Ausstellung im Schongauer Stadtmuseum

Papierkunst von Schülern: „Professionelle Galeriearbeit“

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Viel Beifall gab es nicht nur für die Schüler, sondern auch von den Schülern für Lehrerin Nadine Larasser
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Schüler des Schongauer Welfen-Gymnasiums stellen derzeit im Schongauer Stadtmuseum aus. Ein Besuch von „Alles aus Papier“ lohnt sich unbedingt.

Schongau – „Auch wenn es mancherorts prophezeit und befürchtet wurde: Das Papier ist in unserem Medienzeitalter nicht überflüssig geworden.“ Dieser Leitsatz prangt auf der Ausstellungs-Einladung der Schongauer Gymnasiasten. Den man unbedingt unterschreiben muss, nicht nur medial gesehen, sondern vor allem aus künstlerischer Sicht. Denn was die Schüler von der fünften bis zur 12. Jahrgangsstufe aus Papier gestaltet haben, ist mehr als großartig. Es ist – in der Papierstadt Schongau – ein bisher einzigartiges Projekt.

Dies hielten auch die Redner am Eröffnungsabend fest, allen voran Helmut Schmidbauer, der es sich nicht nehmen ließ, quasi als Hausherr des Arbeitskreises Stadtmuseum im Historischen Verein Schongau „seine“ Schüler und die Lehrer zu begrüßen. „Die Ausstellung ist professionelle Galeriearbeit“, sparte Schmidbauer nicht mit Lob. Dem Stadtmuseum sei es nicht nur ein Anliegen, Gegenstände zu zeigen und zu erhalten, man freue sich sehr, auch Bühne zu sein für künstlerische und schulische Aktivitäten. „Ich hoffe auf Nachfolgeveranstaltungen, das soll Schule machen für die Schule“, so der Wunsch Schmidbauers. „Es ist so wichtig, den Schülern zu vermitteln, dass die Vergangenheit einen so großen Wert hat.“

Schüler der 11. Jahrgangsstufe haben Ausstellung auf die Beine gestellt 

Die Federführung der Ausstellung haben neun Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe, die die Schau im Rahmen eines P-Seminars zusammengestellt haben. Die Arbeiten von Maja Angerhofer (Scherenschnitte), Hafiza Demir (Schminktisch), Louisa Holderried (Papier-Quilling-Kunst), Jessica Kosian (Baum-Installation) sowie Endrita Velija und David Toth (Hochzeit) verteilen sich fast über das gesamte Museum.

Ganz besonderes Ballkleid: Die Zeitung steht für Intrigen und Geschichten, die Herzen brechen

Wunderbar, wie sich die Werke einfügen. Wie für die Erasmuskapelle gemacht, erscheint etwa das Kleid „When in doubt“ von Elfrun Jaenisch, die ein Ballkleid aus dem 19. Jahrhundert aus Papier schneiderte und klebte. Die Zeitungen symbolisieren die Geschichten und Intrigen, die auf Bällen verbreitet und vorbereitet wurden, das rote Krepppapier steht für die Liebe und die gebrochenen Herzen. 60 Stunden Arbeit stecken darin.

„Phantasie ist wichtiger als Wissen“

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“ – diesem Zitat von Albert Einstein hat sich Kim Rienecker in ihrer hängenden Buchskulptur gewidmet. Mit einem Skalpell hat sie einen großen Flügel aus den Seiten herausgetrennt. „Mut und Phantasie, um quer zu denken und Freiräume für persönliche Entwicklung“ sind ihr wichtig.

Ein Bild der neunteiligen Hommage an Karl Valentin: Insgesamt stecken 168 Stunden Arbeit darin

Beeindruckend auch das Werk „FACEtten“ von Clara Eichelberg, die in unglaublich kleinteiliger Arbeit die unterschiedlichen menschlichen Seiten des berühmten Münchner Komikers Karl Valentin studierte. Sie machte seine Geldprobleme ebenso sichtbar wie seine innere Zerrissenheit. Und kann letztlich das Valentin-Zitat „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ nur bestätigen, hatte sie doch 168 Stunden in ihr neunteiliges Werk gesteckt.

In den Kunstwerken steckt viel Arbeit

Machten schon die Papierkunstwerke selbst viel Arbeit, ging es für die Schüler aber um weit mehr: Organisation der Ausstellung, Aufbau und Vernissage-Vorbereitung, und am Ende auch noch die Betreuung der Gäste. „Das P-Seminar verlangt eine Verzahnung von Schulrealität und Wirklichkeit, das die Schüler auch erfahren, was es bedeutet, aus dem geschützten Raum Schule ins echte Leben zu gehen“, hatte Julia Lindner, Mitarbeiterin der Schulleitung am Gymnasium, den Besuchern eingangs erklärt. Und sich bei dieser Gelegenheit auch gleich bei der Firma UPM bedankt, die die Schüler unterstützt hatte. Im Hof zeigten junge Firmenmitarbeiter, wie man Papier schöpft und im Anschluss presst – was die Gäste dann nur zu gerne ausprobierten. Auch Fritz Holzhey, ehemaliger Besitzer der Schongauer Papierfabrik und Ehrenbürger der Stadt, schaute im Innenhof des Museums vorbei.


Info: Die Ausstellung „Alles aus Papier“ ist noch bis zum 23. Juni zu sehen, jeweils zu den Öffnungszeiten des Museums jeden Mittwoch, Samstag, Sonn- und Feiertag zwischen 14 und 17 Uhr. Für Klassen und Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Voranmeldung unter 08861/2772.

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