Schüler wollen sich engagieren

Fridays for Future-Erfolg: Klimaschutz wird jetzt zum Schulfach am Tölzer Gymnasium

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Mitinitiiert wurde das neue Wahlfach auch von den „Fridays for Future“-Demonstranten.
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Bienen summen auf dem Dach des Gymnasiums, und der Schulgarten soll wieder blühen. Solch’ Engagement soll jetzt sogar ins Zeugnis einfließen. Am Tölzer Gabriel-von-Seidl Gymnasium wird es im kommenden Schuljahr das neue Wahlfach „Klima- und Umweltschutz“ geben.

Bad Tölz – Das bestätigt Schulleiter Alexander Göbel auf Nachfrage. „Im Kurs sollen mittel- bis langfristige Klimaschutzziele der Schule umgesetzt werden“, sagt der Schulleiter. Die Schüler sollen sich also mit konkreten Maßnahmen zum Umweltschutz beschäftigen und damit, wie er am Gymnasium umgesetzt werden kann. Eine Unterrichtsstunde pro Woche veranschlagt Göbel für den Kurs. Eine Lehrkraft interessiere sich bereits für die Leitung des neuen Wahlfachs, sagt der Direktor. Noten wird es dafür nicht geben: „Die Teilnahme wird aber im Zeugnis erwähnt“, sagt der 52-Jährige.

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Umweltschutz auf den Lehrplan zu setzen, das gehört laut Göbel zum Bildungsauftrag des Kultusministeriums. Mögliche Kritik an dem Fach – etwa von Leugnern der Klimakrise – bereitet Göbel keine Sorgen. „Dem sehe ich gelassen entgegen. Das Fach hat nur etwas mit der Schule selbst zu tun und wird durch Artikel 131 der bayerischen Verfassung gestützt.“ Hier ist unter anderem definiert, dass Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt zu den obersten Bildungszielen gehört. Als Biologie- und Chemielehrer habe er selbst seit dem Studium Bezug zu Umweltschutz, berichtet Göbel.

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Mitinitiiert wurde das Fach auch von den „Fridays for Future“-Demonstranten. „Unsere Klimastreiker haben bei der Nacharbeit dazu schon ein Brainstorming veranstaltet“, sagt Göbel. Trotz des vielkritisierten Schulstreiks ist er froh, dass die Schüler Engagement zeigen. Mit dem Fach will er die politischen Kräfte der Streikenden bündeln. „Wir wollen quasi jetzt geschickt auf den Zug aufspringen“, sagt Göbel.

Parallel zum neuen Schulfach soll die altgediente „Wir-Werte-Gruppe“ der Schule umgestaltet werden. Diese besteht aus Lehrern, Eltern und Schülern und will sich von nun an ebenfalls mehr mit Umwelt- und Klimaschutz befassen – zusammen mit den Teilnehmern des neuen Klima-Schulfachs.

So viele Aktivisten gibt es an Göbels Schule übrigens nicht: „Bei der vorletzten Demo haben hier 17 von 900 Schülern gefehlt. Umso mehr müssen wir versuchen, das kleine Flämmchen des Umwelt-Engagements am Brennen zu halten.“  

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