Abschlussfeier

Max-Rill-Gymnasium: Alle bestehen auf Anhieb

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Der erfolgreiche Abiturjahrgang 2018 des Reichersbeurer Max-Rill-Gymnasiums: (vo. v. li.) Sophia Sigl, Franziska Geiger, Marie-Louise Kroha, Diana Popp, Carolin Melz und Luisa von Festenberg sowie (hi. v. li.) Chris Wolf, Elias Bosch, Yusong Li, Lenny Markwort, Delun Xu, Tobias Lützel und Shijiao Gao.

„Fleiß kann mitunter auch Talent schlagen“, betonte Schulleiterin Carmen Mendez am Samstagvormittag, als sie 13 frischgebackene Abiturienten vom Reichersbeurer Max-Rill-Gymnasium verabschiedete.

Reichersbeuern –  Dabei hob sie besonders die „grandiose Leistung“ von vier Schülern hervor, die einen „nichtdeutschen sprachlichen Hintergrund“ haben – drei Chinesen und eine gebürtige Polin. Insgesamt erreichten die Reichersbeurer Absolventen einen Notendurchschnitt von 2,9.

Die Schulleiterin maß diesem Aspekt keine besondere Bedeutung zu: „Der Notendurchschnitt ist nur bedingt aussagefähig, vor allem bei so einer kleinen Zahl an Probanden, weil hier nicht danach gefragt wird, unter welchen Bedingungen dieser zustande kommt.“

Im Mittelpunkt der Abschlussrede stand dabei die Geschichte des Max-Rill-Gymnasiums, das heuer sein 80-jähriges Bestehen feiern kann. Bis sich Anfang des zurückliegenden Jahrhunderts die allgemeine Schulpflicht in Deutschland durchsetzte, sei Bildung ein Privileg der besser situierten Stände und des Klerus gewesen: „Erst 1919 wurde in der Weimarer Verfassung erstmals die Schulpflicht für ganz Deutschland gesetzt – das ist keine 100 Jahre her.“ 

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Im Geist der Reform-Pädagogik, deren Grundsätzen sich auch die Lehrer der Reichersbeurer Schule verpflichtet fühlen, entstanden die Landerziehungsheime wie die Montessori- und Walddorf-Schulen. Max Rill eröffnete dann 1936 zusammen mit seiner Gattin Gustl das Landschulheim in Ambach am Starnberger See. 1938 zog es ihn zusammen mit inzwischen 45 Schülerinnen ins Schloss Reichersbeuern, das ihm damals von Heinz von Sigriz überlassen wurde.

 In der Folge erlebte die Max-Rill-Schule viele Höhen und Krisen. Die letzte ausgelöst durch den Skandal an der Odenwald-Schule wegen sexueller Übergriffe. Im Zeichen dieser Existenzkrise zwischen 2011 und 2014 trat auch die Reichersbeurer Einrichtung aus der Vereinigung der Deutschen Landerziehungsheime aus. „Heute ist die positive uneingeschränkte Zuwendung zum Kind innerhalb einer sozial und integrativ agierenden Gemeinschaft der Kern unserer Erziehung und Bildung“, führte Carmen Mendez aus. „Wir sind keine Eliteschule“, konstatierte die Schulleiterin: „Wir wollen keine sozial ausgelesenen Kinder, sondern eine bunte Mischung aus Kindern aller Schichten und vieler Kulturen.“

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Diesen Faden nahm auch der Elternvertreter Dr. Christof Bosch in seinen Abschiedsworten auf. Das frühere Landschulheim sei Vergangenheit. Auch die Reformpädagogik beschreite neue Wege: „Integrativ und inklusiv statt exklusiv. Das sind die entscheidenden neuen Aspekte für die Zukunft der Max-Rill-Schule.“ Mit einem „großen Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass unsere Kinder heute das Abi-Zeugnis in Händen halten können“, schloss der scheidende Elternbeirats-Vorsitzende, der drei Kinder an der Reichersbeurer Schule hatte, seine Rede. Und die Schulleiterin fügte an: „Es freut mich besonders, dass alle 13 auf Anhieb bestanden haben. Übernehmt nun Verantwortung in der Welt und bringt euch in die Gesellschaft ein.“

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