VonMagnus Reitingerschließen
Radfahren in Weilheim ist unsicher und unbequem: Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Fahrradklima-Test des ADFC. 109 Radler gaben dafür ihre Bewertungen ab – und verpassten der Kreisstadt insgesamt eine Vier.
Weilheim – Dass der Radverkehr ein wichtiges Thema ist, das hat man lange schon erkannt im Weilheimer Rathaus. Gute Bedingungen für Radfahrer sind entscheidend, um Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren, sie erhöhen die Lebensqualität der Bürger – und sie sind auch wichtig, um die erklärten Klimaziele der Stadt zu erreichen. Nicht zufällig prangt auf der Internetseite weilheim.de an prominenter Stelle die Rubrik „Radfairkehr in Weilheim“. Seit 2019 ist die Stadt Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Bayern“ und hat sich damit zu einer systematischen und nachhaltigen Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit verpflichtet. Und im Herbst 2021 beschloss der Stadtrat ein teils ambitioniertes Radverkehrskonzept.
Der Test wurde unterstützt vom Bundesverkehrsministerium
In der Praxis lässt allerdings Vieles zu wünschen übrig, wie Radfahrer vor Ort regelmäßig monieren – und nun auch der Fahrradklima-Test 2022 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zeigt. Bundesweit konnten Radler dabei über eine Online-Erhebung mit 27 Fragen beurteilen, wie fahrradfreundlich ihr Ort ist. Unterstützt wird der Test, den der ADFC alle zwei Jahre durchführt, vom Bundesverkehrsministerium. In Weilheim nahmen vergangenen Herbst 109 Menschen an dieser Umfrage teil. Sie verpassten der Stadt Weilheim in der Gesamtbewertung der Fahrradsituation nach Schulnoten eine 4,04 – praktisch unverändert gegenüber 2020.
Fahrradklima-Test: Peiting schnitt besser ab als Weilheim
Unter den Städten mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern belegt Weilheim damit bundesweit Platz 246 von 447. In Bayern nahmen 164 Kommunen teil, im Durchschnitt wurde das Fahrradklima von den Befragten mit 3,8 bewertet. Im Landkreis waren noch Peiting und Penzberg dabei. Die Marktgemeinde Peiting schnitt mit 3,8 besser ab als Weilheim, die Stadt Penzberg mit 4,5 schlechter.
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Den Ergebnissen zufolge ist Radfahren in Weilheim alles andere als sicher und komfortabel. 72 Prozent fühlen sich als Radler im Weilheimer Straßenverkehr gefährdet. Ebenso viele geben an, beim Fahren im Mischverkehr mit Autos behindert und bedrängt zu werden; mehr als zwei Drittel der Teilnehmer erleben häufig Konflikte zwischen Auto- und Radfahrern.
Auch auf Radwegen fühlen sich die meisten nicht sicher
Einerseits sagt eine große Mehrheit, dass das Stadtzentrum gut mit dem Fahrrad zu erreichen sei und in Weilheim „alle Fahrrad fahren – egal, ob alt oder jung“. Doch laut drei Viertel der Befragten sind Radwege und Radfahrstreifen keineswegs so angelegt, dass dort auch junge und ältere Menschen sicher radeln könnten. Radwege seien zu schmal und würden zu wenig gereinigt bzw. im Winter geräumt. Insgesamt 85 Prozent sind mit der Führung an Baustellen unzufrieden, da sie meist zum Absteigen und Schieben gezwungen werden. Auch die Ampelschaltungen erleben die allermeisten als schlecht auf Radler abgestimmt. Insgesamt empfindet jeder zweite das Radfahren in Weilheim als stressig; 57 Prozent der Radfahrer fühlen sich nicht ernst genommen als Verkehrsteilnehmer.
Lob für die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung
Positiv bewertet wird die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer: 79 Prozent sind hiermit zufrieden. Auch die Fahrradparkmöglichkeiten am Bahnhof werden von einer großen Mehrheit gelobt. Jedoch vermissen mehr als zwei Drittel öffentlich zugängliche Leihräder in der Stadt. Auch auf den Wegen in Nachbarorte fühlen sich übrigens 57 Prozent der Radler nicht vor Unfällen sicher.
Stadt Weilheim habe „in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan“
Gegenüber der Befragung von 2020 haben sich viele einzelne Bewertungen seitens der Weilheimer Radfahrer nicht wesentlich verändert. Für deutlich schlechter als zuletzt wurde 2022 allerdings das Engagement der Stadt befunden. 72 Prozent der Befragten sagen, es sei „in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan“ worden.
