VonHelmut Hobmaierschließen
Paukenschlag in der Hallertau: Eine chinesische Holding ist bei der Schlossbrauerei Au eingestiegen. Für den Getränkebetrieb stehen große Veränderungen an.
Au/Hallertau – Diese Nachricht schlug am Freitagnachmittag wie eine Bombe ein: In die traditionsreiche Auer Schlossbrauerei mit ihren rund 40 Mitarbeitern ist ein chinesischer Investor eingestiegen. Die FCAA Castle Brewery Company werde „in den Brauereibetrieb investieren“, teilte der bisherige Geschäftsführer Michael Beck von Peccoz mit. Damit sollen „Arbeitsplätze langfristig gesichert“ werden. Und: Man will künftig noch stärker im riesigen chinesischen Biermarkt mitmischen. Es sei der Eigentümerfamilie gelungen, „die Weichen für die weitere erfolgreiche Zukunft des Brauereibetriebs zu stellen“.
Die FCAA Castle Brewery Company bündelt nach Mitteilung der Schlossbrauerei als Holding die deutschen Aktivitäten des Einzelhandelsriesen Dashang Group mit Sitz in Dalian, China. Diese sei vergleichbar mit der hiesigen Metro und verfüge über eine Vielzahl von Supermärkten „und weiteren wichtigen Absatzkanälen in ganz China“. Das Engagement des Investors verfolge das Ziel, „die Qualitätsbiere der Schlossbrauerei Au-Hallertau als eigene Marke flächendeckend in ganz China zu positionieren. Diese Strategie habe die Dashang Group mit eigenen europäischen Weingütern bereits erfolgreich umgesetzt, teilte von Peccoz mit.
„enormes Wachstumspotenzial erwartet“
Weiterhin heißt es in der Pressemitteilung: „Ausschlagend für das Engagement des Investors waren die Geschichte der Schlossbrauerei, die lange Tradition der Familie, die hohe Qualität der Biere und nicht zuletzt die weltweite Bekanntheit des Hopfenanbaugebiets Hallertau.“
In einem strukturierten Prozess hätten die Verantwortlichen frühzeitig erkannt, „dass sich für alle Beteiligten eine Win-win-Situation ergeben werde, zumal gewährleistet sei, dass auch künftig größter Wert auf den regionalen Biermarkt gelegt wird“. Zusätzlich, so teilt von Peccoz mit, sei „ein enormes Wachstumspotenzial auf den internationalen Absatzmärkten zu erwarten“. Die Erschließung dieses Marktes könne „durch die neue Partnerschaft nunmehr in Angriff genommen werden“.
Die Belieferung neuer Märkte, aber auch der Ausbau der regionalen Stellung der Brauerei im Heimatmarkt, sowie die Investition in neueste Techniken gehörten daher zu den „Kernpunkten der zukünftigen Strategie“ des Betriebs. Der bisherige Geschäftsführer Michael Freiherr Beck von Peccoz werde diesen Prozess „begleiten“ und bleibe dem Unternehmen auch künftig erhalten, „da dadurch zum einen die enge Zusammenarbeit zwischen Investor und Familie bekräftigt und zum anderen auch gewährleistet werde, dass für die Kunden die bisherigen Ansprechpartner die gleichen bleiben“. Michael Beck von Peccoz war am Freitag für nähere Erläuterungen nicht erreichbar.
Die Brautradition in Au ist bereits mehr als 400 Jahre alt und reicht bis ins Jahr 1590 zurück. Seit 1846 befinden sich Brauerei und Schloss im Besitz der Freiherren Beck von Peccoz. Michael Beck von Peccoz leitete bisher die Schlossbrauerei in der sechsten Generation.
Die Biere aus Au wurden bereits jetzt nach China und USA exportiert. Für die Boon Rawd Brewery in Thailand etwa braut die Schlossbrauerei das weltweit bekannte Singha-Bier. Der Bierausstoß in der Hallertau stieg laut dem Internet-Biermagazin „Bierhandwerk“ von 15.000 Hektoliter im Jahr 1960 auf 50.000 in 2014 und auf 55.000 in 2015. Der Exportanteil lag laut dem Magazin bei 20 Prozent.
Michael von Peccoz wird darin wie folgt zitiert: „Wir sind also eine richtige, mittelständische Brauerei“. Und das solle auch so bleiben.
Der letzte Handelsregistereintrag der FCAA Castle Brewery Company mit Sitz in Düsseldorf datiert vom 28. November 2018. Dort wird als Gegenstand des Unternehmens vermerkt: „Verwaltung . . . und Veräußerung von Beteiligungen und Anteilen an in- und ausländischen Unternehmen aller Art, insbesondere an der Schlossbrauerei Au“. Die FCAA steuert die deutschen Aktivitäten der Dashang Group mit Hauptsitz in Dalian. Der Konzern betreibt laut Wikipedia Warenhäuser, Supermärkte andere Einzelhandelsgeschäfte. Es ist der größte Einzelhändler in Nordostchina.
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