Einweihung

Reichersbeurer Max-Rill-Schule hat jetzt ein eigenes Museum

+
Eröffneten das Max-Rill-Schulmuseum (v. li.): Seminarleiter Benjamin Henninger, Zhuoyun Han, Nicolai Culino, Tianyi Xie, Mingyi Zhou und Schulleiterin Carmen Mendez.

Eine Besonderheit der Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen des Reichersbeurer Max-Rill-Gymnasiums war die Eröffnung des Schulmuseums.

Reichersbeuern  Einen kleinen Raum links im Durchgang des Eingangstors verwandelten Gymnasiasten in ihrem Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung der Oberstufe in einen kleinen, aber sehr interessanten Geschichtsraum. Zur Eröffnung drängten sich dort die Gäste.

Vier Vertreter des P-Seminars stellten mit Geschichtslehrer Benjamin Henninger ihre Arbeit vor. Sie hatten sich auf die Quellen aus dem Schularchiv beschränkt, darunter Zeichnungen, Schularbeiten, ehemalige Unterrichtsinstrumente wie Mikroskope und eine alte Waage. Am Eingang links hängt eine Zeichnung der geschnitzten Eule auf einem Holzpfosten, das Wahrzeichen der Schule. „Die Skulptur existiert leider nicht mehr“, erklärte Henninger. Im Innern steht eine alte, Schulbank – nicht original, nur zur Anschauung, schränkte der Lehrer ein.

Lesen Sie auch: Max-Rill-Schule: Wie war das in den Zeiten der Tyrannei?

Die anderen Exponate liegen zum Nachlesen aus, darunter drei gerahmte Tafeln hinter Glas, auf denen die Schüler Texte zu einzelnen Themen zusammenstellten. Eine behandelt Max Rill als Schulleiter. Vieles sei auf ihn bezogen, so Henninger. Die Seminarteilnehmerin Zhuoyun Han aus China zeigte eine Mathematikschulaufgabe mit Gerade, Parabel und Kurve, deren gemeinsamer Schnittpunkt mit Max Rills Initialen festgelegt war. Auf einer angefertigten Grafik führten Linien in jene Länder, aus denen Schüler nach Reichersbeuern kamen. Auf einer kleinen Weltkarte war das Gymnasium mit fast allen Kontinenten verbunden. „Das zeigt die internationale Ausrichtung der Schule“, ergänzte Han in flüssigem Deutsch. Sie besucht seit drei Jahren das Internat. Die Schüler setzten natürlich auch moderne Medien ein: Die insgesamt drei Chinesen und ihre deutschen Mitschüler führten Gespräche mit Ehemaligen. Diese Interviews sind auf iPads zu sehen, die auf einem Tisch liegen.

Lesen Sie auch: Max-Rill-Gymnasium: Alle bestehen auf Anhieb

Die Museumseröffnung besuchten weitere Ehemalige. Ute Harms vom Tegernsee erinnerte sich, dass der Ausstellungsraum die ehemalige Poststelle war. „Beim Mittagessen wurde immer ausgerufen, wer Post bekommen hatte, und dann kam man hierher und holte sich Briefe oder Päckchen ab“, berichtet die Seniorin, die von 1948 bis 1953 im Internat wohnte.

Eine weitere Besucherin, Marianne Kunisch, war von 1952 bis 1959 Internatsschülerin. Sie kannte noch ein Internatszimmer mit zwölf Bewohnern. Heute teilten sich zwei Schüler ein Zimmer, schob Henninger ein, der auch Internatsmentor ist. „Wir durften nach dem Mittagessen nicht in die Zimmer“, erinnerte sich Kunisch, wohl um die akkurat hergerichteten Betten nicht in Unordnung zu bringen. Zu ihrer Zeit seien bis zu 140 Schüler im Schloss gewesen. Kunischs Vater, Alfred Rohde, nach dem auch ein Wohngebäude benannt ist, half Max Rill, Kredite zu akquirieren, um dem Internat in die Moderne zu verhelfen und kleinere Wohneinheiten zu schaffen.

Lesen Sie auch: Ehrung für Tölzer: Er trägt das Thema Lebensrettung in den Unterricht

Heute gibt die Internetseite Einblick in die Internatsordnung. Im Museum ist der Tagesablauf von 1938 zu finden. „Das war natürlich viel restriktiver als heute“, erklärte Henninger kurz, „da gab es ein einfaches Abmelden überhaupt nicht.“ Ein dicker Band, der ausliegt, stellt eine Art Internatstagebuch dar. In sauberer Handschrift sind seit 1955 Einträge über den Alltag verzeichnet. „Aber die ersten Seiten sind herausgetrennt. Der letzte Eintrag stammt von 2013“, erklärte Henninger. Die Ausstellung bleibt dauerhaft. Künftige Schülergenerationen sind aufgerufen, das Archiv und andere Quellen zu erforschen, die noch lange nicht erschöpft sind.  bib

Kommentare