VonMagnus Reitingerschließen
Soll und kann das Rathaus mehr tun gegen die Saatkrähen, deren Lärm und Schmutz im Stadtgebiet viele Weilheimer nerven? Darüber hat der Stadtrat nun erneut diskutiert, nachdem rund 800 Bürger per „Petition“ wirksameres Handeln gefordert hatten. Die Ansichten gingen in der Debatte weit auseinander.
Weilheim – So weitermachen wie bisher – dafür warb der Bauausschuss des Stadtrates, als er sich vergangene Woche mit der „Petition“ beschäftigte, die genervte Anwohner vor acht Wochen im Rathaus übergeben hatten. Mehr als die bekannten Vergrämungsaktionen in genau definierten Zeitfenstern könne die Stadt gegen die streng geschützten Saatkrähen nicht tun, so wurde betont. Zudem blieben die Au, der Friedhof und der Maibaumpark – jene drei Bereiche, die gegenüber der Regierung von Oberbayern als Schutzräume für Saatkrähen benannt werden mussten – tabu für jegliche Eingriffe.
Direkt nach Abbau der Geräte kommen die Krähen wieder
In anderen Gebieten, etwa an der Augsburger Straße und im Paradeis, will die Stadt ab nächster Woche wieder ihre beiden Vergrämungsgeräte einsetzen, Nester entfernen und Bäume zurückschneiden – auch wenn die Krähen erfahrungsgemäß „direkt nach Abbau der Geräte wieder zurückkommen“, wie Bauverwaltungsleiter Manfred Stork am Donnerstagabend im Stadtrat erklärte. Dieses Vorgehen wurde 2021 und 2022 mit einer Fachkommission vereinbart und von der Regierung abgesegnet. Und so solle man auch heuer verfahren, befand der Bauausschuss.
Stadt soll bei der Regierung mit einer Klage drohen
Der Stadtrat erhob dieses Votum nun zum Beschluss. Doch er ergänzte es auch: Die Verwaltung solle bei der Regierung von Oberbayern beantragen, auch am Friedhof und am Maibaum Vergrämungen durchführen zu dürfen. Dabei gehe es insbesondere um die Entnahme von Eiern und die Entfernung von Nestern, auch nach dem 31. März eines Jahres. Nach diesem Datum ist aktuell gar keine Vertreibung erlaubt. Stefan Zirngibl (CSU) drängte darauf, im Falle einer Ablehnung eine schriftliche Begründung von der Regierung einzufordern. Die sei nämlich anfechtbar, und die Stadt solle dann auch „mit einer Klage drohen“.
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Gegen jegliche Vergrämungsmaßnahmen stimmte Petra Arneth-Mangano (SPD) und verwies darauf, dass sich der Bestand an Saatkrähen bundesweit immer noch nicht erholt habe. Rüdiger Imgart (AfD) forderte dagegen ein entschiedeneres Vorgehen als bisher. Zwar seien andere Orte „deutlich stärker betroffen“ als Weilheim, wo das Stadtbauamt derzeit von 400 bis 450 Brutpaaren ausgeht. Dennoch bestehe Handlungsbedarf, und eine Richtlinie des Landesamtes für Umwelt gewähre auch deutlich mehr Spielraum, behauptete Imgart: Um Schaden abzuwenden, seien auch „Entnahmen möglich“. Die Stadtverwaltung müsse sich darum kümmern, dass der Friedhof und der Maibaumpark „von diesen Viechern befreit“ werden dürften, und gegen anderslautende Bescheide Rechtsmittel einlegen.
„So viele Bürger wie möglich müssen sich an den Bund und die EU wenden“
Für Alfred Honisch ist das Thema vor Ort indes „ausverhandelt“. „Was die Stadt Weilheim in Sachen Saatkrähen macht, geht an die Grenzen dessen, was man noch verantworten kann“, so der Grünen-Vertreter. Für mehr Möglichkeiten müsse man beim Bund und bei der EU kämpfen. „Alles, was irgendwo in der Möglichkeit der Stadt ist, wurde versucht“, resümierte auch Susann Enders (FW). „So viele Bürger wie möglich“ müssten sich an Bund und EU wenden, „dass der Schutzstatus der Saatkrähe aufgehoben wird“. Und auch der Stadtrat solle eine Petition an diese Adressaten starten, so Enders: „Das fände ich ein starkes Zeichen.“ Er werde das „aufgreifen“, versprach Bürgermeister Markus Loth (BfW).
Was die Stadt Weilheim in Sachen Saatkrähen macht, geht an die Grenzen dessen, was man noch verantworten kann.
Neuerliche Anträge an die Regierung von Oberbayern hielt Grünen-Sprecher Manuel Neulinger für „nicht besonders zielführend“, da keine andere Entscheidung als in den Vorjahren zu erwarten sei. Und er fügte an: Die Stadt selbst habe „noch nicht alles versucht“. So könne ein Falkner zur Vergrämung eingesetzt werden – was nach Recherchen des Stadtbauamtes zumindest mancherorts durchaus Erfolg zeigte, aber nicht billig sei. „Dann kostet es eben mal ein bisschen Geld, aber vielleicht ist es erfolgreich“, so Neulinger.
Stadt will Angebot bei einem Falkner einholen
Seinen Antrag auf solches Vorgehen habe der Stadtrat 2021 abgelehnt, erinnerte Ullrich Klinkicht (WM Miteinander), dabei gebe es sogar im nahen Oberhausen einen Falkner. Loth sagte zu, bei diesem nun ein Angebot einzuholen.
