf der Homepage der Gemeinde im Bürgerinformationssystem nachgelesen werden.
Telekom beharrt auf den Standort Kirchberg
Für die Telekom kommt, wie aus einem Schreiben hervorgeht, nur der Standort Kirchberg Frage. Versorgungsziel sei die B 472 und der Ort Reichersbeuern. Der Standort Walmbichl falle gegenüber dem Kirchberg deutlich ab, machte Ulrich auf die Frage von Bürgermeister-Stellvertreter Andreas Melf deutlich. Der Standort am Kranzer nördlich der Bahnlinie sei auf längere Sicht nicht ausreichend.
In der Diskussion machten die Bürger reichlich Gebrauch von der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Besonders gesundheitliche Bedenken gerade was Kinder und Tiere anbelange, bewegten die Bürger. „Wir sind die Versuchskaninchen“, befürchtet ein Versammlungsteilnehmer.
Sorge bereitete auch die neue 5G-Technik, die mit „Stoßwellen“ arbeite und viele kleine Sender brauche. Konstantin Schlüter sorgte sich über eine erhöhte Strahlenbelastung, wenn zusätzliche Anbieter den Mast nutzen wollen. Auch die Sinnhaftigkeit des Mobilfunk-Ausbaus wurde hinterfragt.
„Es ist schwierig, eine Lösung zu finden“, sagte Dieckmann zum Schluss der Debatte, die sich bis nach 23 Uhr hinzog. Wenn die Gemeinde keinen Kompromiss mit der Telekom erziele und das Unternehmen selbst auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück gehe, müsse damit gerechnet werden, dass der Mast an einen Standort komme, den keiner gewollt habe. „Irgendwann brauchen die uns nicht mehr.“
In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen „funktechanalyse.de“ soll versucht werden, noch einmal ein klärendes Gespräch mit der Telekom zu führen und dabei den Standort Walmbichl vorzuschlagen. Falls der Kontakt negativ verlaufen sollte, werde das Bürgerbegehren laut Dieckmann auf seine Zulässigkeit geprüft. Sollte dies zutreffen, so führt das zu einem Bürgerentscheid.
Günter Platschek
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