Ein dauerhafter Leerstand des Schlierseer Hofs bleibt der Tourismusgemeinde Schliersee erspart. Zwar hat die Familie de Alwis wie angekündigt ihr Haus nun geschlossen. Im April soll es aber weitergehen.
Seit dem Nein zu den großen Neubauplänen für den Schlierseer Hof beim Bürgerentscheid liegt die Zukunft des Hotels im Ungewissen. Und das bleibt gewissermaßen so. „Ich nehme mir jetzt eine zweiwöchige Auszeit. Dann setzen wird uns wieder zusammen und schauen, wie es weitergeht“, sagt Marcel de Alwis, Junior-Chef des Schlierseer Hofs. Wie angekündigt haben er und sein Vater Walter das Haus zum 4. November dicht gemacht. Neu ist allerdings: Sie wollen es wieder öffnen. Bis 25. April sollen die Betriebsferien dauern, nach fünf Monaten Pause werden dann wieder Gäste empfangen. „Wir sind buchbar – jedoch unter Vorbehalt“, sagt de Alwis. Auch telefonisch und per Mail sei man weiterhin erreichbar.
Auch digitale Auszeit
Der Bürgerentscheid und seine teils weniger schönen Randerscheinungen haben auch nach dem Votum offenbar an der Hoteliersfamilie genagt. De Alwis junior jedenfalls hat sich nicht nur eine physische Auszeit verordnet, sondern meidet erstmal auch die sozialen Medien. Die vielen gehässigen Kommentare – nicht allein, was das eigene Haus betrifft, sondern zum Beispiel auch in Sachen Saurüsselalm – werfen ihn zwar sicher nicht aus der Bahn, bewirken aber zumindest ein unverständiges Kopfschütteln. Dem muss man sich nicht zwingend aussetzen.
Ab sofort immer Winterpause? „Muss ich durchkalkulieren“
Dass zunächst kein dauerhafter Leerstand droht, ist für die Tourismus-Gemeinde Schliersee sicherlich eine gute Nachricht. Und noch etwas hat Marcel de Alwis entschieden: „Einen Verkauf habe ich für mich ausgeschlossen.“ In welcher Weise es weitergeht, steht allerdings in den Sternen. Etwa, ob der Schlierseer Hof nun jedes Jahr im Winter dicht macht. Der November ist touristisch ohnehin der schwächste Monat im Jahr, es folgen Januar und März. Wirklich aufwärts geht es tatsächlich erst ab April, wie auch Auswertungen der Regionalentwicklung Oberland zeigen. In Juli und August sind die Zahlen etwa dreieinhalb Mal so hoch wie im November. „Ich muss das durchkalkulieren“, sagt de Alwis zur Frage einer dauerhaften Winterschließung. Zur Erinnerung: Eine ganzjährig gute Auslastung war einer der Gründe, warum die de Alwis bei ihren Neubauplänen etwas ganz Besonderes anstrebten. Das 116-Zimmer-Hotel selbst und nicht allein die Region sollte das Reiseziel sein. Die Rechnungen für die Planung, die nun nicht realisiert werden kann, summieren sich de Alwis zufolge inzwischen auf rund drei Millionen Euro. Mit einem Verkauf des Schlierseer Hofs (46 Zimmer) direkt am Seeufer sowie des nebenan liegenden Anwesens Siebzehnrübl (Zukunft weiter unklar) wäre die Familie auf einen Schlag alle Sorgen los. Insofern kann man das Ausschließen eines Verkaufs auch als Bekenntnis zum Standort werten. Bekanntlich gehört der Familie auch das Gästehaus „Kuh am See“ in Fischhausen mit 26 Ferienwohnungen (bleibt in Betrieb) sowie der frühere Gasthof Prinzenweg, in dem viele der 20 ständigen Mitarbeiter wohnen. Dies übrigens weiterhin und zwar kostenlos, wie de Alwis sagt. Über die geplante Wiederöffnung im April seien sie informiert.
„Walter‘s am See“ soll wiederkommen
Bis dahin möchte die Hoteliersfamilie auch den Betrieb der Bar „Walter‘s am See“ wieder ermöglichen. Wie berichtet musste diese heuer wegen nicht genehmigter Hütten geschlossen bleiben beziehungsweise war den Übernachtungsgästen vorbehalten.