VonElke Robertschließen
Schongau bekommt einen Marie Juchacz-Platz. Der Außenbereich beim Schongauer Seniorenamt wird nach der AWO-Gründerin benannt. Auch „Fronveste“ wurde vorgeschlagen.
Schongau – Marie Juchacz nehme einen bedeutenden Platz in der deutschen Geschichte ein, begründete Barbara Karg, SPD-Stadträtin und Vorsitzende der AWO Schongau, den Antrag. „Ihre Errungenschaften liegen im Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen und das Frauenwahlrecht“, so Karg. Juchacz war als eine von 37 Frauen in die Weimarer Nationalversammlung gewählt worden. Am 19. Februar 1919 – also vor 100 Jahren – sprach sie dort als erste Parlamentarierin im Reichstag. Im September 1919 gründete sie dann die Arbeiterwohlfahrt. „Das wäre ein angemessener Platz“, führte Karg aus, „zumal wir in Schongau ganz wenig Frauennamen in Straßen oder Plätzen haben. Man könnte auch ein Schild aufstellen, das Näheres zu Marie Juchacz erklärt – das wäre eine tolle Geschichte.“
Vorschlag der SPD-Fraktion
Kornelia Funke (CSU) fand die Idee gut, „aber an dieser Stelle habe ich etwas Bauchweh“, meinte sie. Und zwar nicht wegen der Namensgeberin an sich, wie sie mehrfach betonte. Im Gegenteil wolle sie die Bedeutung nicht abwerten, sondern auch einen Beschluss fassen, Marie Juchacz baldmöglichst an anderer Stelle im Stadtgebiet zu würdigen. Funke ging es eher darum, einen historische Namen für den Platz an diesem für Schongau so bedeutungsvollen Gebäude zu finden – und hatte auch gleich einen Vorschlag im Gepäck: Fronveste, ein Ort, wo Menschen verwahrt, aber auch gefoltert wurden. Funke: „Der Name ist historisch belegt.“
Gegenvorschlag müsste formal erst eingereicht werden
Bürgermeister Falk Sluyterman verwies darauf, dass Funke rein formal einen Gegenvorschlag einreichen müsse, wenn der Stadtrat darüber entscheiden solle. Eine Änderung der Tagesordnung wurde in diesem Zusammenhang jedoch nicht beantragt. Friedrich Zeller (SPD) warb für den Vorschlag seiner Fraktion. Auch fand er den Platz für die Namensgeberin durchaus passend, zumal der Adolph-Kolping-Weg auf der anderen Seite der Stadtmauer auf gleicher Höhe verlaufe – da befinde man sich in bester Gesellschaft. „100 Jahre Frauenwahlrecht, 100 Jahre AWO – das wäre eine tolle Sache, und wir sollten es nicht auf die lange Bank schieben, bis wir in Schongau wieder einen Platz bekommen.“ Robert Stöhr (CSU) unterstützte die Fraktionsvorsitzende bei ihrem Ansinnen: „In der Nähe der AWO wäre es sinnvoller“. Bettina Buresch (ALS) argumentierte, dass zwar Fronveste in Schongau schon ein Begriff sei, aber sie erinnerte auch an die Hexenverfolgung in Schongau und die Verbrechen speziell gegen Frauen. „Auch Frauen wurden an dieser Stelle gefangen gehalten und wurden dort gefoltert – Marie Juchacz hat sich wiederum für Frauenrechte eingesetzt – da kann man schon einen Brückenschlag finden.“ Der Namensvorschlag der SPD wurde mit 15:8 angenommen.
Diskussion kürzlich in Peiting
Jüngst hatten erst die Peitinger Marktgemeinderäte diskutiert, ob man nicht einen Weg am Wellenfreibad nach der Frauenrechtlerin und AWO-Gründerin benennen wolle. Die Entscheidung wurde jedoch vertagt.
In der gleichen Sitzung hatte der Stadtrat den Vorentwurf für den Platz und den ersten Schritt für die Neugestaltung des Stadtmauerumfelds beauftragt - nicht ohne längere Diskussion um einen behindertengerechten Weg Richtung Münzgebäude.
Und das könnte Sie auch interessieren: Der Versuch, in Schongau ganz auf Plastik zu verzichten
