Kurvt der Bedarfsbus Hoki bald auch durch Nachbargemeinden? Der Otterfinger Gemeinderat machte seinerseits nun den Weg frei – muss aber auf grünes Licht aus dem Landkreis warten.
Otterfing – In Holzkirchen scheint der Rufbus Hoki eine Erfolgsgeschichte zu sein: Aktuell meldet das Rathaus die stolze Zahl von 34 571 Personen, die seit dem Start im Herbst 2022 über das On-demand-System befördert wurden. Die Nachbargemeinden überlegen, den Hoki auch bei sich einzuführen. Der Otterfinger Gemeinderat hat sich nun konkret mit der Erweiterung befasst.
Der Hoki kann spontan oder bis zu sieben Tage im Voraus per App oder Telefon geordert werden. Er bedient ein dichtes Netz aus virtuellen Haltestellen in allen Holzkirchner Ortsteilen. Er ersetzt seit September 2022 die meisten der ehemaligen Ortsbuslinien, die kaum genutzt wurden.
Gut 41 000 Euro pro Jahr werde die Gemeinde aufbringen müssen, wenn der Hoki auch ihr Gebiet bedient, rechnete Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) im Otterfinger Gemeinderat vor. Die Zahlen beruhten auf Schätzungen, viele Faktoren seien noch unsicher. Enthalten seien auch Zuschüsse, etwa vom Freistaat. Es gebe Förderprogramme, die das Betriebsdefizit ausgleichen, und auch Zuweisungen für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), die jeder ÖPNV-Träger beantragen könne, erläutert Eva-Maria Schmitz, Leiterin der Holzkirchner Standortförderung und Organisatorin des Hoki in der Marktgemeinde, auf Nachfrage.
Dass die Gemeinde bei Zuschussanträgen leer ausgehen oder die Kosten gut doppel so hoch ausfallen könnten wie angesetzt, hielt Falkenhahn für ein unwahrscheinliches Szenario. Für unrealistisch hielt er auch die Schätzung, wonach nur 15 Prozent der Otterfinger Fahrten nach Holzkirchen gehen könnten. „Ich glaube, es sind mehr. Bestimmt haben wir einen Schwerpunkt Richtung Holzkirchen.“
Erlaubnis des Landkreises ist Voraussetzung
Doch ehe Passagiere von Wettlkam zum Holzkirchner Bahnhof – oder gar nach Warngau oder Valley – fahren können, bedarf es weiterer Schritte. Entscheidend für die Einführung ist der Landkreis Miesbach als eigentlicher Träger des ÖPNV, wurde im Gemeinderat deutlich. Der Landkreis müsste zunächst die Erlaubnis geben, dass Otterfing interkommunalen ÖPNV betreiben und Fahrten über die Gemeindegrenze hinaus anbieten darf. Weil der Hoki bereits in der Nachbargemeinde aktiv ist, würde die Trägerschaft für den Otterfinger Bedarfsverkehr in einem zweiten Schritt an den Markt Holzkirchen übergeben. Falkenhahn gab sich zuversichtlich, dass man auf Landkreisebene aufgeschlossen sein sollte: „Die suchen doch händeringend nach Lösungen für den ÖPNV.“
Sind alle Genehmigungen da, könnte es schnell gehen, erläuterte der Otterfinger Rathauschef. Er schätzte, dass der Hoki Anfang 2024 durch Otterfing rollen könnte. Dies begrüßte etwa Max Ruf (Grüne). Er sprach von einem „absolut modernen Projekt“, mit dem die Verkehrswende unterstützt werde. Hubert Baldauf (Grüne) hob den Nutzen für Kinder hervor, deren Eltern nicht mehr so viele Fahrten machen müssten. Einstimmig entschieden die Gemeinderäte, das On-demand-System des Hoki auch in Otterfing einzuführen. Dem Bürgermeister erteilte das Gremium den Auftrag, mit dem Markt Holzkirchen und dem Landkreis Miesbach über Organisation und Kosten zu verhandeln.
Weniger begeistert vom Hoki zeigen sich die örtlichen Taxiunternehmen, die den Bedarfsbus als starke Konkurrenz kritisieren. Man sei offen für Kooperation, betont Schmitz. So könnten auch Taxibetreiber für den Hoki fahren. Es entgehe vielleicht die lukrative Fahrt zum Flughafen, dafür gäbe es gesicherte Einnahmen durch feste Stundensätze. Zudem ist eine Integration des Hoki in den MVV angedacht, dem der Landkreis bekanntlich zum Dezember beitritt. Damit wären durchgängige Fahrten in einem Tarif oder mit Zeitkarte möglich. „Wir sind weiterhin sehr interessiert an der Integration in den MVV und führen aktuell einen regen Austausch dazu“, erklärt Schmitz.
Andreas Wolkenstein