Toilettenanlage fertiggestellt

Selbstreinigend und vandalismussicher: Stadt baut für 310.000 Euro WC im Bürgergarten

+
Kein Klo wie jedes andere: Die neue Toilettenlage im Bürgergarten wurde von (v. li.) 2. Bürgermeister Andreas Wiedemann, FWG-Stadtrat Michael Lindmair, Stefan Öttl vom städtischen Bauamt und Kämmerer Hermann Forster der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Stadt Bad Tölz betrachtet öffentliche Toiletten als Aushängeschild und hat daher tief in die Tasche gegriffen, um Gästen und Einheimischen ein garantiert sauberes stilles Örtchen zu bieten.

Bad Tölz – Der Bürgergarten mit seinem alten Baumbestand, unmittelbar westlich des inzwischen fast fertig umgebauten Rathauses, gehört zu den schönsten Tölzer Plätzen – auch wenn er ein wenig versteckt liegt. Dort wurde am Dienstag nun ein Ausstattungsmerkmal besonderer Art präsentiert: nämlich die mit jeder Menge Technik ausgestattete Toilettenanlage, die die Stadt Bad Tölz für 310.000 Euro errichtet hat.

Die alte Toilettenanlage wurde abgerissen. Nun steht an der Nordseite des Bürgergartens ein neues, elf Meter langes Gebäude am Hang. Rechnet man eine Unterbrechung wegen der notwendigen Standfestigkeitsprüfung ab, wurde das neue „Klohäusl“ neben dem Steg am Schulgraben in drei Monaten fertiggestellt. Es enthält ein Pissoir und drei WC-Kabinen (eine davon behindertengerecht und mit Wickeltisch). Unter dem Vordach soll demnächst noch der Parkscheinautomat für den Schloßplatz angebracht werden.

Lesen Sie auch: Wanderparkplätze: Jachenau will‘s mal mit einer Bio-Toilette probieren

2. Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) erläuterte, was die Stadt bewogen hatte, so viel Geld zu investieren: „In der Vergangenheit hat es immer wieder Beschwerden über die Sauberkeit geben, Vandalismus war an der Tagesordnung, und der eine oder andere späte Zecher nutzte die unversperrten und kostenlosen Toiletten als Übernachtungsmöglichkeit.“ Öffentliche WCs seien aber ein Aushängeschild für eine Stadt.

Lesen Sie auch: Gmunderin (79) auf dem Tölzer Friedhof bestohlen

Die Toilette am Bürgergarten ist nun täglich von 7.30 bis 20.30 Uhr geöffnet. Nachts ist sie über eine Zeitschaltuhr abgesperrt. Jeder Versuch, die Tür aufzuhebeln, wird über das System gemeldet. Außer beim Pissoir kostet die Nutzung jeder Kabine 50 Cent. Dafür kann sich jeder Benutzer sicher sein, eine saubere Toilette vorzufinden. Nach jeder Benutzung fährt der Toilettensitz zur Selbstreinigung automatisch in einen Technikraum ein. Sobald der Nutzer die Kabine verlassen hat, wird der Boden über Hochdruckdüsen mit Wasser abgespritzt. Eine spezielle Konstruktion des Bodens stellt die sekundenschnelle Trocknung sicher.

Lesen Sie auch: Sie eröffnete Menschen mit Behinderung neue Chancen: Maria Schnitzer feiert 90. Geburtstag

Für das Gebäude wurden in den vergangenen Monaten mehrere bis zu 15 Meter lange Rammpfähle gesetzt, um der 55 Tonnen schweren Anlage ausreichend Stabilität zu verleihen. Unterhalb der aufwendigen Toilettenanlage befindet sich im Hang ein Kellergeschoß, das bis unters Dach mit technischen Vorrichtungen für die gesamte umliegende Infrastruktur gefüllt ist. Dort sind etwa separate Stromanschlüsse untergebracht, die sowohl für die Ladestation der E-Autos der Stadtverwaltung als auch für die Markt- und Festanschlüsse am Bürgergarten nutzbar sind. Hier können auch zusätzliche Toilettenwagen an Wasser und Abwasser angeschlossen werden, die bei Großereignissen wie Leonhardifahrt, Christkindl- und Ostermarkt sowie dem SV-Sommerfest im Bürgergarten nötig sind. Auch der technische Anschluss für das Parkleitsystem ist hier verbaut.

Kritik an den Kosten für neue Toilettenanlage könne er nicht nachvollziehen, sagte Wiedemann. „Wegen des zunehmenden Vandalismus und des schier unlösbaren Problems, Reinigungskräfte zu finden, muss man verstärkt auf Automation und teure Technik setzen“, erklärte er. Als nächstes wird wie berichtet die Toilette im Durchgang zwischen Stadtmuseum und Rathaus saniert.

Karl Bock

Kommentare