Tölzer Moraltpark

Trucker-Treffen in Bad Tölz:  „Fahren Sie mal mit den Fingern über den Lack“

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Vor allem (aber nicht nur) nach Einbruch der Dämmerung war der Anblick der Zugmaschinen beeindruckend.
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200 Zugmaschinen gab es beim Trucker-Treffen im Tölzer Moraltpark zu bestaunen. Das Interesse war wieder groß.

Bad Tölz – Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, wenn 200 Trucks auf den Tölzer Moraltpark rollen und dicht gedrängt nebeneinander stehen. Noch eindrucksvoller wird es, wenn die Nacht hereinbricht. Motoren knattern, Scheinwerfer und Zierleuchten gehen an. Die Fahrerkabinen verwandeln sich in Discos im Miniaturformat. In manchen blinkt es abwechselnd Grün, Blau und Rot. Orangefarbene Warnleuchten erstrahlen, aus den Lautsprechern mancher Lastwagen wummert Techno-Musik, aus anderen Countrysound. Es ist ein Schauspiel, neben dem das Oktoberfest fast wie eine farblose Veranstaltung wirkt.

Viertes Trucker-Treffen in Bad Tölz: Die Bilder

200 zum Teil aufwändig gestaltete Trucks hatten beim Oberland-Trucker-Treffen am Samstag und Sonntag im Tölzer Moraltpark das Gschau.
1fbefe80-b07c-45c9-a88f-4976422d3260.jpg © Patrick Staar

Auch in diesem Jahr lockte das Spektakel die Besucher in Scharen an. Organisatorin Steffi Hörmann schätzt die Gästezahl allein am Samstag auf 2000. „Das ist sehr, sehr gut. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute kommen.“ Das Tölzer Trucker-Treffen hat sich einen Namen gemacht, was Hörmann allein schon bei den Anmeldezahlen spürte. An die 600 Brummi-Fahrer versuchten, einen Platz auf dem Gelände im Moraltpark zu bekommen, 400 von ihnen musste die Organisatorin eine Absage erteilen: „Wir haben den Platz genau vermessen. Mehr als 200 Trucks passen beim besten Willen nicht drauf.“ Hörmann versucht durchzumischen, sodass alle Truckerfahrer mal die Chance haben, nach Tölz zu kommen. Trotzdem habe es etliche Härtefälle gegeben: „Einigen habe ich absagen müssen, obwohl ich sie noch nie aufnehmen konnte.“

Die ganze Firmengeschichte auf einem Truck

Zu den Glückspilzen, die einen Platz ergattert haben, gehörte Stefan Vögel vom gleichnamigen Transportunternehmen aus Vorarlberg. Wenn der Österreicher ins Erzählen kommt, glänzen seine Augen fast so wie der Lack seiner in Airbrush-Technik verzierten Zugmaschine. „Fahren sie mal mit den Fingern über den Lack“, sagt der 33-Jährige. „er fühlt sich ganz gleichmäßig an, obwohl da verschiedenfarbige Streifen drauf sind.“ Wenn die Sonne scheint, verändere er seine Farbe und werde plötzlich viel heller. Auf der Zugmaschine ist die ganze Firmengeschichte abgebildet. Auf der einen Seite der erste Lkw, auf der Heckplatte die Flaggen der Nationen, in der die Firma Niederlassungen hat. Etwas weiter oben auf der Heckwand ist das Firmengebäude samt Fuhrpark zu sehen: „Natürlich passt man auf solch ein Fahrzeug besonders auf“, sagt Vögel. Im Grunde benutze er es nur noch, um zu Ausstellungen und Trucker-Treffen zu fahren. Anfangs sei er auf bis zu 15 Veranstaltungen pro Jahr gewesen, jetzt belässt er es bei acht. „Es macht Spaß, und man trifft immer nette Leute.“

Eindeutig im Bereich Kunstwerk ist auch die Zugmaschine des Münchners Alexander Weiß angesiedelt, der für das pfälzische Unternehmen Dinges Logistics unterwegs ist. Seinen Lastwagen ziert eine Berglandschaft, vor der ein Wikinger mit Hörnerhut und Schild steht. 110 Sattelzugmaschinen sind für das Transportunternehmen unterwegs, 65 haben das Wikinger-Design. „Unser Chef ist auf die Idee gekommen, weil wir sehr viel in Skandinavien unterwegs sind“, sagt Weiß. An seinem 50. Geburtstag habe ihm sein Chef mitgeteilt, dass er nun mit einem Wikinger-Lastwagen fahren darf: „Ich empfinde das als Auszeichnung. So was schaut einfach besser aus als ein Lastwagen von der Stange.“

Lkw zehn Kilometer verfolgt für ein Foto

Mit seinem Fahrzeug hatte er schon viele amüsante Erlebnisse: „Ein Kerl ist mal zehn Kilometer hinter mir her gefahren. Ich habe mich gefragt, was will der Depp von mir?“ Schließlich habe Weiß beschlossen, auf einen Parkplatz zu fahren. Da sei der Mann aus seinem Auto gesprungen und auf ihn zugerannt: „Und dann hat er mich gefragt, ob er von mir und meinem Lastwagen ein Foto machen darf.“

Zum sechsten Mal besucht Weiß in diesem Jahr ein Trucker-Treffen: „Das in Tölz ist eine geile Institution mit einem guten Publikum und hochwertigen Fahrzeugen.“ Es sei gut für die Stadt, wenn sie auch noch etwas anderes bieten kann als Kur. Trucker-Treffen könnten auch dazu dienen, neue Fahrer zu gewinnen. Man dürfe den Beruf aber nicht idealisieren. Fast jede Firma sei auf der Suche nach geeigneten Kräften: „Viele bewerben sich, weil sie ein buntes Auto fahren wollen. Aber sie checken nicht, dass man auch arbeiten muss.“ Hinzu komme, dass es nur wenige Unternehmen gebe, die ihre Mitarbeiter gut bezahlen und wertschätzen. Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass man sieben Tage die Woche 24 Stunden lang unterwegs ist und seine Familie nicht sieht. Sein zwölfjähriger Sohn wolle jedenfalls keinesfalls Truckerfahrer werden, sagt Weiß: „Er hat mir gesagt, dass er Programmierer werden will. Als Programmierer kann man zu Hause arbeiten und hat mehr Zeit für die Familie.“

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