VonMagnus Reitingerschließen
Wenig Hoffnung für Anwohner, die vom Lärm und Dreck der Krähen in der Stadt geplagt sind: Die Vergrämungsversuche bleiben auch 2024 im bekannten Rahmen. Warum das so ist, das will das Rathaus künftig „gezielt“ erklären.
Weilheim – Seit 2008 sind im Weilheimer Stadtgebiet Saatkrähenkolonien dokumentiert. Weil die Geräusche und die Ausscheidungen dieser streng geschützten Vögel viele Anwohner stören, führt die Stadt seit 2021 mit Genehmigung der Regierung von Oberbayern Vergrämungsmaßnahmen durch. Zugleich hat eine Fachkommission – der neben Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Regierung auch Vertreter des Landratsamtes, des Landesbundes für Vogelschutz, des Landesjagdverbandes und des Bauernverbandes angehören – drei Tabubereiche definiert, die als Brut- und Rückzugsorte für die Krähen geschützt bleiben: die Au, den Friedhof und die Grünfläche am Maibaum.
Bisherige Maßnahmen hatten „unterschiedlichen Erfolg“
In anderen Stadtgebieten, insbesondere in Wohngebieten, sind gezielte Vergrämungsversuche erlaubt, etwa mit akustischen Geräten wie den „Birdgards“. Auch vergangenes Frühjahr kamen diese zum Einsatz – mit „unterschiedlichem“ Erfolg, wie es nun im städtischen Bauausschuss hieß: „Während man im Paradeis eine leichte und auch gewollte Abwanderung in Richtung Norden zur Ammer hin feststellen kann, entstehen andernorts durch die Vergrämung neue Splittersiedlungen einige Straßen weiter“, resümierte Bauverwaltungsleiter Manfred Stork.
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Vergrämungsversuche mit einem Greifvogel „zu aufwendig und zu teuer“
Jetzt hat die Fachkommission die Strategie für 2024 festgelegt, die der Bauausschuss einstimmig abgesegnet hat: Demnach bleiben die Tabubereiche weiter unangetastet; die Stadt will hier lediglich die Entwicklung kontrollieren. Im Paradeis will man frühzeitig und etwas länger als bisher die „Birdgards“ einsetzen und zudem durch Entnahme von Altnestern und Rückschnitt der Astgabeln die Krähen in Richtung Kläranlage und Altammer zu drängen. Auch in heuer neu gebildeten Splitterkolonien sollen Altnester entnommen werden. Vergrämungsversuche mit einem Greifvogel seien „zu aufwendig und zu teuer“, so war man sich einig. Auch habe man im näheren Umkreis bislang keinen Falkner dafür gefunden. Bemühungen, auf höherer politischer Ebene am strengen Schutzstatus der Krähen zu rütteln, seien bisher gescheitert. Laut Bundesrat sind die Tiere „in der Stadt zu dulden und zu akzeptieren“.
Stadt Weilheim setzt auf „gezielte Öffentlichkeitsarbeit“
Verstärken will die Stadt deshalb die „gezielte Öffentlichkeitsarbeit“. „Wir müssen einfach den Bürgern mehr erklären“, sagte Stork – etwa, warum die Saatkrähen so sehr geschützt sind. Die Stadt werde zunehmend zum Schutzraum für die Krähen, erläuterte Rupert Pentenrieder, der Landwirtschaftsreferent des Stadtrates. Und BfW- Sprecherin Brigitte Holeczek räumte ein: „Wir können das Problem nicht lösen, das muss man einfach sagen. Wir müssen mit den Krähen leben, auch wenn es für betroffene Anwohner nicht einfach ist.“ Keinesfalls sollten Bürger jedoch die Krähen füttern.
