VonCarl-Christian Eickschließen
Auf knapp vier Hektar Grund über den Dächern der Stadt Wolfratshausen soll eine PV-Freiflächenanlage gebaut werden. Die Mahd, darauf pocht Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt, soll durch Schafe erfolgen.
Wolfratshausen – Sonnenstrom für rund 600 Haushalte: Über den Dächern der Loisachstadt will die Firma Actensys GmbH auf einem knapp vier Hektar großen Grundstück eine Freiflächen-Photovoltaikanlage bauen (wir berichteten). Zu diesem Zweck muss der Flächennutzungsplan geändert sowie ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt werden. Die jeweiligen Entwürfe billigte der Bauausschuss des Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung – das Vorhaben kann also vorangetrieben werden.
„Schafe statt Maschinen“: Grünen-Stadtrat pocht auf tierische Mahd unter PV-Anlage
Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) war der einzige Stadtrat, der dem Projekt erneut seine Zustimmung versagte. PV-Anlagen gehören nach Kuglers Meinung „auf Dächer“, nicht auf Freiflächen „mitten in der Pampa ohne Speichermöglichkeiten“. Zudem ist Kugler hinsichtlich Starkregenereignissen skeptisch. Das Wasser laufe von den Solarmodulen „punktuell“ auf den Boden, das heißt, die großflächige Versiegelung könnte „Muren auslösen“. Ein Thema, das die Stadtverwaltung bereits auf dem Radar habe, sagte Sebastian Sens, Mitarbeiter im Rathaus-Referat Planen und Umwelt. Sobald der Investor einen Bauantrag eingereicht habe, würde die Regenwasser-Versickerung nicht zuletzt von der Genehmigungsbehörde – das Landratsamt in Bad Tölz – geprüft.
Wir können nicht ins Privatrecht eingreifen. Wir können den Investor nicht zur Mahd mit Schafen verpflichten.
Dem Umweltreferentn des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt (Grüne) ist wichtig, „dass die Mahd von Schafen, nicht von Maschinen“ erfolgt. Daher müsse genügend Kopffreiheit zwischen Wiese und PV-Anlage garantiert werden. Dies müsse in einem Städtebaulichen Vertrag zwischen der GmbH und der Kommune verbindlich festgeschrieben werden, forderte Schmidt. Dieser Wunsch ging Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) zu weit: „Wir können nicht ins Privatrecht eingreifen. Wir können den Investor nicht zur Mahd mit Schafen verpflichten.“
Lesen Sie auch: Wolfratshauser muss für Zivilcourage büßen
Mit seinem zweiten Vorstoß erzielte der Umweltreferent zumindest einen Teilerfolg. Der Investor habe nach seiner Erinnerung zugesagt, dass sich Bürger an der PV-Freiflächenanlage oberhalb des Golfplatzes Bergkramerhof beteiligen könnten. Bereits bei der ersten Vorstellung des Projekts im Bauausschuss im April 2022 hatten Schmidt und Dr. Ulrike Krischke (BVW) darauf gepocht, dass man sich in das laut Investor etwa vier Millionen Euro teure Vorhaben einbringen könne. Etwa zehn bis 20 Prozent der PV-Fläche, darauf verständigte sich seinerzeit der Bauausschuss, sollten Bürger quasi kaufen können. „Die Bürgerbeteiligung haben wir auf dem Schirm“, versprach Sabine Trinkl, Leiterin des Rathaus-Referats Planen und Umwelt.
Jährliche Stromproduktion der Anlage soll zirka 3,6 Megawatt betragen
Der erste Entwurf für die Änderung des Flächennutzungsplans sieht vor, das derzeitige „Sondergebiet Golfplatz“ in das „Sondergebiet Photovoltaik-Freiflächenanlage“ zu verwandeln. Damit schafft die Kommune die bauplanungsrechtliche Voraussetzung für das Vorhaben. Die Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer ist bereits erfolgt, die jährliche Stromproduktion der Anlage beträgt zirka 3,6 Megawatt. Laut Trinkl hat die Actensys GmbH der „Standortkommune“, der Stadt Wolfratshausen 0,2 Cent Vergütung pro generierter Kilowattstunde Strom in Aussicht gestellt.
Das Unternehmen unterhält seine Zentrale in Ellzee im schwäbischen Landkreis Günzburg sowie eine Niederlassung in Weilheim. Die GmbH steht nach eigenen Angaben „für innovative Energielösungen mit Nachhaltigkeit“, gegründet wurde sie 2008 als Ingenieurbüro für Photovoltaik.
Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens werden nun unter anderem Stellungnahmen zahlreicher Behörden und von sonstigen Trägern öffentlicher Belange sowie der Nachbargemeinden zum Projekt in der Stadt Wolfratshausen eingeholt. (cce)
Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.
