VonAndreas Steppanschließen
Im wichtigen Berufsfeld der Pflege steht ein grundlegender Wandel bevor: Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger werden nicht mehr wie bisher getrennt ausgebildet.
Bad Tölz – Für alle gibt es ab diesem Jahr eine gemeinsame „generalistische Pflegeausbildung“. Eine Herausforderung stellt die Umstellung für die einzige Krankenpflegeschule im Landkreis dar, das „Asklepios Bildungszentrum für Gesundheitsberufe“ an der Tölzer Stadtklinik. Deren Leiterin Christine Zürr sieht die Einrichtung jedoch gut gewappnet.
Diskutiert wurde über die Reform der Pflegeausbildung schon länger – umgesetzt werden muss sie nun relativ zügig. Geregelt ist sie im „Gesetz zur Reform der Pflegeberufe“, wie Christine Zürr erläutert. Die genauen Details zur Ausbildung habe das Ministerium im November 2019 übermittelt. Am 1. September nun werden in Bad Tölz die ersten Absolventen in die Ausbildung als Pflegefachfrau/-mann starten.
„Die Auszubildenden lernen zwei Jahre lang gemeinsam und legen einen Schwerpunkt für die praktische Ausbildung fest“, erläutert Christine Zürr. „Im dritten Jahr können sie eine Spezialisierung im Bereich der Kinder- oder Altenpflege wählen. Alle anderen setzen ihre Ausbildung generalistisch fort.“ In Bad Tölz werde die generalistische Ausbildung angeboten.
Zum Lehrplan gehören laut Zürr Inhalte rund um das Thema Pflege sowie Anatomie, Psychologie, Recht und Krankheitslehre. Zudem würden die Auszubildenden bereits nach einem Monat zur praktischen Ausbildung in verschiedenen Bereichen der Asklepios-Stadtklinik eingesetzt. „Dazu zählen auch die Notaufnahme, der OP-Bereich und die Intensivstation“, so Zürr. Zudem gebe es Einsätze in kooperierenden Einrichtungen, darunter andere Kliniken und Fachkrankenhäuser im Umland, ambulante Pflegedienste und örtliche Pflegeheime. Christine Zürr ist überzeugt: „Kaum ein Beruf bietet so viele abwechslungsreiche Tätigkeitsbereiche.“
Um die Reform der Pflegeausbildung umzusetzen, steht das Tölzer Bildungszentrum nun vor einigen organisatorischen Aufgaben, etwa der Integration weiterer Inhalte in den Lehrplan oder die Überarbeitung von Kooperationsverträgen.
Der Bewerbungsprozess für die Ausbildungsplätze sei „in vollem Gange“. Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung sei die Mittlere Reife oder ein gleichwertiger beziehungsweise höherwertiger Schulabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung in der Kranken- oder Altenpflegehilfe. Die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer bietet Asklepios übrigens unabhängig davon weiter an.
Insgesamt bewertet die Schulleiterin den Umbau der Pflegeausbildung positiv. „Sie wertet das Berufsbild auf, und die Einsatzmöglichkeiten werden vielfältiger.“ Zürr ist überzeugt: „Durch die Zusammenführung der Bereiche Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden positive Synergieeffekte entstehen, die die Ausbildung insgesamt bereichern.“
Darauf hofft auch Bettina Emmrich, die Leiterin des Tölzer Pflegeheims Josefistift Nach anfänglicher Skepsis habe sie sich mit der Idee der Ausbildungsreform „angefreundet“, sagt sie. Wie die neuen Abläufe sich in den einzelnen Einrichtungen einspielen, das sei abzuwarten. Gesamtgesellschaftlich aber sieht Emmrich in der Reform, „eine große Chance, dass sich in der Pflege etwas ändert“.
Als spannend sieht es die Heimleiterin vor allem an, dass sich die Nachwuchskräfte verschiedener Bereiche annähern. So bekämen etwa Personen, die sich eigentlich für einen Job im Krankenhaus interessierten, nun auch Einblicke in den Alltag in einem Pflegeheim. Das könne Berührungsängste abbauen, und der ein oder andere erwärme sich vielleicht für die Altenpflege. „Sehr gut“ findet es Emmrich zudem, dass künftig zum Beispiel auch Kinderärzte, Krippen oder Beratungsstellen Plätze für praktische Ausbildungsstationen anbieten können.
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Das Josefistift selbst arbeitet übrigens mit der Altenpflegeschule in Miesbach zusammen – die künftig ebenfalls eine allgemeine Pflegeschule sein wird. Mit dem Tölzer Bildungszentrum laufen laut Emmrich aber Gespräche, ob Azubis des Josefistifts dort künftig einen Platz für Externe einnehmen können. Auch der kürzere Schulweg könne die Ausbildung für einige Bewerber attraktiver machen.
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