Klein-Anwesen in Wolfratshausen

Vor zehn Jahren erbte die Stadt Wolfratshausen ein Haus: So soll es genutzt werden

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Langfristig sollen im Klein-Anwesen in Wolfratshausen diverse Beratungsangebote für Familien und Senioren gebündelt werden. Zudem hat die Seniorenvertretung der Stadt den Vorschlag erarbeitet, auf dem Grundstück eine Pflegeeinrichtung zu bauen – inklusive Wohnungen für Pflegekräfte.
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2012 erbte die Stadt Wolfratshausen gemeinsam mit der katholischen Kirche das Klein-Anwesen. Nun entschied der Stadtrat über die künftige Nutzung - doch bis dahin werden noch Jahre ins Land ziehen.

Wolfratshausen – Der Stadtrat „begrüßt“, so steht’s wörtlich in dem einstimmig gefassten Beschluss, den Konzeptvorschlag für das Klein-Anwesen an der Bahnhofstraße. Wie berichtet hat die Seniorenvertretung der Kommune den Vorschlag erarbeitet – die Umsetzung beantragte in der jüngsten Stadtratssitzung die Seniorenreferentin des Gremiums, Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW). Doch bis die prominente Immobilie einer neuen Nutzung zugeführt wird, werden noch mehrere Jahre ins Land ziehen.

Vor zehn Jahren erbte die Stadt Wolfratshausen ein Haus: Nun gibt‘s Nutzungspläne

Antonia Klein, die 2012 im Alter von 91 Jahren verstarb, hat das Gebäude plus Grundstück jeweils zur Hälfte der Kommune und der katholischen Kirchengemeinde St. Andreas Wolfratshausen vererbt. Seither steht das Haus leer. Nun hat die Seniorenvertretung ein Nutzungskonzept präsentiert (wir berichteten). Kurzversion: Im künftigen „Haus der Begegnung Antonia Klein“ sollen diverse Beratungsangebote der Stadt und von Vereinen für Familien und Senioren untergebracht werden. Im Garten des Anwesens soll ein Neubau entstehen – mit einer Pflegeeinrichtung im Erdgeschoss sowie Wohnungen für Pflegekräfte im ersten und zweiten Obergeschoss.

Wolfratshauser Liste will „Büchse der Pandora nicht öffnen“, ohne den Inhalt zu kennen

„Wir können der Euphorie nicht sofort folgen, vielleicht auch gar nicht“: Für Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) sind noch zu viele Fragen unbeantwortet. „Wer baut, wer bezahlt?“ Fleischer hat in dem Antrag „gute Vorschläge“ entdeckt, doch er sei „noch nicht entscheidungsfähig“. Fleischer gab zu bedenken, „dass das Flüchtlingsproblem noch nicht gelöst ist“. Der Garten des Klein-Anwesens gilt als potenzieller Standort für eine temporäre Unterkunft, zum Beispiel eine Traglufthalle. Die Realisierung des Konzepts der Seniorenvertretung bedeute eine „millionenschwere“ Investition für die Kommune – „und wir haben heute noch gar keinen Überblick über die Kosten“. Fleischers Fazit: „Wir wollen die Büchse der Pandora nicht öffnen, ohne zu wissen, was darin steckt.“

„Wir haben die Erbschaft angenommen, daraus erwächst eine Verpflichtung“: Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth.

Ähnlich äußerte sich CSU-Fraktionsvorsitzende Claudia Drexl-Weile. Sie sehe den Antrag „kritisch“, einer „rechtsverbindlichen Planung“ könne sie zu diesem Zeitpunkt nicht zustimmen. Zuvor müsse unter anderem ein Träger für die Pflegeeinrichtung gefunden werden.

„Wir haben die Erbschaft angenommen, daraus erwächst eine Verpflichtung“, betonte Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne). „Bewusst“ habe der Stadtrat die Seniorenvertretung (deren zwölf Mitglieder vom Rat gewählt worden sind) gebeten, sich mit der möglichen Nutzung des Klein-Anwesens auseinanderzusetzen. Nun liege ein konkreter Vorschlag – der laut Krischke mit der katholischen Kirche besprochen worden ist – auf dem Tisch. Der entspreche nicht zuletzt den Bedingungen, die die Erblasserin in ihrem Testament festgeschrieben habe. Heinloth plädierte für ein grundsätzliches Ja („Go for it!“) – die konkrete Ausgestaltung des Vorschlags könne zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Derweil könne die Verwaltung „mit der Kirche reden“ und darüber hinaus auch ausloten, was „der Bebauungsplan an dieser Stelle zulässt“.

SPD/FDP-Fraktion plädiert dafür, „jetzt den ersten Schritt zu tun“

Der Sprecher der SPD/FDP-Fraktion, Fritz Meixner, stieß ins selbe Horn. „Wir wissen, was zu tun wäre, wir müssen jetzt handeln, wir müssen den Einstieg in das Thema finden.“ Er plädierte mit Nachdruck dafür, „jetzt den ersten Schritt zu tun“ – und baute dem Stadtrat durch eine Umformulierung des Beschlussvorschlags eine Brücke. Der Konzeptvorschlag solle nicht angenommen, sondern „begrüßt“ werden – de jure für die Kommune ein gravierender Unterschied.

Fritz Schnaller (SPD) erinnerte an die mittlerweile zehn Jahre andauernde, bis dato ergebnislose Diskussion über die Verwendung der Erbmasse: „Was ist das für ein Signal an Menschen, die eventuell Ähnliches tun wollen?“, sprich die Kommune als Erben einsetzen wollen. Schnaller sprach sich dafür aus, die Immobilie und das Grundstück „so zu verwalten, wie sich die Erblasserin das vorgestellt hat“. Für ihn sei das Nutzungskonzept der Seniorenvertretung schlüssig.

Schließlich „begrüßte“ das Gremium den Vorschlag mit 23:0 Stimmen. Was konkret getan wird, soll entschieden werden, wenn weitere Planungsdetails und „mögliche Träger und deren Konzepte für die Pflegeeinrichtung bekannt sind“.

Stadtrat Kugler knüpft seine Zustimmung an eine Bedingung

Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) kündigte an, dass er seine Zustimmung zurückziehen werde, sofern der Kolpingfamilie Wolfratshausen ein Nachteil aus dem Vorhaben erwachse. Derzeit, so Kugler, nutzen die Kolpinger einen Teil des Gartens an der Bahnhofstraße 9, „um ihren Maibaum herzurichten“. Schlusswort Antragstellerin Krischke: „Vielen Dank für den positiven Beschluss, packen wir’s an.“ (cce)

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