Bauarbeiten im Vorkarwendel

Sanierung der Tölzer Hütte: Millionenprojekt auf 1800 Metern Höhe

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Sensibles Gelände: Die Stützmauern unterhalb der Tölzer Hütte im Vorkarwendel mussten nach einem Hangrutsch 2003 erneuert werden – ein Fingerzeig auf die schwierigen statischen Bedingungen am Berg.
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Die Sektion Tölz des Alpenvereins saniert heuer die Tölzer Hütte am Schafreuter: in technischer, logistischer und finanzieller Hinsicht eine Herkulesaufgabe.

Bad Tölz/Lenggries – Als die Tölzer Hütte am Schafreuter von 1922 bis 1928 errichtet wurde, musste sämtliches Material auf dem Rücken von Mulis auf gut 1800 Meter transportiert werden. Ganz so langwierig und kräftezehrend wie damals wird es jetzt, rund 100 Jahre später, zwar nicht mehr zugehen. Doch die anstehende Sanierung ist und bleibt ein höchst anspruchsvolles und aufwendiges Unterfangen, für das teils spektakuläre Aktionen nötig sind – etwa wenn ein Bagger per Hubschrauber auf den Berg gebracht wird.

Vertreter der Sektion Tölz des Deutschen Alpenvereins (DAV) stellten die Baupläne jetzt in ihrer Geschäftsstelle an der Tölzer Marktstraße vor. Auch wenn der DAV mit seinen aktuell 7400 Mitgliedern der größte Verein im Landkreis ist, bleibt für ihn die Sanierung der sektionseigenen exponierten Hütte ab Mai doch eine Herkulesaufgabe – in logistischer wie in finanzieller Hinsicht.

Bei Sanierung der Tölzer Hütte am Schafreuter geht es nicht um Luxus

Dabei gehe es nicht um Komfort, so Hüttenwart Max Nichtl. „Unser Anliegen ist es, die Hütte technisch auf einen guten Stand zu bringen. Von Luxus sind wir weit entfernt.“ Der Einbau von Duschen etwa sei nicht vorgesehen. „Es ist und bleibt eine Schutzhütte der einfachsten Kategorie 1.“ Auch bei den 70 Schlafplätzen soll es bleiben, und in der Gaststube werden nicht mehr Wanderer Platz finden als bisher.

Als die Tölzer Hütte vor etwa 100 Jahren erbaut wurde, kamen noch Mulis als Lastenträger zum Einsatz.

Die Hütte sei in die Jahre gekommen. Das zeigt sich laut Nichtl vor allem an dem nach Süden ausgerichteten Holzständeranbau, hinter dessen Verschalung es an vielen Stellen faule, so Nichtl. „Die ganze Konstruktion geht langsam von innen kaputt.“ Da helfe nur noch abreißen und neu bauen. Doch das ist nicht so leicht. Unterhalb des Anbaus gab es 2003 einen großen Hangrutsch, die Stützmauern mussten saniert, die Fundamente abgesichert werden. Das zeugt von der sensiblen Statik in diesem Bereich.

Bauarbeiter müssen jeden Montagmorgen zwei Stunden hinaufsteigen

Um dem Anbau sicheren Halt zu geben, sollen schlanke Pfähle aus Edelstahl bis zu acht Meter in die Tiefe gebohrt werden, erläuterte der Tölzer Bauingenieur Wolfgang Buchner vom beauftragten Planungsbüro. Durch die hohlen Stangen soll Beton in den Untergrund gespritzt werden.

Bei der Gelegenheit des Umbaus soll laut Nichtl auch die Eingangssituation verbessert werden, sodass die Gäste nicht unmittelbar in den Gastraum, sondern über einen Windfang eintreten. Die Theke wird versetzt, die dahinter liegende Küche in diesem Zuge etwas nach hinten vergrößert – und vor allem modernisiert und teils neu ausgestattet sowie den geltenden Hygienevorschriften angepasst. Etwas erweitert wird auch der Anbau auf der Rückseite der Hütte. Hier soll ein Trockenraum unterkommen. Nicht zuletzt sollen Fenster ausgetauscht und der Brandschutz auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Pläne für die Tölzer Hütte: Die Anbauten auf Nord- und Südseite bilden einen Schwerpunkt der Sanierung.

Eine logistische Herausforderung ist es, alles benötigte Material auf den Berg zu bringen. Zwar führt seit 1969 eine Materialseilbahn auf den Schafreuter. Doch die transportiert pro Fahrt maximal 350 Kilo. Alles, was schwerer ist, muss per Helikopter hinauf – was nur bei passendem Wetter möglich ist: ein Unsicherheitsfaktor im Zeitplan. Die Bauarbeiter – zum Einsatz kommen laut Buchner neben einer österreichischen Spezialfirma vor allem einheimische Betriebe– werden montags eineinhalb bis zwei Stunden hinaufsteigen und Ende der Woche wieder hinab.

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Versorgt werden die Arbeiter mit Essen von der „Post“ in Hinterriß. Eine Art „Kümmerer“ soll die Verpflegung der Arbeiter übernehmen. Für die Öffentlichkeit ist die Hütte heuer nicht bewirtschaftet. Mit einem neuen Wirt, der 2021 nach dem voraussichtlichen Abschluss der Sanierung loslegt, sei man in Verhandlungen.

Für die Kosten von 1,5 Millionen Euro bittet DAV-Sektion Tölz um Spenden 

Die Kosten liegen bei rund 1,5 Millionen Euro. Um das zu bewältigen, hat die DAV-Sektion einen Finanzierungsausschuss gegründet. Dessen Sprecher Karl Neumann-Henneberg erklärte: „Die Sektion hat Rücklagen gebildet, die wir komplett aufbrauchen.“ Der Bundesverband des DAV gewähre eine Beihilfe von 300 000 Euro. Der Rest werde über ein Darlehen des DAV finanziert. „Über Pacht und Übernachtungsgebühren wäre es in 20 Jahren abbezahlt.“ Doch das würde die finanziellen Möglichkeiten der Sektion stark einschränken. „Und wir wollen andere Aufgaben wie Wegepflege, Jugendarbeit oder Umweltbildung nicht vernachlässigen.“

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Daher sehe man sich intensiv nach öffentlicher Förderung um, habe etwa bei Stadt und Landkreis angefragt. Daneben hofft die Sektion auf großzügige Spenden.

Spendenkonten

Sparkasse: IBAN DE25 7005 4306 0011 1115 80.
Raiffeisenbank: IBAN DE70 7016 9598 0001 1193 54.

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