Darauf hat der Schlierseer Gemeinderat lange gewartet und alle anderen Avancen abgeschmettert. Für das Gelände an der Stolzenbergstraße in Neuhaus (Arag-Grundstück) hat sich nun ein Interessent gemeldet, dessen Pläne konform gehen mit denen der Gemeinde.
Schliersee – Ein Stuttgarter Projektentwickler möchte auf dem 12 500 Quadratmeter großen Areal ein „Gesundhaus“ verwirklichen. Im Dezember hatte der Schlierseer Bauausschuss bereits seine Bereitschaft bekundet, eine etwas dichtere Bebauung zuzulassen, als im 35 Jahre alten Bebauungsplan vorgesehen (wir berichteten), jetzt stellte das beauftragte Architekturbüro erste Pläne vor. Dem Ausschuss gefiel’s im Großen und Ganzen. Er beschloss die Änderung des Bebauungsplans, in dem dann die Details festgezurrt werden.
Das Konzept sieht ein Ensemble mit Dorfcharakter vor. Um einen Naturteich gruppieren sich fünf Chalets auf der Nordseite (zum See hin), ein Gästehaus, ein Bio-Hotel und das namensgebende Gesundhaus mit Praxen. Die Chalets bezeichnete Stefan Zemmrich vom Büro haas cook zemmrich, ebenfalls aus Stuttgart, als „Rückzugsrefugien für alle Jahreszeiten“. Ein wenig erinnern die 60 Quadratmeter großen, zweigeschossigen Bauten an die Hüttentürme des Tannerhofs in Bayrischzell – flächige Holzfassade und Übereck-Fenster. Diese Gestaltung setzt sich an den Gebäuden weiter südlich fort. „Wir haben uns an der regionalen Architektur orientiert“, sagte Zemmrich und zeigte ein paar Bilder von Bauernhäusern. Rund 90 Betten sollen in Gästehaus für einfachere Ansprüche und Biohotel für höhere Bedürfnisse Platz finden, eine Tiefgarage die Autos schlucken. Die Baukörper sollen eingebettet werden in einen entsprechenden Baumbestand. Einen „Ort der Erholung“ wolle man schaffen, so der Planer.
Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) erinnerte daran, dass der Gemeinderat wiederholt Bauwünsche für dieses Gelände abgelehnt hatte, die gänzlich oder auch nur zum Teil eine Wohnnutzung vorsahen. Kritisch sah Heinz Blees die beiden großen Baukörper, das Gästehaus, ein 55 Meter langer Riegel und das noch voluminösere Biohotel in L-Form. „Das wären die größten Gebäude in Neuhaus.“ Für ihn als Architekt „nicht zu akzeptieren“. Nun sitzt Blees nur als beratender Planer im Ausschuss. Diejenigen mit Stimmrecht teilten seine Meinung nur zum Teil. Gerhard Waas (Grüne) etwa sah weniger die südliche Bebauung von Neuhaus als Referenz, sondern die weiter nördlich stehenden Bauernhäuser von Fischhausen. Dort gebe es Beispiele von über 60 Meter langen Höfen. Ähnlich sah das Gerhard Krogoll (CSU), auch wenn er den L-förmigen Baukörper als „schon etwas brutal“ empfand.
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Unisono begrüßten die Ausschuss-Mitglieder im Grundsatz die Pläne. Wolfgang Schauer (Ausschussgemeinschaft) etwa sagte: „Endlich mal ein gesamtheitliches Konzept für das ganze Gelände. Das ist wichtig.“ Und Robert Mödl (Die Schlierseer) freute sich, „dass überhaupt das Interesse eines Investors da ist“. Die Aufteilung der Gästebetten auf mehrere Häuser sei allemal besser, als ein Riesenkomplex mit 150 Betten. Das rechtsgültig festgesetzte Sondergebiet Fremdenverkehr sieht zwei 25 mal 20 und ein 27 mal 22 Meter große Gebäude vor. In der neuen Planung steigt der Anteil der überbauten Fläche von 15 auf etwas unter 20 Prozent.
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Letztlich empfahlt der Bauausschuss dem Gemeinderat einstimmig, den betreffenden Bebauungsplan zu ändern, eventuell einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan zu erstellen, um mehr Einfluss auf die konkrete Gestaltung zu nehmen. Zu diskutieren wird wohl sein, wie sich das „Gesundhaus“-Ensemble insbesondere mit den Gebäudehöhen am besten in die Umgebung einfügt.